KRITIK

Australia

Australia Dieser Film scheint ein klarer Fall von Hybris zu sein. Das beginnt ja schon beim Titel, „Australia“: Wer einen ganzen Kontinent auf die Leinwand bannen will, hat sich bestimmt nicht zu wenig vorgenommen. Und tatsächlich zielt Regisseur Baz Luhrmann, der sich zuvor schon mit „Moulin Rouge“ als effektsicherer Opern-Zauberer bewiesen hat, in nahezu jeder Szene auf die Überwältigung seiner Zuschauer.

„Australia“ ist epische Lovestory, schicksalsschweres Melodram, panoramensatter Western und monumentaler Kriegsfilm in einem. Große Gesten, grandiose Bilder, donnernder Orchestersound. Fast drei Stunden Länge. Und weil das Luhrmann noch nicht genug ist, verschränkt er seine Abenteuer-Geschichte in CinemaScope zusätzlich mit einem dunklen Kapitel australischer Historie: Mit dem Raub ungezählter Aborigine- und so genannter Halbblut-Kinder, die von der australischen Regierung in weiße Familien verpflanzt wurden, um sie, wie es hieß, zu zivilisieren. Und die als „gestohlene Generationen“ bekannt wurden.

Der Film wirkt wie eine riesige, übervolle Bonbonniere. Luhrmann fürchtet weder Kitsch noch Magenverstimmung. Er ist auch in der Wahl seiner Vorbilder nicht bescheiden. „Vom Winde verweht“, „Lawrence von Arabien“, „Der Zauberer von Oz“ und viele Klassiker mehr klingen an, darunter macht er`s nicht. In den USA wurde „Australia“ bereits mehrheitlich von der Kritik verrissen, auch in der australischen Heimat des Regisseurs – und der Hauptdarsteller Nicole Kidman und Hugh Jackman – war die Resonanz verhalten bis enttäuscht. Was schade ist. Und vielleicht der blendenden Oberfläche geschuldet. Denn Hybris hin, Pathos her: Baz Luhrmann glückt tatsächlich beachtliches Kino.

Die Liebesgeschichte etwa mag alle Anzeichen einer Schnulze haben, aber sie funktioniert. Geht zu Herzen. Kidman spielt die britische Lady Ashley, die es 1939 auf die australische Farm Faraway Downs verschlägt, wo sie die Nachricht vom Tode ihres Mannes erhält und den ruppigen Viehtreiber Drover (Jackman) kennenlernt. Die beiden nehmen sich des Aborgine-Jungen Nullah (Brandon Walters) an, bewältigen gemeinsam einen großen Track, verlieben sich stürmisch und werden in den Kriegswirren, als die Japaner 1942 Darwin bombardieren, getrennt.

Wie Luhrmann die Blicke zwischen den beiden zelebriert, das große Sehnen – das ist 40er-Jahre-Grandezza, wie sie heute keiner mehr zu inszenieren wagt. Wer sagt, dass Bescheidenheit im Kino unbedingt eine Tugend ist?



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INHALT

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begibt sich die Britin Sarah Ashley nach Australien, um ihren Ehemann auf dessen Farm wegen vermuteter Ausschweifungen zur Rede zur stellen. Als sie ankommt, ist er von Flechter, dem Handlanger des Viehbarons Carney, ermordet worden. Viehtreiber Drover soll ihr beim Wiederaufbau der Farm helfen. Das geht nur, indem sie 1500 Rinder mit einer wild zusammengewürfelten Mannschaft durch das Outback nach Darwin treiben. Doch damit beginnt ihr Abenteuer erst.
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Eure Kritiken zu Australia

  1. nina

    tatsächlich ein schinken – ein gelungener, wenn auch sehr laaanger. macht spaß an einem kühlen sonntagnachmittag. unbedingt auf der leinwand sehen!

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