KRITIK

Avengers: Age of Ultron

Bild (c) Walt Disney Pictures Germany.

Bild (c) Walt Disney Pictures Germany.

Rückblick. „Ich glaube, Ihnen ist nicht klar, welche Tragweite das hat, dass Sie die Avengers auf die Welt losgelassen haben. Sie sind gefährlich. – Allerdings. Und die ganze Welt ist sich dessen bewusst. Jede Welt ist sich dessen bewusst. – War es das, worum es Ihnen ging? Um ein Statement? – Nein, um ein Versprechen!“ Die Zusammenführung der Marvel-Comichelden in „Marvel´s The Avengers“ vor zwei Jahren, lieferte mehr als ein Versprechen. Sie gab Antworten. Was Nick Fury (Samuel L. Jackson) im obigen Dialog mit Politikern am Ende des Films noch einmal betonte. Und diese Antworten waren zufriedenstellend. Sehr zufriedenstellend. Für Kritiker und Publikum. Nicht nur die Antwort auf die Frage, ob es sinnvoll ist, ein halbes Dutzend Comic-Superhelden in einem Film auftreten zu lassen, sondern auch die, wie so eine Familien-Zusammenführung aussehen kann. Jeder, der bereits ein Familienfest vorbereitet hat, wird ob des Aufwandes sicherlich ein leidgeplagtes Lied davon singen können. Der US-amerikanische Regisseur Joss Whedon hatte es geschafft. Und als team-erprobtes Multitalent anscheinend so viel Gefallen daran gefunden, dass er mit dem zweiten Marvel-Familientreffen das erste sogar noch in den Schatten stellt.

Nachdem Marvel mit einer ausgefuchsten Strategie die unzähligen Fans in einer jahrelangen (seit den X-Men im Jahr 2000) Marketing-Kampagne mit Querverweisen, Cameos und Post-Credits-Szenen in fast allen unter dem eigenen Filmlabel „Marvel Cinematic Universe“ veröffentlichten Filme an die Idee eines Shared Universe gewöhnt hat, stieg die Spannung von Film zu Film – um nachher zu erkennen, was für ein aberwitziges Unterfangen dieses Projekt im Grunde ist: Unterschiedlichste Figuren mit unvereinbar scheinenden Mythologien wollten und wollen zusammengebracht, Comic-Nerds, Kenner der bisherigen Marvel-Filme und Neulinge gleichermaßen bedient werden. Eigentlich hätte dieser Film kaum funktionieren können. Wie ein Familientreffen mit weitgereisten Familienmitgliedern eben.

Joss Whedon allerdings war – obwohl auf dem Papier durchaus ein Risiko („Marvels The Avengers“ war erst sein zweiter Kinofilm) – die perfekte Wahl als Regisseur und Autor des Films: Der Comic-Enthusiast hat nicht nur für Marvel-Comicreihen geschrieben, auch in seinen TV-Projekten sind die Comic-Einflüsse kaum übersehbar. Nörgler – und von denen gab es einige – hatten sich über Whedon als Regisseur und sowieso über den Sinn dieses Familientreffens echauffiert. Oder wollten gar ausgemacht haben, dass die Antagonisten im ersten Auftritt, in „The Avengers“ – die so genannten „Asen“, also die Bewohner Asgards, „irgendwie seltsam blass“ blieben. Marvel und die Superschurken – eine unendliche Geschichte. Whedons Antwort darauf: „Haben sie die Auftritte von Thor gesehen? Und viel wichtiger: Haben Sie sie verstanden?“

Die durchweg hymnischen Kritiken und ein Einspiel von weltweit mehr als 1,5 Milliarden Dollar ließen die größten Zweifler verstummen. Und spätestens mit dem kompletten Überblick über ALLE Filme, am ratsamsten vielleicht mit dem „Avengers Ultron Marathon“ (zum Start von Avengers 2: Age of Ultron in zahlreichen Kinos) werden die selbsternannten Marvel-Kenner ihre Kritik oder auch nur ihre Kommentare zurück ziehen müssen. Denn auch wenn ein Film über ein Kampf-Kollektiv nicht alle Kämpfer bis ins Kleinste beleuchten kann, so wird spätestens mit „Avengers: Age of Ultron“ deutlich, worum es im Marvel-Universum im Kern geht, um das ewig junge Motto: Zusammen sind wir weniger verwundbar – und vor allem weniger allein!

