KRITIK

Alles was ich an euch liebe

Alles was ich an euch liebe
Ein großer Krampf steht dem jungen Paar Leni und Rafi bevor. Ein Abend im Schoße der Familie. Leni (Marián Aguilera) will ihren Verlobten Rafi (Guilermo Toledo) den Eltern vorstellen, was ja genug Befangenheit auf allen Seiten schaffen könnte. Erschwerend kommt hier hinzu, dass sie eine spanische Jüdin und er ein Palästinenser ist. Zwar versucht Leni noch im Fahrstuhl zum Familien-Schafott, den drohenden Konflikt zwischen ihrem Geliebten und der Mischpoke kleinzureden, aber es dauert nicht lange, und in der Kleinbürgerwohnung herrschen Zustände wie im Gaza-Streifen, bloß etwas lustiger und weniger blutig geht es zu.

Lenis Sippschaft entpuppt sich als Neurotiker-Verein von behandlungsbedürftigen Ausmaßen. Mutter Gloria ist eine sexuell frustrierte Hysterikerin, die den neuen Freund der Tochter von Beginn an beargwöhnt. Der Bruder David hat soeben seine Berufung zum orthodoxen Judentum entdeckt und tyrannisiert die Seinen mit buchstabengetreuer Tora-Auslegung. Schwester Tania, eine Nymphomanin, becirct den armen Rafi mit Bauchtanzkünsten. Großvater Dudu, Veteran des israelischen Unabhängigkeitskrieges, ist zwar erblindet, hat aber das Gewehr immer noch griffbereit. Nein, keine entspannte Umgebung für einen Palästinenser. Noch dazu passiert Rafi ein fürchterliches Missgeschick: Ein großer Brocken gefrorener Suppe fällt ihm aus dem Küchenfenster hinab auf die Straße und streckt den Paterfamilias auf dem Heimweg nieder. Die junge Liebe erlebt eine gesalzene Bewährungsprobe.

Recht unbeschwert und weitaus weniger bitter als bei der Groteske „Göttliche Interventionen“ geschehen, inszeniert das Regiepaar Teresa de Pelegri und Dominic Harari den israelisch-palästinensischen Culture-Clash, oft slapstikprall und situationsderb. Eigentlich dient der Politikhintergrund nur der Komikschärfung, der Grundkonflikt ähnelt ja Filmen wie „Meet the Parents – Mein Braut, ihr Vater und ich“. Die Schauspieler jedenfalls spielen großes Boulevardtheater, das Timing stimmt auch, bis am Ende die Geschehnisse ins Absurd-Alberne getrieben werden und die Regisseure sich in die alte „Some like it hot“-Weisheit flüchten: Nobody is perfect.



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INHALT

Aufgeregt fiebern Leni Dalinsky und ihr neuer Verlobter Rafi der bevorstehenden ersten Konfrontation mit Lenis jüdischer Sippschaft entgegen. Die besteht aus einem Haufen verschrobener Exzentriker, unter denen die nymphomane Schwester, der streng orthodoxe Bruder und die sechsjährige, scheinschwangere Nichte noch die Normalsten sind. Doch das ist nicht Lenis Hauptproblem. Sie muss ihrer Familie nämlich beibringen, dass Rafi ein Palästinenser ist.
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Eure Kritiken zu Alles was ich an euch liebe

  1. Manni

    Sehenswerte Komödie von Teresa de Pelegrini. Sehr lustig.

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