KRITIK

Anne liebt Philipp

Plakat zum Film Anne liebt PhilippAls die norwegische Produktion „Anne liebt Philipp“ 2011 den Berlinale-Kinderfilmwettbewerb „Generation“ eröffnete und damit für großen Jubel sorgte, hieß Philipp noch Jorgen. Aber angesichts der Tatsache, dass man inmitten all der x-fach aufgegossenen Kommerz-Franchises und Chipmunk-Quietschereien froh genug sein kann, wenn es internationales Qualitätskino für Kinder überhaupt noch auf deutsche Leinwände schafft, darf man über derlei überflüssige Eindeutschungskosmetik gerne hinwegsehen.

Ansonsten sagt der Titel schon alles über die Story: Ein Mädchen liebt einen Jungen. Philipp ist neu in der Klasse. Doch nicht nur die zehnjährige Titelheldin verschießt sich sofort in ihn, leider ist am Neuling auch Ellen interessiert, Blondine mit Pferdeschwanz und Werbe-Haarmodel. Die norwegische Regisseurin Anne Sewitsky (mit deutschen Wurzeln) bleibt auf Augenhöhe und zeigt sehr anschaulich, dass es nie zu früh ist, um sich der Liebe wegen zum Trottel zu machen: Anne nämlich, eigentlich ein burschikoses, nicht zu Sentimentalitäten neigendes Mädchen, greift zu sehr intriganten Mitteln, um Ellen auszubooten. Und fällt damit erst mal auf die Nase.

Szene aus dem Film Anne liebt Philipp

(c) Farbfilm Verleih

Daneben flicht der Film Annes Traumwelten in die alltagsrealistischen Szenen ein. Eine aus Liebe gestorbene, in Philipps Haus einst eingemauerte Geisterlady spukt durch die Gegend: Spätestens, wenn die Wände bluten wie in Kubricks „Shining“, ist klar, dass der Film für die Allerkleinsten nicht unbedingt geeignet ist. Älteren – und Erwachsenen – aber ist Sewitskys kluge, herrlich frisch gespielte Präpubertätsdramödie unbedingt anzuraten: Sie ist ein perfektes Beispiel für die konstante Qualität, die nicht nur in der „Generation“-Sektion (vielleicht der am besten kuratierten) der Berlinale jedes Jahr zu finden ist, sondern auch im Bereich der Kinderfilme aus Skandinavien.

Der Nummer 1 Kinohit aus Skandinavien basiert auf dem gleichnamigen Bestseller der norwegischen Autorin Vigdis Hjort, erschien 1984 und gehört zu den populärsten Büchern des skandinavischen Sprachraums. Der Roman, der auf autobiographischen Erlebnissen der Autorin selbst basiert, wurde auch im deutschsprachigen Sprachraum erfolgreich verlegt. Sehenswert.

  

 



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