KRITIK

Axolotl Overkill

Bild (c) 2017 Constantin Film.

Jungregisseurin Helene Hegemann („Torpedo!“) war erst 18, als ihr Debütroman „Axolotl Roadkill“ über eine durchs Berliner Nachtleben driftende 16-Jährige erschien. Die Feuilletons feierten sie als Wunderkind, bis sich herausstellte, dass Hegemann aus fremden Quellen abgeschrieben hatte, ohne diese zu nennen. Skandal, schimpften viele. Spiel mit Intertextualitäten, meinten andere. Sieben Jahre später, Hegemann ist mittlerweile 25, inszenierte sie die filmische Umsetzung des Romans selbst.

Wie im Buch taumelt Teenager Mifti (schlagfertig: Jasna Fritzi Bauer) mal depressiv, mal patzig, irgendwie sehnsüchtig und immer derangiert durch die egomane Kunst- und Clubszene der Hauptstadt. Ihre Mutter ist tot, der Vater stets beschäftigt, die Schwester (Laura Tonke) überfordert. Mifti verliebt sich in eine kriminelle Kunsthändlerin (Arly Jover), hat Sex mit fremden Männern, nimmt Drogen und lernt lauter seltsame Gestalten kennen. Auch Tiere schauen vorbei: ein Pinguin, ein Lama und der titelgebende Schwanzlurch, der sein Leben lang eine Larve bleibt.

Inhaltlich episodisch, lose und sprunghaft strukturiert, überzeugt die oft auch sehr komische Verfilmung mit einer beeindruckend agil durch den trügerisch glitzernden Unterbau der Stadt pflügenden Kamera (die beim Sundance Festival in den USA prämiert wurde) und durch das von allen Fernsehfilmmarotten angenehm befreite Spiel der Darsteller, von denen viele aus dem Dunstkreis der momentan zu Grabe getragenen Volksbühne unter Frank Castorf stammen. Dort war Hegemanns Vater Dramaturg, und Bernhard Schütz, der Miftis Vater spielt, war ein Lieblingsschauspieler von Schlingensief.

Das Resultat ist ein fachkundig chaotischer Blick aufs Erwachsenwerden zwischen Szene-Euphorie und WG-Tristesse. Aber sehenswert.

 

Kritikerspiegel Axolotl Overkill



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
1/10 ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuelle Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

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