Boxerfilme hat es eine ganze Menge gegeben, die schlechteren versuchten alle, sich einer Legende zu näheren, die besseren wie Scorseses „Raging Bull“ mit Robert De Niro (USA 1980) oder Finchers „Fight Club“ (USA 1999) mit Brad Pitt und Edward Norton erzählen vom Ring weg andere Geschichten.
So hätte der Film über Muhammad Ali auch ein schlechterer werden können, ist dieser Boxer doch die Legende schlechthin. Tausend und mehr Geschichten gibt es von ihm, über ihn, mit ihm, und keine ist wohl wirklich wahr. So eben funktioniert das mit der Legendenbildung. Daran, das ist sicher, wird auch Michael Manns Film „Ali“ nichts ändern können; und auch nicht wollen.
Alles andere aber kein Kniefall vor dem Boxer mit der größten Schnauze und den schnellsten Bewegungen im Ring, ist der Film eine subjektive, bis zum Schluss spannend erzählte Biografie in Ausschnitten, die uns den legendenschweren Ali ganz nahe bringt; so nahe beispielsweise, dass die eisenharten Schläge Foremans auf Alis Körper am Ende jeden Zuschauer schmerzen müssen. Doch die Kämpfe, meisterlich nah und in gekonnter Verwischheit oder präziser Verlangsamung äußerst präsent gefilmt, sind nicht das Zentrum des Films (obwohl sie sicherlich das Intensivste darstellen, was das Kino in den letzten Jahren von tänzerisch brutaler Gewalt gezeigt hat – Ausnahme vielleicht „Fight Club“).
Im Zentrum steht der Moslem Ali, dessen animalisch jungenhafte Ausstrahlung von verschiedenen Seiten benutzt wird; von den Black Muslims, der Familie, den Freunden. Michael Mann – der dem Himmel danken sollte für den kongenialen Ali-Darsteller Will Smith, den man eher aus seichteren Epen wie Independence Day, Wild Wild West oder den Men in Black Filmen kennt – malt Ali in schnellen und zeitlupenlangsamen Bildern als Isolierten, der offenbar nur sich selbst sucht und – zumindest in den Jahren, die der Film abdeckt – nicht finden kann. Zahllose Frauengeschichten („erst kommen die Augen, dann folgt das Herz nach“), Hochzeiten und Scheidungen sind neben dem Boxen Stationen einer ständigen Selbstvergewisserung.
Am Anfang des Films fährt ein mit weißen Polizisten besetzter Streifenwagen langsam hinter dem joggenden Ali her, und einer der Polizisten ruft ihm provozierend zu: Wovor läufst du weg, Schwarzer? Vor mir selbst, hätte er antworten können.
Michael Manns Film erklärt nicht, warum Ali Boxer geworden ist, er deutet es vielleicht an. Mann bezieht keinerlei Stellung, außer der eines zugeneigten Beobachters, der mit der Kamera immer dicht am Objekt seiner Zuneigung bleibt. Überdeutlich wird diese Haltung in der ausführlich gefilmten Szene, in der Ali mit Kindern und Jugendlichen durch die Straßen Kinshasas läuft, und er auf allen Häuserwänden seinen Namen liest und die Aufforderung, ihn (Foreman) zu töten. Hier ist Mann einer von denen, die mit Ali laufen und die mit ihm zusammen erleben, dass er jetzt, hier mitten in Afrika, angekommen ist. Das letzte Bild, die eingefrorene Einstellung des Triumphierenden auf den Seilen des Rings, sein weit den Zuschauern entgegen gestreckter Körper, könnte dann wieder reiner Mythos sein, gäbe es nicht kurz zuvor eine winzige Szene, die die spätere schwere Erkrankung (Parkinson) des Boxers andeuten könnte: Unter der Dusche stehend ballt Ali vorsichtig eine Hand zur Faust und man spürt mit ihm, dass sie sehr schmerzt. P.S.: Am besten im engl. Original anschauen, der unverwechselbare Sprachrythmus Alis geht in der Synchronisation etwas verloren. Benedikt Kraft
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Ein Film, der dem Mythos Ali in keinster Weise gerecht werden kann. Für mich eine Enttäuschung…
ParaderolleFür Will Smiths ist es in der Tat eine Paraderolle. Der Film hingegen kann nicht ganz überzeugen, da er zu viel wollte. Muhammed Ali kann man wohl nicht auf der Leinwand nacherzählen…
FernLangweiliges Biopic, das zunächst den Eindruck macht, es sei eine Musikdoku aus den 60ern, dann hier und da politische Brisanz vermitteln will, die Themen aber letztlich nur streift. Hinter all dem bleibt mir Ali als Mensch wie als Sportler völlig fern und fremd.