KRITIK

Allein unter Nachbarn – La Comunidad

Allein unter Nachbarn - La Comunidad In seinem fünften Spielfilm entsagt Regisseur Álex de la Iglesia weder der Gewalt noch einem morbiden Humor. Mit Anleihen an Roman Polanski (Die Mieter) und Alfred Hitchcocks Suspensemethoden bebildert er das „Duell“ zwischen der nicht unegoistischen, vom (Liebes-)Leben gebeutelten Maklerin und der verschworenen, geldgierigen Mietgemeinschaft.
Das Objekt der Begierde steckt anfangs in Plastiktaschen und später in einem überschweren Reisekoffer. Und weil in guter Tarantino-manier auch viele Späne fallen, wo gehobelt wird, pflastern einige, mehr oder minder zufällige Leichen den Weg des Geldes auf dem Weg in die Sicherheit. Mal ist es ein Aufzug, mal ein böser Sturz, ein Schuss oder ähnliche Gegebenheiten, die der Jagd nach dem Geld und dem Tumult den Tod folgen lassen.
Neben den zumeist in Spanien bekannten Schauspielern, die meist die magische 50 Jahre-Grenze schon hinter sich gelassen haben, ragt Carmen Maura als Julia besonders heraus: mal genervt, mal verführerisch, mal naiv neugierig, mal berechnend und böse. Doch verkörpern auch die anderen Figuren, die ihnen comicstriphaft zugedachten Charaktere hervorragend, was durch häufige Nahaufnahmen unterstrichen wird.
Schade eigentlich, dass sich hin und wieder Anschlussfehler und Schwächen in der Regie zeigen, die zudem durch inhaltliche Anfragen z.B. an die Motive der Akteure ergänzt werden könnten. Auch bei einer ansonsten gut bebilderten schwarzen Komödie sollten solche Defizite nicht so eklatant vorkommen, vor allem wenn sie nicht als Trash gedacht und konzipiert wurde.
Nichtsdestotrotz ein lustiger Film, dessen Happy End große Filme wie zum Besipiel Star Wars huldigt. Rainer Bach



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INHALT

Eine einsame Katze steigt auf einem Fenstersims eines bestenfalls rudimentär gepflegten Mietshauses in der Madrider Innenstadt in die hinter ihr liegende Wohnung. In einer Lache aus Müll, Wasser und Ungeziefer schwimmt eine verwesende Leiche – das einzig verbliebene Nahrungsmittel des streunenden Tieres. Unterhalb dieser Wohnung jedoch liegt eine große, möblierte Wohnung, die wie gerade verlassen aussieht, als Julia, eine 40jährige Immobilienmaklerin, sie interessierten Mietern zeigt.
Da den potentiellen Interessenten die Wohnung nicht zusagt, ihr aber diese um so mehr gefällt, zieht sie dort selbst ein. Als bei einem Liebesspiel auf dem Wasserbett Kackerlacken von der Decke fallen und beim nächsten Besichtigungstermin zusätzlich noch Wasser von der Decke tropft, wird die Feuerwehr gerufen. Bei der Überprüfung der Wohnung ein Stockwerk höher findet sich die Leiche des älteren Mieters. Zufälligerweise findet Julia die Geldbörse des Verstorbenen und einen seltsamen „Schatzplan“. Als sie später nochmals in die Wohnung geht, findet sie in Plastikbeuteln eine große Menge Geld, das sich als Lotteriegewinn herausstellt.
Julia versucht ihren Fund außer Hauses zu bringen, was aber sämtliche Mitglieder der verschworenen Hausgemeinschaft immer wieder mit List und Tücke zu verhindern wissen. Nicht umsonst wollen sie so viele Jahre bis zum Ableben des Alten gewartet haben, um dann ihrer sicher geglaubten Beute beraubt zu werden. Denn 300 Millionen Pesetas sind kein Pappenstiel...
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Eure Kritiken zu Allein unter Nachbarn – La Comunidad

  1. Colonia

    Gier!Nach einem äußerst makabaren Vorspann geht es munter weiter. Es ist, als wären Polansiks „Mieter“ auf spanisches Temperament getroffen und Hitchcock hätte kurz zur Tür herein geschaut. Das ist hier und da überdreht, sehr gut gemacht, spannend. Am Ende gibts einen riesigen Showdown. Ich hätte mir ebenso gut ein alternatives Ende vorstellen können. Was solls. So ist es auch ein gelungener Film geworden. Mein Tipp!

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