KRITIK

Alien: Covenant

Bild (c) 2017 20th Century Fox Germany.

Will man einigen Branchenblättern in Hollywood Glauben schenken, erinnert Regisseur Ridley Scott in jüngster Zeit eher an einen alten Herren, der Kinder von seinem Rasen verscheucht, als an einen altgedienten Meisterregisseur: Zwar wettert der Brite gerne gegen jegliche Art von Comic-Franchise-Erzählung, doch auch er selbst macht sich (mit seinen letzten Werken) vieler erzählerischer Sünden schuldig, die in eben den kritisierten Filmen begangen wurden. Darüber hinaus arbeitet Scott in gleichem Maße fleißig an der Franchise-Bildung seiner größten Hits: Ein „Gladiator“-Sequel ist bereits angedacht und die Fortsetzung zu seinem Meisterwerk „Blade Runner“ erscheint auch noch später in diesem Jahr. Auch wenn er für „Blade Runner 2046“ den Regiestab an das jüngere Regietalent Denis Villeneuve übergeben hat, ist Scotts kreative und vor allem visuelle Handschrift als ausführender Produzent unverkennbar.

Die Zügel seines beliebten „Alien“-Franchises hält er jedoch weiterhin fest in den Händen. Und anscheinend ist Ridley Scott gewillt, noch sehr viel mehr Pferde vor diesen äußerst erfolgreichen Wagen zu spannen. Zunächst waren noch vier oder fünf Prequels geplant, um die „gesamte“ Geschichte zu erzählen (was auch immer das heißen mag), jetzt sind es „nur“ noch zwei oder drei Filme, die inhaltlich VOR dem Klassiker von 1979 spielen sollen. „Alien: Covenant“ deutet aber bereits an, dass vielleicht noch nicht einmal dafür genügend interessantes Material zur Verfügung stehen wird.

Zur Story: Nur ein paar Jahre nach den schicksalhaften Ereignissen auf der „Prometheus„-Mission, macht sich eine neue Crew auf dem Weg zu einem fernen Planeten, um diesen zu kolonisieren. Die Mannschaft bzw. Frauschaft besteht aus den Astronauten/Kolonisten Daniels (Katherine Waterston), Oram (Billy Cudrup), Tennessee (Danny McBride), Lope (Demián Bichir), Android Walter (Michael Fassbender) und viel gesichts- und namenloses Alien-Futter. Darüber hinaus haben sie mehrere tausend Kolonisten im Tiefschlaf und gefrorene Embryos an Bord.

Durch eine plötzliche Sonneneruption wird die Crew unsanft aus ihrem Schlaf gerissen. Einige der gefrorenen Kolonisten müssen dabei ihr Leben lassen. Beim Versuch, das beschädigte Schiff zu reparieren, schnappt die Besatzung ein mysteriöses Signal auf, das sie zu einem anderen, noch unerforschten Planeten führt. Nach dem traumatisierenden Unfall ist der kommandierende Offizier Oram (Billy Cudrup) nur zu gerne bereit, alle wohlfein und akribisch ausgearbeiteten, ursprünglichen Pläne über Board zu werfen. Viel lieber möchte er sich – auch hinsichtlich der wesentlich kürzeren Reisezeit – auf dem neuen Planeten niederlassen, über den er keinerlei Daten oder Informationen besitzt. Vom berechtigten Protest seiner Untergebenen Daniels (Katherine Waterstone) zeigt er sich wenig beeindruckt.

Auf dem Planeten gelandet, kommt es, wie es kommen muss: Einige Besatzungsmitglieder atmen geheimnisvolle Sporen ein, die eine sich schnell ausbreitende Krankheit mit überraschendem und ekligem Ergebnis zur Folge hat. Immerhin eilt ihnen in dieser ausweglosen Situation ein alter Bekannter mit fragwürdigen Beweggründen zur Hilfe.

Bei diesem Plot ist es durchaus hilfreich, den Vorgängerfilm „Prometheus“ gesehen zu haben, um die Handlungsebene der Fortsetzung „Alien: Covenant“ nachvollziehen zu können. „Prometheus“ war zwar die langerwartete Rückkehr des Starregisseurs Scott zum Alien-Universum, allerdings war der Film unter Kritikern und Fans höchst umstritten. Ein Schuldiger wurde schnell gefunden: Während Ridley Scott für seine Regie gelobt wurde, musste vor allem Drehbuchautor Damon Lindelof viel Kritik einstecken. Dieser hatte bereits als Showrunner der Serie „Lost“ jede Menge Spott und Häme über sich ergehen lassen müssen und war vielleicht allein deswegen ein einfaches Ziel. Unsinnige Charakterentscheidungen, alberne Story-Wendungen und unbeantwortete Fragen wurden Lindelof in die Schuhe geschoben, obwohl er erst später zum Projekt hinzustieß und ein bereits bestehendes Script überarbeitete.

