KRITIK

Australia

Australia Lust auf einen ordentlichen Schinken für den kalten Winter? Hier ist einer: „Australia“, ein Film über Australien, gedreht von einem Australier, mit lauter Australiern in den Hauptrollen. Fast drei Stunden lang nimmt sich der mit allen Inszenierungswassern gewaschene „Moulin Rouge“-Regisseur Baz Luhrmann Zeit, um Nicole Kidman und Hugh Jackman durch ein Epos zu treiben, das „Vom Winde verweht“, „Der Zauberer von Oz“, „Jenseits von Afrika“ und „Pearl Harbor“ zugleich sein möchte – es aber nicht ist.

Kidman, momentan die Königin aller Flops („Der Goldene Kompass“), muss hier als blasshäutige Aristokratin anno 1939 die Outback-Farm ihres ermordeten Gatten vor dem Ruin retten. Die eigentlichen Übeltäter werden erst mehrere Landschaftspanoramen später enttarnt, dafür aber hat es ausgerechnet ihr Retter mit Lady Ashleys Biestigkeit zu tun: Ein Viehtreiber namens Viehtreiber („Drover“) hilft der Lady dabei, 1500 Stück Vieh nach Darwin zu treiben. Hugh „Wolverine“ Jackman spielt den smarten Haudegen flott aus der Hüfte, irgendwo zwischen John Wayne, Crocodile Dundee und Indiana Jones, doch zum knisternden Duett mit der herben Kidman kommt es, obgleich aus Unsympathie natürlich Liebe werden muss, bis zum Schluss nicht wirklich. Fatal für ein großes Epos.

Stattdessen wird anhand eines goldigen Aborigine-Mischlingsjungen mal eben die tragische Geschichte rassistischer Zwangsinternate angerissen (über die es schon den großartigen Film „Long Walk Home“ gibt), man singt „Waltzing Matilda“, es hoppeln die Kängurus, und es regnet japanische Bomben: Viel Australien also, und viel Drama – fast meint man, anstelle der Kidman Frau Ferres durch die Steppen stapfen zu sehen, alles Leid der Weltgeschichte im wogenden Dekolletee mit sich führend.

In Australien ging dieses Australiendrama übrigens ziemlich schnell unter, in den USA auch: Das große Epos, das Luhrmann vorhatte, kommt wohl nicht wirklich bei den endverbrauchenden Schnulzenkonsumenten an. Doch immerhin: Ein Schinken ist es ja geworden. Als solcher ist es ebenso abgehangen wie portionsweise lecker.



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INHALT

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begibt sich die Britin Sarah Ashley nach Australien, um ihren Ehemann auf dessen Farm wegen vermuteter Ausschweifungen zur Rede zur stellen. Als sie ankommt, ist er von Flechter, dem Handlanger des Viehbarons Carney, ermordet worden. Viehtreiber Drover soll ihr beim Wiederaufbau der Farm helfen. Das geht nur, indem sie 1500 Rinder mit einer wild zusammengewürfelten Mannschaft durch das Outback nach Darwin treiben. Doch damit beginnt ihr Abenteuer erst.
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Eure Kritiken zu Australia

  1. nina

    tatsächlich ein schinken – ein gelungener, wenn auch sehr laaanger. macht spaß an einem kühlen sonntagnachmittag. unbedingt auf der leinwand sehen!

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