KRITIK

Apocalypto

Apocalypto In den USA ist „Apocalypto“, das jüngste Werk von aber nicht mit Mel Gibson, eine Woche früher als in Deutschland gestartet. Der Film schoss gleich an die Spitze der Kinocharts. Erwartet haben das die Wenigsten: Wie der Vorgänger „Die Passion Christi“ als Blut-Schweiß-und-Tränen-Drama in Überlänge angelegt und ausschließlich untertitelt angeboten, ist „Apocalypto“ nicht eben einfach zu konsumieren.

Ich gestehe, „Die Passion Christi“ nicht gesehen zu haben. Wer Spaß daran hat, sich am Leiden eines Menschen auf Breitwand zu ergötzen, der soll das machen. Für mich war das nichts. Nun muss der nette junge Mann namens „Pranke des Jaguars“, um den es in der mayanischen Apocalypse geht, zwar auch nach nettem Start aus der Kiste „der Dschungelbewohner wie Du und ich von nebenan“ mächtig viel erleiden, aber durch alles Elend blitzt eben auch viel Albernheit hervor. Unfreiwillig zwar, doch hier wird der filmgewordene Leidensweg mehr und mehr zur Lachnummer.

Das geht spätestens bei dem schon lynchesk orakelnden Zwerg in Form eines kleinen Mädchens am Straßenrand los. Weiter geht es über die tagelang durch den Wald rennende reduzierte Blue Men Group, verfolgt von den zehn kleinen Indios, die es wie nach Reißbrett geplant, nacheinander dahinrafft. Und wo das endet, darüber kann man sich streiten, aber die Wassergeburt kommt in die engere Wahl.

Für den einen oder anderen Lacher wird immer wieder gesorgt, wenn die Bösen böse und Guten nett und adrett aussehen. Während die ungepflegt vor sich hinfaulenden Zähne fletschenden Holcane-Krieger auch als Ork-Vorstufe durchgehen würden, wirken die netten Dorfbewohner soeben dem Paradies entstiegen und der Held lächelt mit strahlend weißem Gebiss. Mel Gibsons Fingerzeig, der ist böse, der ist gut.

Was „Apocalypto“ zu einem sehenswerten Kinoerlebnis macht, ist folglich eher nicht das ausgefeilte Drehbuch mit Glaubwürdigkeitspunkten. Auch dann nicht, wenn das Ganze mit markigen Sprüchen und wildem Trommeln lautstark so beworben wird. Alles ist schrecklich vorhersehbar. Aber Gibson hat mit einem wahren Dreamteam vor und hinter der Kamera Bilder geschaffen, die – sieht man sie nur groß genug projiziert – schier unglaublich sind.

Handwerklich ist „Apocalypto“ folglich 1A-Kinoware, visuell ein Meisterwerk. Da haben Dean Semler an der Kamera („Der mit dem Wolf tanzt“, „Waterworld“, „Triple X“), Cutter John Wright („Speed“, Jagd auf Roter Oktober“), der Regenwald und natürlich auch Mel Gibson ganze Arbeit geleistet. James Horners Musik liefert die nötige epische Untermalung und kann nicht recht überzeugen.

Fantastisch agieren die meisten Darsteller, allen voran Mr. Good Guy Rudy Youngblood. Dass so viele Talente hier ihr Schauspieldebüt geben, ist eine wahre Freude. Auch wenn man hier und da natürlich bermerken muss, dass ganz und gar verschiedene indigene Völkervertreter von Kanada bis Mittelamerika zu „Maya“ gemacht wurden – ganz nach dem Motto „sehen doch eh alle gleich aus“.

Aber wozu sich aufregen?! 2012 geht laut Maya-Prophezeiung eh die Welt unter.



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INHALT

15. Jahrhundert, vor dem Einfall der Spanier in Mittelamerika. Ein Maya-Stamm lebt in idyllischer Harmonie, als der Friede von Eindringlingen gewalttätig unterbrochen wird: Die besten Frauen und Männer werden brutal verschleppt und sollen in der Maya-Hauptstadt entweder verkauft oder geopfert werden. Nur der junge Jaguarpfote kann entkommen, angetrieben von der Hoffnung, seine hochschwangere Frau und seinen kleinen Sohn wieder zu sehen. Doch seine Häscher sind ihm auf den Fersen.
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Eure Kritiken zu Apocalypto

  1. Stefan

    OK, der Film polarisiert. Ich aber meine, „Apocalypto“ ist ein Meisterwerk. Die Bilder, die Geschichte, einfach alles. Mel Gibson zeigt es wieder allen.

  2. PeterPan

    Im Prinzip ist „Apocalypto“ ein üblichen Actionthriller vor einer exotischen Kulisse. Natürlich zeigt Mel Gibson uns beeindruckende Bilder einer sich selbst zerfleischenden Kultur und verzichtet dabei auf die üblichen „edle und weise Wilde“-Klischees. Aber in der zweiten Hälfte wird der Film zu einer „First Blood“-Variante. Das ist nicht negativ gemeint, „Apocalypto“ ist spannend, gut gespielt, allenfalls vom Storyaufbau her etwas unhomogen.

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