KRITIK

Akte X – Jenseits der Wahrheit

Akte X - Jenseits der Wahrheit Hätte die Filmgeschichte unter Phantomschmerzen geächzt, wenn dieser späte Nachklapp der einstigen Erfolgsserie „Akte X“ nie gedreht worden wäre? Sicher nicht, weshalb man schon ein wenig grübeln darf über die Motivation des „X-Files“-Schöpfers Chris Carter, sechs Jahre nach der letzten Fernsehfolge einen Kinofilm nachzuliefern. Hatten etwa die Hauptdarsteller Gillian Anderson und David Duchovny, beide seit dem Ende der Mystery-Serie nicht mehr allzu erfolgreich, um eine Wiederaufnahme gebeten?

Vielleicht wollte Regisseur Carter aber auch Wiedergutmachung leisten für den ersten „Akte X“-Kinofilm, der selbst beinharte Fans mit angestrengtem Beziehungsgeplänkel und kitschigem Ufo-Schmonz enttäuschte. Tatsächlich ist „Jenseits der Wahrheit“, so der phrasenhafte deutsche Titel, ein besserer Film geworden. Das liegt vor allem daran, dass Carter dem Akte-X-Universum das Übersinnliche ausgetrieben hat: Der neue (und wohl letzte) Fall für die Ex-FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully schnurrt ab als grundsolider Psychokrimi. Ohne Aliens.

Einzig paranormal sind hier die Visionen eines pädophilen Priesters, der nach dem Hannibal-Lecter-Schema des helfenden Teufels das FBI bei der Suche nach verschwundenen Frauen unterstützt und alsbald zu Leichen und Leichenteilen im Eis von West Virginia führt. Scully, mittlerweile Ärztin, und Mulder, der als vollbärtiger Einsiedler alten Theorien nachhängt, werden hinzugezogen, und nun entspinnt sich zweierlei: ein Charakterdrama und ein Krimi.

Im Drama dürfen Mulder und Scully, gern auch zu zweit im Bett, ihre Reden über Glaube und Zweifel wiederaufnehmen. Einen Subplot um ein todkrankes Kind hätte man sich dabei aber sparen können. Der Krimi, der Problembereiche wie Kindesmissbrauch und Organraub effektvoll in eine Frankenstein-Variante der Transgender-Thematik überführt, hat durchaus spannende Sequenzen, mit den alten X-Akten aber nicht allzu viel zu tun.

Da mag Mark Snows flötendes Titelthema zitathaft erklingen und Agent Skinner gastweise vorbeischauen: Die latente Müdigkeit, die hier filmlang über den Geschehnissen liegt, ist am Ende doch bemerkenswert. Ausgelaufene Serien-Modelle lassen sich eben nicht unter Zwang wieder auf hip bürsten. Die 90er Jahre sind eben schon ziemlich lange um.



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INHALT

Jahre nach ihrer letzten Ermittlung führt der Fall einer vermissten FBI-Agentin die Ex-Partner Mulder und Scully wieder zum alten Aufgabengebiet zurück. Während Scully als Ärztin parallel einen todkranken Jungen betreut und auf die Wissenschaft setzt, folgt Mulder seinem Instinkt und dem Glauben an das Unmögliche. So vertraut er auch einem gefallenen Priester, der als Medium eine Spur zu der verschleppten Agentin gefunden haben will.
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Eure Kritiken zu Akte X – Jenseits der Wahrheit

  1. Manni

    Ein guter Thriller, ein mittelmäßiger Akte-X-Film.

  2. Fiska

    Sehr unterhaltsam

  3. Kohloe

    Für Akte X fans vielleicht ein glorreicher Abschluss (?) – für mich nichts weiter als ein normaler Thriller, der ebenso gut im ersten laufen könnte. Effekte sind zweitklassig, Schauspieler können nur teilweise überzeugen.

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