KRITIK

Angel Eyes

Angel Eyes Es ist oft nicht schwer die Handschrift eines bestimmten Regisseurs zu erkennen. Man denke beispielsweise an die minutenlangen Einstellungen eines Brian dePalma, die sich selten wechselnde Perspektive eines Woody Allen oder die verrückten, düsteren Einfälle eines David Fincher. Der geniale Regisseur und Schauspieler Orson Welles („Citizen Kane“) hat einmal gesagt: „Ein Werk kann nur in dem Maße gut sein, wie es den Menschen zum Ausdruck bringt, der es geschaffen hat“. Die Handschrift Luis Mandokis („When a man loves a woman“ (1994), „Message in the bottle“ (1999)) ist zwar nicht leicht zu entziffern, doch seine Filme hinterlassen ganz bestimmte Spuren. Mandoki ist ein Freund des Bluff-Kinos, das darauf aus ist, dem Publikum zu schmeicheln. Wenn das Publikum aus solchen Filmen kommt, soll es sich besser oder intelligenter fühlen. Mandoki versteht es sehr gut Stimmungen zu erzeugen und traut sich dabei nur so weit an seine Protagonisten heran, dass das jeweilige Verhalten zwar ersichtlich aber dennoch unverständlich bleibt. Eine behutsame Schauspielerführung ist ihm sehr wichtig. Was aber noch lange nicht heißt, dass es eine gute Schauspielerführung ist. In diesem Falle geht es um eine selbstbewusste aber innerlich zerrüttete Polizistin (wer passt hier besser als Jennifer Lopez in ihrer dritten Polizistenrolle). Sie verliebt sich in einen Engel. Zumindest kommt es ihr so vor. Jim Caviezel als Engel Catch muss also nicht mehr unternehmen als unspektakulär unnahbar zu bleiben. Ihm fällt hier die wohl leichteste Aufgabe zu. Mandokis Handschrift sorgt nun dafür, dass eine vorsichtige, fast zärtliche Stimmung entsteht, die zwangsläufig in der großen Liebe enden muss. Das Ende ist von der ersten Minute des Zusammentreffens der beiden Hauptdarsteller klar. Wie fülle ich diese Liebesgeschichte nun mit Leben?
Mandoki kleistert das Gerüst mit einer pseudo-neugierigen Fassade zu. „Was mag in der Vergangenheit wohl vorgefallen sein, dass Person x nur so reagieren kann?“ Ein beliebtes Stilmittel, das auch hier angewendet wird, ist die Rückblende. Bedeutungsschwangere Dialoge werden mit diesem beliebten Mittel aufgelockert und dienen fortan dem Zweck, die Fassade anzufüllen – fertig ist die düstere Romanze. Ist es wirklich so einfach? Ja und Nein! Die Gefahr ins allzu Kitschige („Message in the bottle“) abzurutschen liegt in diesem Genre näher als irgendwo anders. Doch Mandoki versteht sein Handwerk. Gemeinsam mit seinem Script-Autor Gerald DiPego, mit dem er schon öfter zusammen gearbeitet hat, verzichtet er auf lange Einstellungen einer trauten Zweisamkeit und vor allem auf schwülstige Musik. Heraus kommt ein Film, der handwerklich sauber erarbeitet aber dennoch innerlich seelenlos und leer wirkt. Seine dünne Handschrift hat ihn verraten. Christian Gertz



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INHALT

Polizistin Sharon Pogue ist oft allein und am liebsten auf Nachtschicht unterwegs. Sie ist eine gute Polizistin, den täglichen Anfeindungen der Straßenszene entgegnet sie stets mit toughen Sprüchen und harter Hand. Doch der hohe Stressfaktor hinterlässt Spuren. Als es eines Nachts zu einem Anschlag auf ein Stammlokal ihrer Kollegen kommt, entgeht sie dem Kugelhagel nur knapp. Sie nimmt die Verfolgung eines Verdächtigen auf, schätzt aber das Verhalten falsch ein und gerät in einen Hinterhalt. Aus dem Dunkel taucht plötzlich ein geheimnisvoller Fremder auf, der den Killer entwaffnen und Sharons Leben retten kann. Er nennt sich Catch, lebt in einer fast leeren Wohnung und scheint kaum Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Doch Sharon und Catch sind sich schon einmal begegnet. Officer Pogue, die sich mit Männern sehr schwer tut, verliebt sich in ihren geheimnisvollen Retter. Bevor aber eine ernsthafte Beziehung entstehen kann, müssen sich beide von der Last offener Wunden aus der Vergangenheit befreien.
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Eure Kritiken zu Angel Eyes

  1. Jürgen

    Außer Jenny nichts gewesen..Der Film ist zwar bemueht, doch kann er sich vom bekannten Einerlei des romantischen Dramas nicht sonderlich hervor heben. Hier werden einfach zu viele Probleme gewälzt. Nur Jenny Lopez ist wie immer ein Stern am Himmel…

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