KRITIK

Babylon A.D.

Babylon A.D. Auch in mittelferner Zukunft gibt es noch diese Autoaufkleber, auf denen „Save the Planet!“ steht, „Rettet den Planeten!“ Einer wie Toorop kann darüber nur lachen. Retten vor wem? Doch höchstens vor den Menschen, dieser Seuche der Erde.

Toorop, ein Zyniker und Misanthrop, ist der wortkarge Held in Mathieu Kassovitz` jüngster Action-Extravaganza. Gespielt wird er von Vin Diesel, dem Betonmischer unter den Schauspielern. Schon zu Beginn, wenn der einsame Söldner zu hartem Rap mit Leichenbittermine durch einen bürgerkriegsverwüsteten Balkanstaat stapft, ein paar Schläge austeilt und mit einem Kaninchenbraten heimkehrt, weiß man nicht, ob man es hier mit einer Endzeit-Satire oder einer Testosteron-Feier zu tun hat. Und diese Ungewissheit bekommt dem Film gar nicht schlecht.
Kassovitz, der als Regisseur zuerst mit dem realistisch-harten Banlieu-Drama „Hass“ aufgefallen ist, hat danach ja eine eher krude Karriere eingeschlagen und mystisch verbrämte Schocker wie „Gothika“ oder „Die purpurnen Flüsse“ inszeniert.

Auch die Geschichte von „Babylon A.D.“ ist eher ein B-Movie-Plot: Die Ein-Mann-Armee Toorop soll auf Geheiß des Mafia-Fürsten Gorsky (Gérard Depardieu) eine geheimnisvolle Schönheit namens Aurora (Mélanie Thierry) ins futuristische New York geleiten, was mit allerlei Widrigkeiten verbunden ist und sich zu einer etwas wirren Phantasmagorie über menschliche Grenzen und künstliche Schöpfung auswächst. Das Design triumphiert über das Sein, aber dieses Setting, eine entfremdete Neonwelt, ist nicht ohne Reiz – ebenso wie Vin Diesels konsequent durchgehaltener Ton grimmiger Weltverachtung.



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INHALT

Söldner Toorop lebt in einer von Kriegen und Viren zerrütteten Welt. Von Gangster Gorsky nimmt er den Auftrag an, ein junges Mädchen über die gemeingefährliche Grenze nach New York zu bringen. Er holt sie und ihre Beschützerin von einem Kloster ab. Via Auto, Zug, U-Boot und Schneemobil - immer verfolgt von feindlichen Kämpfern - geht es über die Beringstraße nach Amerika.
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Eure Kritiken zu Babylon A.D.

  1. Christian

    Bestenfalls ein B-Movie in technisch nicht immer überzeugender Verpackung. Wenn schon Authentizität, dann auch konsequent oder aber mit einem Augenzwinkern. Neben den E-Mobilen von Smart sind in dieser Sci-Fi Version auch die Spritschlucker von Hummer zu finden, neben Ear-Sets als Telefon gesellen sich herkömmliche Pistolen, neben unbemannten Flugkörpern sprtifressende Snow-Bikes. Das muss nicht sein. Von der old-fashioned Story ganz zu schweigen.

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