KRITIK

Affären à la carte

Affären à la carte Man muss nur einfach zwei Handvoll gut situierter Neurotiker an einen Pariser Esstisch setzen und reden lassen. Es folgt eine Lehrstunde in Heuchelei, unterdrückter Zuneigung sowie subtiler Verletzungskunst. Dieser Strategie scheint Regisseurin Danièle Thompson („Ein perfekter Platz“) hier gefolgt zu sein, auch wenn der deutsche Titel „Affären à la carte“ – mal wieder – auf eine falsche Fährte lockt.

Eigentlich konstatiert der Originaltitel: „Der Code hat sich geändert“. Und das meint hier sowohl die Codes des sozialen Umgangs unter arrivierten Mittvierzigern als auch den Zugangscode, der in Paris an jeder Mietshaustür einzutippen ist. Wer ihn nicht kennt, bleibt außen vor.

Im Film laden eine erfolgreiche Anwältin und ihr arbeitsloser polnischer Gatte (Dany Boon von den „Schtis“) drei mehr oder weniger befreundete Paare und zwei Singles zum Essen ein: Die neue Designerküche muss schließlich bewundert werden. Mal geistvoll niederträchtig, mitunter auch recht klischeehaft geht es da zu, sowohl während des Essens als auch in den Szenen drum herum.

Polanski-Gattin Emmanuelle Seigner darf als frustrierte Anwaltsgattin genüsslich-peinlich von ihren Therapiesitzungen berichten, ein ältlicher Liebhaber pikiert durch unstandesgemäßes Verhalten, diverse Affären brodeln, und Papa taucht auch noch auf. Dann, nach einem Zeitsprung um ein Jahr, wird wieder gegessen: Die Karten sind neu gemischt, auch Tragödien haben sich ereignet.

In den besten Momenten erinnert Thompsons mit Routiniers von Patrick Bruel bis Pierre Arditi hochkarätig besetztes Kammerspiel an die dialogstarken Konversationsstücke von Yasmina Reza und an die Bürgertumsentlarvungen von Claude Chabrol; doch nicht immer zünden die Pointen. Überhaupt macht sich gegen Ende Harmlosigkeit breit: Passt der deutsche Titel doch?



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INHALT

Wer mit wem? Für immer und ewig oder doch nur für eine Nacht? Ein langjähriger Freundeskreis trifft sich mal wieder zum gemeinsamen Dinner. Der Ablauf des Abends scheint bereits vorprogrammiert zu sein, jeder bereitet sich auf die perfekte Fassade vor, die die eigenen Sorgen, Ängste und Unsicherheit für gewöhnlich zu überspielen und gänzlich unter die Oberfläche zu kehren vermag. Doch spätestens auf dem Heimweg bricht das Kartenhaus aus Lügen zusammen und den dominierenden Gefühlen von Neid und Missgunst wird ordentlich Luft gemacht - und an diesem Abend kommen ganz spezielle Verwicklungen ans Tageslicht
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