KRITIK

Abendland

Plakat zum Film AbendlandFür sein letztes Werk, die sehenswerte Dokumentation über die Nahrungskette, „Unser täglich Brot“ (2005), erhielt Nikolaus Geyrhalter den Grimme-Preis. Seinem strengen Stil bleibt er auch im neuen Film treu, der sich mit dem aktuellen Zustand Europas befasst: Kommentarlos, in sorgsam komponierten Bildern, zeigt Geyr­halter Szenen, Vorgänge, Prozesse. Von den Rändern geht es ins dunkle Herz des Okzidents, gefilmt hat er zudem nur nachts: ein Abendland. Was man zu sehen bekommt, tut weh, von der Schweizer Abschiebungsexpertin und slowakischen Grenzwächtern über schmierige Pornodrehs zu stumpfen Volksfest-Exzessen.

Ein Kontinent zeigt sich da, der sich radikal abschottet gegen das Äußere, gegen die kaum nennenswerte Bedrohung und sich im Inneren in seriellen Routinen erschöpft. Szene aus dem Film AbendlandNatürlich ist Geyrhalters Vorgehen manipulativ, pessimistisch. Nicht immer muss man ihm folgen in seiner nachtfinsteren Weltsicht. Aber als Einblick in sonst unbeachtete Arbeits- und Lebenswelten auf diesem unseren krisengepeinigten Erdteil ist seine Doku geradezu einzigartig. Eine aufregende Diskussionsvorlage. Politisch, poetisch, sehenswert.

  

 



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