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Aus dem Nichts

Plakat zum Film Aus dem Nichts mit Hauptdarstellerin Diane Kruger auf der Straße im Dunkeln.

Bild (c) 2017 Warner Bros. Pictures Germany.

Zwischen 2000 und 2007 ermordeten die Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) neun Migranten und eine Polizistin. Erst 2011 gerieten die Neonazis ins Visier, zuvor gingen die deutschen Ermittlungsbehörden davon aus, dass die Täter im Umfeld der Ermordeten zu finden sein müssten: Türken und Griechen, da müsse man ja wie selbstverständlich von einem halbseidenen Hintergrund ausgehen. Der strukturelle Rassismus, der sich darin zeigte, machte auch Fatih Akin fassungslos, den preisgekrönten Filmregisseur aus Hamburg.

Nach seinem Ausflug ins Jugendfilm-Genre („Tschick„) nimmt Akin die NSU-Morde als Hintergrundfolie für ein fiktives Drama in drei Teilen, das sich ganz der Opferperspektive verschreibt und die emotionale Schraube weiter anzieht: „Inglourious Basterds“-Star Diane Kruger spielt Katja, die Frau eines türkischstämmigen Steuerberaters (Numan Acar), der eines Tages per Nagelbombe aus dem Leben gerissen wird – zusammen mit ihrem fünfjährigen Sohn. Schlimmer noch: Katja muss ertragen, wie die Polizei lieber um mögliche innermuslimische oder (drogen-)kriminelle Hintergründe kreist, anstatt Hinweisen auf ein rechtsextremes Attentat nachzugehen.

Szene aus dem Film Aus dem Nichts mit Hauptdarstellerin Diane Kruger und Nebendarsteller Denis Moschitto im Gerichtssaal. Als die Neonazis endlich gefasst sind, wird „Aus dem Nichts“ zum Justizdrama. Doch so sehr sich Katja und ihr Anwalt (Denis Moschitto, „Chiko„) auch ins Zeug legen: Am Ende steht ein Freispruch aus Mangel an Beweisen, was den Film schließlich zum Rachethriller werden lässt, dessen äußerst zwiespältiger Schluss schon beim Filmfestival in Cannes in Zwiespalte stürzte.

Kruger, die an der Croisette 2017 die Darsteller-Palme gewann, überzeugt als Mater Dolorosa vor allem in Momenten stiller Verzweiflung.Szene aus dem Film Aus dem Nichts mit Hauptdarstellerin Diane Kruger und Film-Ehemann Numan Acar auf der Hochzeit. Mit Wucht hält sie einen Film zusammen, der ansonsten an thesenhaften Dialogen, Übereindeutigkeiten und eben jenem fragwürdigen Finale krankt. Akin ist ein Meister des Genrefilms und des emotionalen Powerplays, einen politischen Film habe er gar nicht drehen wollen, sagt er. Tatsächlich bleibt vieles außen vor, vor allem die Täter sind bloße Leerstellen (Ulrich Tukur hat einen Gastauftritt als Vater eines Neonazis).

„Aus dem Nichts“ packt den Zuschauer, keine Frage, doch fehlt es an analytischer Schärfe: Wut allein ist, wie so oft, einmal mehr zu wenig.




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