KRITIK

abhandene Welt, Die

Bild (c) 2015 Concorde Filmverleih.

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Anders als bei ihrem letzten Kinofilmen widmet sich Margarethe von Trotta in „Die abhandene Welt“ keiner historischen Frauenpersönlichkeit. Um einen echten „Trotta“ handelt es sich trotzdem: Mit Barbara Sukowa, die für sie zuletzt Hildegard von Bingen und Hannah Arendt verkörperte, und Katja Riemann („Rosenstraße“) sind erneut zwei Lieblingsmusen der Regisseurin dabei. Und das Schwesternmotiv, das sich zentral durch dieses analytische Familiendrama zieht, kennt man schon aus ihrem besten Werk, „Die bleierne Zeit“ von 1981, über zwei fiktive Pfarrerstöchter, die stellvertretend standen für Gudrun und Charlotte Ensslin.

Im neuen Film steht erst einmal der große Matthias Habich gravitätisch im Raum: Per Zufall fällt der Blick des Witwers im Fernsehen auf die New Yorker Opernsängerin Caterina Fabiani (Sukowa), die seiner verstorbenen Gattin verblüffend ähnlich sieht. Er schickt seine Tochter, die leicht erfolglose Jazz-Diseuse Sophie (Riemann), in den Big Apple und bringt damit ein veritables Enthüllungsmelodram ins Rollen. Ist Caterina womöglich Sophies (Halb-)Schwester? Was weiß der Vater wirklich? Und warum hasst er seinen Bruder so abgrundtief?

Szene_Abhandene_WeltDie Auflösung des Rätsels, das Trotta dramaturgisch etwas ungelenk zusammenpuzzeln lässt, ist am Ende ungefähr so aufregend wie jede zweite Familienaufstellung von den öffentlich-rechtlichen Fernsehfilmfließbändern: die Dialoge hölzern, die Stimmung künstlich, die Gesichter bekannt (August Zirner, Rüdiger Vogler).

Nach eigener Auskunft ist von Trotta die Geschichte in Grundzügen selbst widerfahren: Auch sie erfuhr erst in vorgerücktem Alter von ihrer älteren Schwester. Die Ungeheuerlichkeit einer solchen Neuigkeit vermittelt sich in „Die abhandene Welt“ leider nicht, auch die Figur der Mutter bleibt eine enttäuschende Leerstelle. Lieber wird hier in langen, leicht eitel wirkenden Gesangsnummern von Riemann und Sukowa geschwelgt. Gelungen sind – bezeichnenderweise – nur die Auftritte zweier Legenden aus Opas Kino: Gunnar Möller als Onkel mit Geheimnis und Karin Dor als demente Adoptivmutter.

 

 

 



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