KRITIK

American Dreamz

American Dreamz Sollte eines Tages Frieden auf der Welt einkehren, dann wird es dem Fernsehen zu verdanken sein. Weil die Sehnsucht nach Popularität durch Affenkunststückchen vor Millionenpublikum alle politischen Überzeugungen besiegt. So ergeht es auch dem sympathischen jungen Schläfer Omer (Sam Golzari), der von seinen terroristischen Hintermännern für ein telegenes Attentat auserkoren wurde. Omer hat es durch einen bizarren Zufall als Kandidat in die sagenhafte Casting-Show „American Dreamz“ geschafft, wo in der Finalrunde die Begegnung mit einem besonderen Gast-Juror winkt: Dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Präsident Staton (Dennis Quaid), ein unterbelichteter Morgenmantelschluffi, hat nämlich eine Nervenkrise erlitten, als er nach erfolgreicher Wiederwahl plötzlich die Politikseiten der Tageszeitung zu lesen begann. Für Wochen verschanzte er sich deprimiert im Schlafzimmer.

Nun soll der Auftritt in der Fernsehshow seinen Beliebtheitsgrad explodieren lassen. Omers Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem mächtigsten Mann der Welt live in die Luft zu sprengen. Aber kann jemand, der so mitreißend radebrechend Sinatras „My Way“ schmettert, wirklich die Werte des Westens verachten?

Regisseur Paul Weitz („About a Boy“) bemüht sich in seiner Satire auf den epidemiologischen Erfolg von Weltverblödungsformaten wie der real existierenden Casting-Show „American Idol“ um die größtmögliche Respektlosigkeit. Sein zynischer, von amüsantem Selbsthass befallener Moderator Martin „Tweedy“ Tweed (Hugh Grant) leitet da eine Freakshow, in der rappende Juden auf Broadway-fanatische Araber treffen und ein Britney-Spears-Lookalike namens Sally Kendoo (Mandy Moore) als ruhmgeiles Groupie über Leichen geht.

Immer wieder entwirft Weitz dabei schwarzhumorige Mini-Grotesken. Allerdings bleibt das Grundproblem seiner Komödie, dass Casting-Shows sich satirisch selbst erledigen und seine Verweise auf die gegenwärtige US-Politik letztlich doch brav sind. Obschon sein Präsident einen tollen Auftritte hat, wenn er vor laufender Kamera aus der Rolle fällt, den Nahostkonflikt für unlösbar erklärt und bedauernd mit den Schultern zuckt.



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INHALT

"American Dreamz" ist Amerikas Top-Talentshow. Für die neue Staffel sucht Moderator Martin Tweed gewohnt rücksichtslos selbsternannte Gesangswunder, die sich duellieren und blamieren. Der neue Jahrgang übertrifft alle Erwartungen, versammelt im Finale Rabbi-Rapper, Karrieristin, Kriegsheld und einen gutmütigen terroristischen Schläfer, der den US-Präsidenten, VIP-Juror der Show, in die Luft jagen soll.
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Eure Kritiken zu American Dreamz

  1. Udo

    Satire oder Komödie, das ist hier indes die Frage. Die hervorragende Besetzung schlittert von einem gewollten Gag zum nächsten, Grinsemann Grant gibt sich bemüht fies und Dennis Quaid ist ne Wucht. Den Film empfehlen? Nein, ist wohl nur etwas für einen entspannten DVD-Abend. Auf der Leinwand hat man schon besser, weil fieser gelacht. Die Satire bleibt zu sacht.

  2. BastiFantasti

    Der Film war gut, nicht mehr als das, aber sicherlich mal gut! Er hatte sehr humorvolle, teilweise sogar höchst subversive Momente! Und ich habe herrlich gelacht, auch wenn es beileibe keine Komödie war, die auf billige, vereinzelte Lacher aus war!

  3. Joerg

    Schade. So etwas kommt dabei heraus, wenn man Satire machen, damit aber niemandem richtig auf die Füße treten will: Konsens-Komik, und das kann nicht funktionieren. Die Mischung gerät trotz gelegentlicher ätzender Einsprengsel unterm Strich einfach zu nett und zu bemüht.

  4. Manni

    Einen solchen Film als sarkastisch zu bezeichnen, ist eine große Übertreibung. Mit der Holzhammermethode werden dem Zuschauer vermeintlich witzige Szenen vorgesetzt, die so offensichtlich und langweilig sind, dass einem die eigentlich guten Schauspieler leid tun müssen.

  5. Danita

    Überaus genial. Sehr sarkastisch und ironisch, von langeweile keine Spur. Eine bitterböse Satire.

  6. Marta

    Ist es nicht schön wenn mal alle potentiell andersdenkenden gleich mal aufs übelste beleidigen kann? Ich hab den Film im Origianl gesehen und fand ihn überaus genial. Sehr sarkastisch und ironisch, von langeweile keine Spur. Eine bitterböse Satire – zumindest im Orignal, aber da sind die Filme eh meist am besten.

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