Selten noch hat man einen Film derart in zwei Hälften zerfallen sehen, und das offenbar absichtsvoll. Eine Geschichte von Licht und Schatten in doppelter Hinsicht also, die Regisseur Joe Wright (“Stolz und Vorurteil”) hier nach einem Roman des britischen Erfolgsautors Ian McEwan erzählt.
Dabei ist schon die Ouvertüre furios: eine schwunghaft orchestrierte Mischung aus Schreibmaschinen-Anschlag und Streicher-Musik, die einem die Macht des Wortes einhämmert.
Der erste Teil spielt im Jahr 1935 auf einem englischen Landsitz und erzählt die Geschichte eines Verrats mit Folgen. Die 13-jährige Briony, ein frühreifes Mädchen mit offenbar staunenswertem literarischem Talent, beobachtet ihre ältere Schwester Cecilia (Keira Knightley) in zwei durchaus nicht eindeutigen Situationen mit Robbie (James McAvoy), dem Sohn des schon lange abwesenden Verwalters – und zieht aus beiden Begegnungen fatale Schlüsse. Als dann ein Verbrechen geschieht, beschuldigt Briony Robbie der Tat, der prompt verhaftet und verurteilt wird. Cecilia soll ihren Geliebten so bald nicht wiedersehen.
Welche Verheerungen die Eifersucht eines Kindes anzurichten vermag, davon erzählt Wright mit atemraubendem Kompositionswillen und glühender Lust am Spiel mit Perspektivwechseln, Kriminalmotiven und romantischer Pose. Wie nebenbei skizziert er das Sittengemälde einer gefühlsstrengen Stände-Gesellschaft, in der die Bediensteten letztlich doch immer zur Existenz zweiter Klasse verdammt sind – mindestens so souverän wie sein amerikanischer Kollege Robert Altman in “Gosford Park.”
Dann ein Zeitsprung. Vier Jahre später, 1939 also, ist Robbie in die Armee eingetreten, um aus der Haft entlassen zu werden. Cecilia, die den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat, verdingt sich als Krankenschwester. Ebenso wie Briony, die längst das Ausmaß ihrer Schuld erkannt hat und Buße tun will.
Doch Wright lässt nun die Klarheit seines Stils vermissen, entwirft schwülstige Dünkirchener Schlachtengemälde, verwischt die Erzählperspektiven. Darüber tröstet auch die Schluss-Volte nicht, die berührend nach der Heilkraft der Kunst fragt.





Joe Wright zeigt in der Verfilmung von Ian McEwans Roman die ganze Bandbreite tiefer menschlicher Gefühle von Liebe, Eifersucht und Buße auf. Dabei gelingt es vor allem James McAvoy die Romanfiguren so darzustellen, dass man mitfühlen kann, dieser Film aber nicht ins Kitschige abrutscht.