Scott entschuldigte sich kürzlich für „Prometheus„, weil es inzwischen zum guten Promotion-Ton gehört, dass Regisseure zurückliegende, wenig geliebte Filmprojekte vor den einfahrenden Zug schubsen, um für ihre neuen Filme zu werben. Lindelof ist zwar nicht an „Alien: Covenant“ beteiligt, die dummen Charakterentscheidungen, die albernen und vorhersehbaren Story-Wendungen und eine Reihe unbeantworteter Fragen sind jedoch immer noch präsent (schließlich muss noch etwas für die zwei bis drei Fortsetzungen aufgespart werden). Spätestens wenn sich ein Crewmitglied auf dem fremden Planeten wegschleicht, um einen Joint zu rauchen, sollte sich der ein oder andere an den Vorgängerfilm erinnern.

Das sind allerdings nicht die einzigen Probleme, mit denen der Film zu kämpfen hat: Machte das Mysterium um das Alien, seine Herkunft und die Weyland-Corporation, die im Hintergrund die Fäden zog, noch einen großen Teil der Spannung der ersten Filme aus, leuchten Scott sowie seine Drehbuchautoren John Logan und Dante Harper nun jeden düsteren Winkel aus. Keinem von ihnen scheint klar zu sein, was sie dafür opfern. Selbst das Alien ist in seiner vollen CGI-Pracht zu sehen, verliert auf diese Weise aber einen großen Teil seiner Bedrohlichkeit.

Optisch ist der SciFi-Horror jedoch wieder einmal ein Leckerbissen, auch wenn nicht alle Effekte überzeugen können. An dieser Stelle denkt man gerne an die späteren, etwas fehlgeleiteten Alien-Versuche von David Fincher und Jean-Pierre Jeunet zurück, die immerhin einen eigenen Stil und eine frische Perspektive für das Franchise brachten. Vor diesem Hintergrund wagt Scott leider nicht viel Neues. Schockmomente und Body-Horror sind zu Beginn effektiv und einfallsreich, später werden sie jedoch äußerst vorhersehbar.

Der philosophische Überbau zu den Themen künstliche Intelligenz, Entstehung des Lebens, Menschheit, Väter-Söhne, Brüder und Familie führt letztendlich nirgendwo hin (oder soll in den anstehenden Fortsetzungen noch weiter gesponnen werden, was auch nicht viel besser ist). Mit der Ausnahme von Michael Fassbender, der wieder einmal mehr als überzeugend einen Androiden darstellt, verblasst die restliche Besatzung und Besetzung dank ihrer eintönig skizzierten Charaktere. Insbesondere die talentierte Katherine Waterston („Inherent Vice„) bietet nicht viel mehr als einen permanenten Gesichtsausdruck des Schreckens und Entsetzens. Sollte die Intention gewesen sein, dem Publikum eine Art Ripley-Nachfolgerin/Vorgängerin zu präsentierten, ist dies jedenfalls misslungen.

Mit „ein Alien-Film, der zurück zu seinen Wurzeln kehrt“ – so wird „Alien: Covenant“ schon jetzt gerne beschrieben. Leider verhaftet der Scifi-Horror so sehr an diesen Wurzeln, dass der Film kaum etwas Interessantes oder Neues zu erzählen hat. Zwar mangelt es zu Beginn nicht an Spannung und einer dichten Atmosphäre, allerdings wird diese hauptsächlich durch die Dummheit der Hauptfiguren erzeugt, was wiederum ärgerlich ist. Wenn die zentrale Metapher von „Alien: Covenant“ lautet, dass die Menschheit zu dumm sein wird, um gegen Aliens zu kämpfen, sobald künstliche Intelligenz erfunden wird, so ist der alte Grantler Scott zumindest in dieser Hinsicht erfolgreich.

 

Kritikerspiegel Alien: Covenant



Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem monatlichen Kritikerspiegel.

 

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