KRITIK

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen

Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen Im Ausland gilt er als womöglich wichtigster lebender deutscher Regisseur, bei uns sind die letzten Filme von Werner Herzog wie beispielsweise „Rescue Dawn“ (2006) mit Christian Bale oder die Dokumentation „Encounters“ (2007) gar nicht erst ins Kino gekommen. Vielleicht könnte sich das wieder ändern – jetzt, da der Exzentriker des Neuen Deutschen Films („Fitzcarraldo“) als Präsident der Berlinale-Jury die Bären verteilen durfte und sein vorletzter Film doch noch anläuft.

Nötig wär´s, denn gerade mit seinem Quasi-Remake von „Bad Lieutenant“, jenem zappendusteren Polizistendrama von Abel Ferrara aus dem Jahr 1982 beweist er, dass es im US-Mainstream derzeit nichts vergleichbar Kühnes zu sehen gibt.

Mit Ferraras religiös grundiertem Original, in dem ein heilloser Cop auf Erlösung hoffte, hat seine Variante nichts zu tun: Er verlegte die Geschichte ins vom Sturmtief Kathrina verwüstete New Orleans und schraubte den trostlosen Grundton ins Irre-Komische.

Ein Glücksfall ist Nicolas Cage. Dessen Augenrollen und gestisches Übertreiben kann sonst schon mal nerven, hier aber, als koksender Brutalo-Polizist, könnte es nicht besser passen. Wie er sich bei der Suche nach einem Familienmörder immer tiefer im Schlamassel aus Drogensucht und Korruption verstrickt und dabei schmerzgebückt durch die Sumpfstadt torkelt, das ist schon eine Schau für sich. Wie befreit kann sich der finanzgeplagte Mime hier von seinen lästigen Auftragsarbeiten freispielen.

Zudem nimmt Herzog dem Krimi-Plot durch zahllose Verdrehungen das Gewöhnliche. Da tanzen dann Gangster-Seelen nach dem Tod noch Breakdance, kommt das Happy End als kuriose Erlösungsfarce, und immer wieder unterbrechen starrende Alligatoren und singende Leguane die Handlung; des Polizisten Drogenwahn schiebt sich irreal auf die Betrachterebene des Zuschauers. Ein wunderbarer Wahnsinn: Herzogs freies Update ist um Längen besser als das bedeutungsschwangere Original. Herausragend.



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INHALT

Während des Hurricanes Katrina rettet Terence McDonagh, Beamter bei der Mordkommission, einem Sträfling das Leben, verletzt sich dabei aber den Rücken. Er wird zwar zum Lieutenant befördert, kann seinen Dienst aber nur noch unter Schmerzmitteln versehen. Bald ist Terence schwerst abhängig von Vicodin und Kokain und sieht Halluzinationen. Dennoch soll er im Fall der Ermordung einer ganzen afrikanischen Familie ermitteln. Während sein ganzes Leben um ihn herum zusammenbricht, kristallisiert sich die Lösung des Falls als seine Chance auf Erlösung heraus.
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