KRITIK

A Serious Man

A Serious Man Seit knapp dreißig Jahren zeichnen die Brüder Joel und Ethan Coen auf der Leinwand das Leben in all seinen grausamen und grotesken Facetten. In vielen sehr unterschiedlichen Filmen. Aber ihre Werke sind keine Schule der Traurigkeit, sondern ein ganz eigener, manchmal harmloser, noch öfter bösartiger Spaß. Einige Filmfans (und Kritiker) kritisieren diese Bösartigkeit, auch weil sich die Coens damit oft auf einem sehr schmalen Grat bewegen und manchmal sogar, wenn auch für eine sehr kurze Zeit, ihre Figuren der Lächerlichkeit preisgeben. Zitat aus dem Presseheft: (Ethan Coen): „Der Spaß an dieser Geschichte bestand für uns darin, neue Wege zu finden, um Larry zu foltern.“ Ja so sind sie, die Coens. Aufgewachsen im Mittleren Westen der USA, genau wie ihre Hauptfigur im aktuellen Film, liegt hier eine ganz besondere Verbundenheit mit den Protagonisten nahe. Beide Coen-Brüder sind etwa Mitte 50, ihre `wilde Zeit` lag in den 60ern. A Serious Man erzählt die Geschichte eines Professors im Sommer 1967. Es ist ohne Zweifel ihr persönlichster Film.

Auf den ersten Blick erzählen die jüdischen Filmemacher von sich selbst, von ihrer Kindheit und ihrer Jugend im mittleren Westen. Der Sohn der Hauptfigur, Danny (Aaron Wolff), der sich vom Hebräischlehrer beim Musikhören erwischen lässt, und mit dem der Film nach einem beeindruckenden Prolog beginnt, könnte ihrer beider Spiegelbild sein. Aber die Coens sind nicht eitel, gedreht wurde ohne die übliche Superstar-Besetzung.

Hier erzählen sie aber nicht nur ihre sondern auch eine biblische Geschichte. Es ist die Geschichte von einem amerikanischen Hiob, der über Nacht zum Opfer wird, völlig grundlos, einfach so, ohne zu wissen, warum. Plötzlich gerät sein Leben zum Albtraum, und die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel. Warum, fragt Larry (verkörpert vom unbekannten Theaterschauspieler Michael Stuhlbarg), bin ich schuldig, obwohl ich doch gar nichts getan habe? Larry Gopnik geschieht in diesem Film alles Schlechte, was einem Menschen geschehen kann. Das geht an die Substanz. Man möchte ein ums andere Mal die Hauptfigur regelrecht schütteln.

Doch durch die virtuose Ambivalenz, die in keiner Szene beliebig wirkt, wird nicht nur ein ironischer Kommentar zu den Bindekräften des jüdischen Milieus, in dem der Film spielt, gebildet, sie trägt auch die beiden Halt stiftenden Traditionen, die Familie und die Religion wie eine blank polierte Menora vor sich her und leuchtet hell am Ende des dunklen Weges. Auch wenn einige Fragen am Ende offen bleiben. A Serious Man ist wieder einmal ein faszinierender Film von Joel und Ethan Coen.



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INHALT

Mittlerer Westen der USA in den 60ern. Es ist nicht das Jahr von Larry Gopnik, der als Physikprofessor an einer Uni ein einfaches Leben führt. Seine Frau verlässt ihn, sein psychisch labiler Bruder Arthur lebt auf seiner Couch und wird mehr und mehr zum Problem, Sohn Danny schwänzt die Schule und hört nicht auf den Vater. Und zu allem Überfluss bestiehlt ihn seine Tochter, um eine Nasenkorrektur finanzieren zu können und in der Universität will es auch nicht so recht klappen mit der Festanstellung. Anonym wird er bedroht und ein Student will ihn bestechen. Larry sucht Hilfe bei drei Rabbis. Wird einer helfen können?
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Eure Kritiken zu A Serious Man

  1. Manni

    Auch dieser Film wieder ein hervoragender Film der Coen Brüder. Habt ihr alles verstanden? Die Eingangszequenz auch?

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