KRITIK

Almost Famous – Fast berühmt

Almost Famous – Fast berühmt Wenn der Tourbus im roten Sonnenlicht über endlose Highways fährt und langhaarige, bärtige Rockmusiker mehr oder minder fertig in ihren Sitzen hängen, dann werden Erinnerungen an Filme der 70er Jahre wach, in ihrer Ästhetik und ihrer mehr oder minder großen Kritik an der Kommerzialisierung der Rockmusik. In seinem autobiographisch gefärbten Film lässt der Regisseur Cameron Crowe, der für das Originaldrehbuch mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, die Faszination des Rock’n’roll wieder aufleben, wie auch dessen rasche Vermarktung. „Der Rock’n’roll ist am Ende“ , wie es im Film heißt, aber sein Kritiker kann den letzten Hauch mitbekommen. Unprätentiös, wie amerikanische Filme oft sind, kommt die Entwicklung der Rockindustrie zur Sprache, vor dem Hintergrund einer klassischen Dreiecksgeschichte: einer Frau, die zwischen dem extrovertierten Künstler und dem intellektuellen „homebound“ braven Jüngling steht. Dass sich die beiden in ihren jeweiligen Bereichen Hervorstechenden befreunden, gehört natürlich auch zur bekannten Spannungssteigerung. Doch wäre es kein amerikanischer Film, wenn die Freundschaft nach einem Bruch nicht doch wieder gekittet würde – ist auch die Wende sehr nett eingefädelt. Dass neben dieser Story über Freundschaft und (wahrer) Liebe auch die Kritik an dem Rockzirkus, den Eitelkeiten der Musiker, den eingeschliffenen Schemata der Musikpresse und der Ausnutzung der Fans vorkommt, unterscheidet diesen Film von anderen amerikanischen Produktionen und verbindet ihn ebenso, insofern diese unter der Oberfläche konventioneller Stories versuchen, bestimmte gesellschaftliche Praktiken zu beleuchten. (Nichtsdestotrotz spielt der Film auch mit der Ironie, wenn z.B. er in den 70er Jahren die unmögliche Vorstellung verortet, dass Mick Jagger einst mit 50 noch Rocksänger sein sollte!) Ein genau betrachtender Film über Rockmusik und Erwachsenwerden, der mit musikalischen und zeitgenössischen Zitaten gespickt ist und die Freunde der Rockmusik der frühen 70er Jahre zufrieden stellen wird. Rainer Bach



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INHALT

Billy, ein 15jähriger Nachwuchsrockreporter, soll für ein regionales Rockfanzine ein Interview mit Black Sabbath schreiben - 35 $ für 3000 Worte. 1969, vor vier Jahren, hatte seine Schwester das Haus der alleinerziehenden Mutter ver- und dem 11jährigen eine handvoll Rockplatten hinter-lassen. Doch statt sich von diesen Leuten, die von Sex, Drugs and Rock´n´roll leben, fernzuhalten, stürzt sich der Junge in die Voraussage seiner Schwester: Ein Leben wie Tommy (aus dem gleichnamigen Film von The Who). Das Interview mit den großen Rockstars platzt, weil der Türsteher im Backdoor-Bereich den Knirps zuerst nicht hinein lässt. Doch trifft Billy dort auf die Menschen, die sein Leben verändern werden: Penny Lane, eine Band-Aid, eine Muse für Rockmusiker - oder doch nur Groupie? - und die aufstrebende Rockband "Stillwater", die der junge Journalist durch sein Faktenwissen so beeindruckt, dass er doch in den Backstagebereich hineinkommt. Und beides wird seine große Liebe: Die Band und das Mädchen. Als gerade zu diesem Zeitpunkt das Musikmagazin "Rolling Stone" anruft und ihn als Musikkritiker anheuert, nutzt er die Chance, mit "Stillwater" auf Tour zu gehen, trotz größter Befürchtungen seiner Mutter, die nun auch um ihr zweites Kind bangt. Und Billy lernt das Rock’n’roll-Leben kennen: die Touren im Bus, die Parties im Hotel, die guten und schlechte Konzerte, Drogen und Sex und Liebe, den Streit und die Versöhnung. Ohne Distanz zur Band und zu Gefühlen fällt er auf die Band und ihr Image rein, muss mit dem wohlmeinenden Gitarristen Russel um seine Liebe zu Penny Lane konkurrieren. Ein ungleicher Kampf im harten Rock’n’roll-Business, dessen Alternative nur ein zuhause ist.
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Eure Kritiken zu Almost Famous – Fast berühmt

  1. Eliza

    Glücklich……, wer in den 70ern gelebt hat, denn der durfte das vielgerühmte Rock’n Roll-Feeling miterleben. Der Film läßt alle Unglücklichen erneut daran teilhaben und versetzt den Zuschauer in Groupie-Stimmung. Sehenswert.

  2. Colonia

    Lustig ist das Rock’n’Roller-LebenEine Band am Rande des Nervenzusammenbruchs, bekiffte Rockstars als Heilsverkünder und Groupies, Groupies, Groupies. Ja, so müssen sie wohl gewesen sein, die 70er. Oder etwa nicht? Ganz egal: „Almoust Famous“ nimmt mich mit auf eine Zeitreise, mag sie fiktiv oder real sein. Und ich steige gern ein in den Tourbus und fahre mit der Band durch Amerika. Weil Story und Protagonisten stimmig sind und mich manches an die eigene Jugend erinnert.

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