KRITIK

Baaria – Eine italienische Familiengeschichte

Baaria - Eine italienische Familiengeschichte Das Kino als Traumzen­trale und Fluchtort, es darf natürlich auch in Giuseppe Tornatores jüngstem Sizilien-Film nicht fehlen. Doch was in „Cinema Paradiso“ und „Der Mann, der die Sterne macht“ noch Hauptthema war, findet in „Baarìa“ nur am Rande statt – als Leidenschaft der Protagonisten, als eine Vignette unter (zu) vielen.

„Baarìa“, so nennen die Bewohner von Bagheria den Ort bei Palermo, aus dem auch Tornatore kommt. Ein filmisches Denkmal wollte er seiner Heimat setzen. Zweieinhalb Stunden dauert die drei Generationen umspannende Familiensaga nun – und von so ziemlich allem möglichen soll sie auch erzählen.

Vom Vater Cicco zunächst, einem Schäfer, Stummfilmfan und Kommunisten. Vom Enkel Pietro, der bunte Filmschnipsel sammelt. Und vor allem von dessen Vater Peppino, der gleich zu Beginn als kleiner Junge symbolisch-surreal vom Boden abhebt. Im Duce-Faschismus geboren, in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit sozialisiert, tritt er als Erwachsener (Francesco Scianna) in die kommunistische Partei ein, um gegen soziale Ungerechtigkeiten vorzugehen. Während der politische Erfolg ausbleibt, gelingt die private Erfüllung: Die schöne Mannina (Model: Margareth Madè) heiratet er gegen den Widerstand ihrer Eltern. Sie schenkt ihm fünf Kinder, womit ihre Relevanz fürs Skript auch abgehakt wäre.

Tornatore erzählt „Baarìa“ nicht chronologisch, sondern springt hin und her, zoomt mit eleganten Kamerafahrten immer wieder hinein in kleine Anekdoten dieser und jener Zeit, dieser und jener Person, lässt Gaststars wie Monica Bellucci oder Michele Placido auf- und abtreten, hält sich meist auf Kirchplatz und Straßen der Stadt auf – alles wirkt sehr operettenhaft, ins immergüldene Licht der Nostalgie getunkt. Leuchtende Zitronen, pittoreske Olivenhaine, bezuckert von süffigen Morricone-Streichern.

Eine Weile lang schaut man diesem Panorama gern zu – irgendwann aber geht dem von Berlusconis Tochter Marina produzierten Epos die Puste aus, und man stellt fest: Die Anekdotenvielzahl ergibt kein erhellendes Ganzes, die Geschichte bleibt leer. Faschismus, Kommunismus, Liebe, Not – alles wird abgehakt und dann liegengelassen. An die großen italienischen, epochenübergreifenden Familiendramen eines Bertolucci oder Visconti kann Tornatore damit nicht anknüpfen.



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INHALT

Sizilien zu Beginn der 1930er Jahre. Peppino, Sohn eines Schafhirten aus dem kleinen Städtchen Baarìa, ist ein lebenshungriger junger Mann voller großer Pläne. Doch immer wieder wird er Zeuge von sozialer Ungerechtigkeit und entdeckt bald sein Interesse an der Politik. Dank seines unwiderstehlichen Charmes fällt es ihm leicht, auch andere für seine Ideale zu begeistern. Nach dem Krieg begegnet Peppino der schönen Mannina, der Frau seines Lebens, aber bei ihren Eltern stößt er als Kommunist auf Widerstand. Und auch seine ehrgeizige politische Karriere verläuft nicht ohne Turbulenzen.
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