KRITIK

Ahnungslosen (Le fate ignoranti), Die

Ahnungslosen (Le fate ignoranti), Die Der türkische und nun in Italien lebende Regisseur Ferzan Ozpetek beschrieb schon mit seinem Erstlingswerk “Hamam – das türkische Bad“ den Grenzbereich der sexuellen Orientierung, hier der geheimen homosexuellen Neigungen.
Die Ahnungslosen dieses Films geben auch die Perspektive vor, mit der die Zuschauer in diese andere Welt eingeführt werden, liegt sie doch scheinbar so jenseits bürgerlicher Möglichkeiten. Wohl gelingt es dem Regisseur hier schöne Abstufungen darzustellen: die prüde, katholische Ehefrau Antonia auf der einen Seite, ihre mehr säkulare, heterosexuelle Gepflogenheiten akzeptierende Mutter auf der anderen Seite und dazu die Muster heimlicher und offener homo- bzw. bisexueller Lebensweise in den Figuren von Massimo und Michele und seiner Gruppe. Sein Plädoyer für Toleranz und Offenheit, das dieses Melodram prägt, gerät aus zwei Perspektiven jedoch etwas zurückhaltend. Zum einen ist zu fragen, warum er Ausschnitte der Gay Pride Parade 2000 in Rom nur im Abspann zeigt, statt sie, wie ursprünglich geplant, zentral in den Film einzubauen, zum anderen scheint inhaltlich das Verschweigen der Schwangerschaft durch Antonia eine Trennung der Welten zu unterstützen.
Dramatische Höhepunkte setzt der Film selten richtig ein, auch wenn die Schauspieler bis in die Nebenrollen hinein zumeist sehr gut besetzt sind und überzeugen könen und die Kameraarbeit sehr gelungen ist. Ein ordentlicher Film, nicht nur für ein homosexuelles, sondern ebenso und fast noch eher für ein heterosexuelles Mittelstands-Publikum. Rainer Bach



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INHALT

Antonia hat ihr bürgerliches Leben in einer Villa am Stadtrand Roms wohlgeordnet. Sie hat ihren erfolgreichen und gutaussehenden Ehemann Massimo von der Schulbank weg geheiratet und ist mit ihm seit über 10 Jahren glücklich.
Viel zu plötzlich jedoch wird Massimo eines Tages Opfer eines Verkehrsunfalls. Als Antonia wenig später auf der Rückseite eines Bildes aus dem Büro ihres Mannes die Widmung einer anderen Person sieht, vermutet sie dahinter eine Geliebte und macht sich auf die Suche nach der vermeintlichen Unbekannten. Doch hinter Michele verbirgt sich nicht eine Frau, sondern ein Mann. Er wohnt in einem heruntergekommenen Stadtteil inmitten einer offenen Wohngemeinschaft mit Homo-, Hetero,- und Transsexuellen. Wie sich herausstellt, lebte auch Massimo in dieser „Familie“ sein anderes Leben.
Geschockt und zugleich fasziniert hält die Witwe Kontakt zu dem hübschen Michele und der Kommune. Ihrer Mutter wagt sie nicht zu sagen, dass die Geliebte ihres Mannes ebenfalls ein Mann war, obwohl diese ihrer Tochter freiherzig im Gegenzug auch eine Liebschaft gesteht. Deren Rat, sich mit der Konkurrentin anzufreunden, nimmt Antonia an. So schwankt die Frau zwischen dieser - für sie anderen - Welt und ihrer Villa, zwischen „Anstand“ und Wagnis.
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Eure Kritiken zu Ahnungslosen (Le fate ignoranti), Die

  1. Esteban

    SeltenheitswertHallo, ich komme gebürtig aus Italien und mich interessierte dieser Film besonders. Auf meiner Recherche zu diesem Film bin ich durch zufall auf diese Seite getroffen und bin überrschat, dass auch so ein kleiner Filmo irgendwo mal besprochen wird. Es war nicht der bene gute Film, den ich ewarte, aber er war nett.

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