Szene_Avengers_2Der in nachfolgenden Filmen („Captain America 2: The Return of the First Avenger“, „Iron Man 3„) oder sogar im TV-Serien-Spin-off „Marvels Agents of S.H.I.E.L.D.“ mehrfach erwähnte Alien-Angriff auf New York ist in „Marvel´s Avengers: Age of Ultron“ einige Monate vergangen. Jeder Marvel-Held (mit Ausnahme von Black Widow und Hawkeye) hatte seitdem eigene Abenteuer zu bestehen. Ein zweites Zusammentreffen wird erst nötig, als die neu formierte Organisation S.H.I.E.L.D. in einem abgelegenen Kloster eine Energiequelle ausmacht, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Die Marvel-Superhelden vermuten ein Überbleibsel aus dem ersten Alien-Kampf, sie überfallen das Kloster und entwenden eine künstliche Intelligenz, die später in Form einer selbst gewachsenen Figur namens „Ultron“ noch größeren Schaden anrichten wird. Eine Entwicklung, an der „Iron Man“ Tony Stark (gefordert: Robert Downey Jr.) nicht ganz unbeteiligt ist.

Schöne Randgeschichte dazu: Robert Downey Jr. hatte seine Zusage am zweiten Auftritt im Avengers-Abenteuer zunächst verweigert. Sein Deal mit Marvel war nach vier Filmen („Iron Man 1-3“, „Marvel´s The Avengers“) abgelaufen. Erst ein millionenschweres Angebot und die Zusage auf eine Beteiligung an den Einspielergebnissen ließen ihn umstimmen. Soviel zu der Tatsache, dass sich Robert Downey Jr. auf allen Premieren und Auftritten der Crew besonders ausgiebig feiern lässt. Er ist im zweiten Teil nun maßgeblich daran beteiligt, dass die K.I. Ultron zu einer ernst zu nehmenden Bedrohung wird – und sich sogar unzählige Male reproduzieren kann. Ein Gegner, der den Helden um Captain America, Hulk, Thor und Co. Einiges abverlangt.

Szene_Avengers_2_UltronEin weiteres Mal wird zudem die erfolgversprechende Formel angewendet, dass ein Familientreffen ausreichend Nährboden für interne Konflikte bietet. Sie hatte bereits in „Marvel´s The Avengers“ für unterhaltsame Dialoge und zahlreiche Spitzfindigkeiten gesorgt. Mit der Bedrohung durch eine Künstliche Intelligenz mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Genau vor dieser Bedrohung hatte übrigens ein ähnlicher Film vor dreißig Jahren schon einmal gewarnt: James Camerons und Gale Ann Hurds „Terminator“ aus den frühen 80er Jahren. Ein Blockbuster, der genauso Maßstäbe gesetzt hat wie es nun Joss Whedon gelungen ist. Nur müssen heute zudem nicht nur interne Konflikte überwunden- , sondern zudem auch Einzelkräfte zusammen gebündelt werden.

Und das sagen Sie mal einem sechs Meter großen, bärenstarken Ungeheuer, der sich selbst nur sehr schwer in ein solches verwandeln und noch schwieriger im weiteren Verlauf der Verwandlung kontrollieren kann. Sie gehen alle bis an ihre Grenzen. Action ist also garantiert, Spannung auch – Captain America, Sie übernehmen! Komplexität sah nie besser aus. Nein, besser geht´s nicht.

 

 

 



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