KRITIK

Alfie

Alfie
Alfie ist keine neue Filmfigur. Lewis Gilbert hatte im Jahre 1965 den charmanten Engländer aus London („Der Verführer läßt schön grüßen“) zum Leben erweckt und – glänzend mit Michael Caine besetzt und Oscar nominiert – damit eine boshafte, mehr tragische als komische Satire um einen notorischen Frauenhelden in den sogenannten Swinging Sixties erzählt. In dieser Zeit wimmelte es nur so von dandyesken Frauenherzensbrechern in Form von Helden à la James Bond oder anderen Derivaten, die mit dem Lenkrad eines schnittigen Sportwagens in der Hand und mindestens einem gutgebauten Mädchen auf dem Beifahrersitz, von einem Abenteuer zum nächsten stürmten. Lewis Gilberts Alfie war bissig, böse und hat sich am Ende selbst zerstört.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Waren Themen wie Ehebruch und Abtreibung in den 60er Jahren noch schockierend und skandalös, kann davon heute kaum mehr die Rede sein. Der Mann im 21. Jahrhundert sollte anders sein, weniger Macho und vor allem witzig. Was und wie viel er verdient ist egal, die Frau verdient nun auch. Er sollte außerdem auf sein Äußeres achten und charmant sein. So steht es zumindest in den zahlreichen Befragungen geschrieben, die das weibliche Geschlecht mit großer Freude in den wöchentlichen Zeitschriften beantwortet. Schenkt man diesen Aussagen Glauben, ist Alfie genau der richtige Typ zur richtigen Zeit und Jude Law, it-Boy der Stunde, genau der richtige Darsteller. Genau wie im Original aus den 60ern, entsteht die Komik des Films dadurch, dass sich die Hauptfigur immer wieder direkt zur Kamera wendet und die Handlung lakonisch kommentiert. Das funktionierte zwar schon in anderen Filmen wie beispielsweise „The Opposite of Sex“ mit Christina Ricci, wird aber bereits Filmstundenten des ersten Semesters als k.o.-Kriterium mit auf den Weg gegeben, wenn Filme ernst bleiben oder eine Tiefenwirkung erzielen sollen.

Remake-Spezialist Charles Shyer („Vater der Braut“-Filme), der das Drehbuch in Zusammenarbeit mit der bisherigen Sitcom-Autorin Elaine Pope adaptierte, verkehrte diese Tradition des Sprechens zum Publikum in ihr Gegenteil: anstatt dass der Protagonist die unverblümte Wahrheit sagt, während er seinen Mitspielern etwas vormacht, hat man den Eindruck, dass hier jemand krampfhaft versucht, sein Leben schönzureden, während die Bilder eigentlich etwas anderes erzählen. In diesem Remake funktioniert das so gut, weil man sich dem Charme, den Jude Law versprüht, hier nur schwerlich wird entziehen können. Law ist immer dann am besten, wenn er seine Schönheit mit einer Aura des Künstlichen umgeben und hinter dieser scheinbar emotional unberührbaren Fassade verborgene Gefühlswelten aufscheinen lassen darf (als Vampir in „Die Weisheit der Krokodile“ oder als Roboter in „A.I.“).

Auch die Eroberungen sind hier mehr als nur unterschiedliche, kleine Farbtupfer oder unbedeutende Nebenrollen, denen namenlose Darstellerinnen ihren Körper leihen. Zu den diversen Frauenbekanntschaften zählen die verheiratete, aber sexuell vernachlässigte Dorie (Jane Krakowski) oder später die etwas ältere Kosmetikfirmabesitzerin Liz, herausragend verkörpert von Susan Sarandon, die Shelley Winters aus dem Original ersetzt. Eine Art halbfeste Freundin ist die allein stehende Mutter Julie (Oscar Preisträgerin Marisa Tomei), und eine kurze Episode mit Folgen legt er mit der Freundin seines besten Freundes, Lonette (Nia Long) ein. Anschließend tröstet er sich mit dem bildhübschen Partygirl Nikki (Laws tatsächliche Partnerin Sienna Miller – einfach umwerfend!), die sich nach anfänglicher Idylle jedoch als manisch-depressiv erweist. Untermalt wird die Tour de Amour von einem herausragenden Soundtrack, den nicht zuletzt Mick Jagger mit einem Golden Globe gekrönten Song „Old Habits Die Hard“ krönt.



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INHALT

Seine Brötchen verdient er sich zwar nur als Chauffeur, doch die Frauen reißen sich um Alfie. Er springt von Affäre zu Affäre, von der verheirateten, sexuell vernachlässigten Dorie zur älteren Kosmetikfirmabesitzerin Liz. Eine "halbfeste" Freundin hat er in der allein stehenden Mutter Julie. Eine kurze Episode verbindet ihn sogar mit der Freundin seines besten Freundes. Bis schließlich die Frau des Lebens auftaucht. Doch auch die Beziehung ist nicht von Dauer. Ob Alfie jemals sesshaft werden kann? Erst, als er sich wirklich verliebt und selbst auf Granit beißt, beginnt sein persönlicher Reifeprozess.
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Eure Kritiken zu Alfie

  1. Celia

    Hui!Oh wei, was für ein Mann! Niemand hätte Alfie besser verkörpern können als Jude Law – wirklich hinreißend! der Film ist nett und euer Text 1a!

  2. Udo

    Dieses Swinging Sixties Remake ist in der Tat eine sehr unterhaltsame Komödie. Die „Mit-Einbeziehung des Publikums“ und damit die Öffnung der vierten Dimension habe ich nicht als „Verflachung“ gesehen. Der Film wirkte irgendwie auch abgesehen von Jude Law sehr „sympathisch“.

  3. Natalie

    Das hätte icch wirklich nicht gedacht. Der Film war wirklich sehr nett und Jude Law ein wirklich passender Schauspieler für die Rolle. Mir hat aber auch die Musik sehr gut gefallen. Alles in allem sehr stimmig.

  4. Andromeda

    Hallo nette Seite, die ihr da habt. Bin gespannt, was da noch so kommt. Mit der Alfie-Kritik stimme ich auch voll überein. Ein sehr unterhaltsamer Film. Auch und vor allem durch Juse Law.

  5. Colonia

    Alfie und der Sex in der CityWieder einmal fragt ein Film respektive sein Protagonist nach dem Sinn des Lebens. Und – welch Wunder – die reichlich überlange Erkenntnissuche in Manhattan führt Alfie, den Englishman in New York dahin, dass es die permanenten Affären und Bekanntschaften ohne echte Beziehung wohl nicht sind.

    Wer Jude Law bislang nicht für die schauspielerische Offenbarung des neuen Jahrzehnts hielt, wird feststellen, dass sein Alfie eine gelungene und sehr charmant gespielte Interpretation ist. Leider ist die deutsche Synchronisation etwas bescheiden ausgefallen. Ansonsten: Ein flotter und vergnüglicher Film.

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