KRITIK

American Pie – Das Klassentreffen

Plakat zum Film American Pie Reunion„Let´s make this reunion our bitch!“ – Ein spätes, gemeinsames Klassentreffen nach vielen Jahren hat durchaus seinen Reiz. Man trifft liebgewonnene Freunde wieder, tauscht sich über gegenwärtige oder vergangene Erfahrungen aus und verlässt irgendwann gut gelaunt und amüsiert den gemeinsamen Treffpunkt. Wer erinnert sich in seinem Leben nicht gerne an diese Augenblicke? Und genau mit diesen Umständen beschäftigten sich die beiden Regisseure Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg im jüngsten Sequel von „American Pie, „American Pie – Reunion.“ Dabei ist es wie im wahren Leben: früher war einfach alles ein klein wenig besser: Wenn man sich getroffen hat, können spätere Treffen nicht mehr an die alten Glanzzeiten und zum Teil amüsanten Taten anknüpfen. Ebenso hat man im gemeinsamen, etablierten Freundeskreis schon weitaus schlimmere Zeiten miteinander erlebt (siehe die unsäglichen „American Pie“-Sequels 3 und 4).

Was den Regisseuren Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg zu einem wieder wirklich gelungenem „American Pie“ Film fehlt, ist der umfassende Wille, das aktuelle Sequel mit noch mehr „Drive“ und „Würze“ sowie in der Gesamtsumme nicht mehr zu vergessenden Pointen zu versehen. Sicherlich hat „American Pie – Reunion“ durchaus seine unterhaltsame Momente (siehe Stiflers Kühlboxattentat, Jim im Lack- und Lederoutfit und Jims Dad im Kino mit Stifflers Mum).. American Pie Poster 2Die meiste Zeit jedoch plätschert der aktuelle Kinobeitrag mal amüsant und mal belanglos vor sich hin. Immer dann, wenn erprobte Inszenierungsmuster Marke „Irrungen und Wirrungen“ als kleine Coming-of-Age Geschichtlein der in der Gesamtsumme immer häufiger auchtauchender Protagonisten bzw. im Sinne zusmmenlaufender Storyfäden ihre „positiven (zwischenmenschlichen) Abschlüsse finden.

„American Pie – Reuion“ droht phasenweise (vor allem gegen Mitte der Laufzeit) unter der Last der Erzählung auf Grund immer wieder neu etablierter, Coming-of-Age-Erzählabschnitten ab und an zusammenzubrechen. Zum Glück führen Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg „American Pie –  Reunion“ auf Kosten des Sitzfleisches und der Geduld im späteren Verlauf noch zu einem nicht überwältigendem, aber solidem Abschluss.

American Pie Poster 3

„You completely destroyed their jetskis! They splashed us…“ –

Sicherlich hat sich an dem zotigem und klemmigen (Vaterstag) Witz der ersten „American Pie“ Geburtsstunde aus dem 1999 nur wenig geändert. Es dauert in „American Pie – Reunion“ auch keine 5 Minuten bis der erste Schwulenwitz die Runde macht. Dennoch bleiben solche „Friedberg und Seltzer“ Momente eher die einmalige Ausnahme als die Regel. Was „American Pie – Reunion“ den aktuellen „Hangover“ Beiträgen mal wieder trotz des selbigen, klemmigen Witzes voraus hat, ist folgendes: In „Hangover“ wurden die Protagonisten zu wahren Karikaturen echter Nerds im Zuge des Erwachsen-werdens degradiert, die generierten „Pointen“ gerieten zum reinem „Selbstzweck“, damit man sich als Betrachter ohne einen entsprechenden Sinn immer weiter auf die Schenkel klopfen konnte. In „American Pie – Reunion“ hingegen ist mal wieder zu spüren, dass Macher und Darsteller ihre Figuren mit Charme und Sympathien versehen haben und auch an einem entsprechendem Eigenleben dieser interessiert waren. Wenn Jason Biggs ungewollt einen durchsichtigen Gegenstand vor den Genitalien bereithält, um seine Nacktheit zu verbergen, lacht man nicht auf Grund des Gegestandes und seiner Genitalien, sondern auf Grund seiner liebenswerten Schusseligkeit. Genauso wie mit Jims Dad, dem man es Dank der finalen (und brüllenden komischen) Schlusspointe gönnt, die Liebe nach einem hartem Schicksalsschlag wieder erleben zu dürfen, auch wenn man zunächst nicht weiß, wie er sich in seiner neuen (Lebens)Situation (hier: im Kino) verhalten soll und  komödiantisches Schauspiel mit seinem Popcorn an den Tag legt: „Ein wunderbarer Film.“ „American Pie“ ist „Hangover“ qualtiativ wieder einmal ein Stück voraus und wirkt trotz der unübersehbaren „Nichtweiterentwicklung“ in Sachen Humor bzw. vorgetragener Zoten ein bisschen unverkrampfter.

American Pie Poster 3

„Back in the day we called it a beaver… and I snagged a pelt or two!“ – „American Pie – Reunion“ funktioniert weder als Kritikerliebling, als „Genre-Evolution“, geschweige denn „Revolution“. „Der dritte Teil der Reihe funktioniert als klassischer Vertreter der Retrospektive bzw. des Gefühls der Nostalgie für „American Pie“-Filmfans der ersten Stunde. Aber auch das aktuelle Publikum darf gerne und wird sicherlich den einen oder anderen Blick riskieren (siehe Filmcharts in D!). Und im Angesicht ähnlicher, noch dümmlicherer, bereits in der Rezension erwähnter Genrebeiträge ist eine schlechte Wertung schlichtweg nicht gerechtfertigt. Am besten funktioniert „American Pie – Reunion“ wieder in einmal in geselliger Runde … Denn wie „Stiffler“ es bereits formulierte, fehlt es für eine höhere Wertungssphäre einfach „an einem DJ“, der die „American Pie“-Party richtig zum „überkochen“ bringt.  Es ist wie im wahren Leben: am Ende des „Treffens“ hat man sich ein auf Grund einiger bemerkenswerter Momente ein wenig amüsiert, auch wenn sich der gemeinsame Abend nicht als der Riesenbrüller offenbarte.

  



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INHALT

Über zehn Jahre ist es jetzt her, das in "American Pie" die Freunde Jim, Stifler und Co. die Leinwände dieser Welt unsicher machten. Bereits im Sommer des Jahren 1999 setzten sie alles daran, in ihrem Heimatort ihre Unschuld zu verlieren. Nun, zehn Jahre später, kommt es zum großen Klassentreffen. Und Vieles hat sich verändert: Jim und Michelle haben geheiratet und Nachwuchs bekommen, Kevins und Vickys Beziehung hat schon lange keinen Bestand mehr. Zwischen Oz und Heather läuft es nicht zum besten, während Finch (wie sollte es auch anders sein?) immer noch Stiflers Mom begehrt. Die Freunde gelten mittlerweile als erwachsen , reifer und lebenserfahren. Oder etwa doch nicht? Denn an einem amüsantem Wochenende stellen alle fest, dass die geknüpften Freundschaften auch in den weiteren Jahren Bestand haben werden. Räumliche Distanzen scheinen dabei kaum eine Rolle zu spielen. Ebenso werden die Freundschaften der bekannten Charaktere wieder einmal auf die Probe gestellt.
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