Gleich vorweg: A.I. ist ein Film, der polarisiert. Das verstorbene Filmgenie Stanley Kubrick war besessen von A.I. und dem Ausblick intelligenter Maschinen. Er kaufte in den frühen 80ern eine Geschichte, die im Harper´s Bazaar erschienen war und die der renommierte Science-Fiction-Autor Brian Aldiss im Jahr 1969 verfasst hatte. Der Name: „Super-Toys last all summer“. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Geschichte auf eine 20 Jahre andauernde Odyssee geschickt, da Kubrick die Filmtechnik für zu wenig entwickelt hielt, um die Geschichte adäquat umsetzen zu können. In dieser Zeit entstand auch Kubricks Freundschaft zu Steven Spielberg, der mit „E.T. – Der Außerirdische“ und nicht zuletzt mit „Jurassic Park“ große Erfolge feiern konnte. Kubrick unterrichtete Spielberg von dem Vorhaben A.I. umsetzen zu wollen. Einige Jahre später bot er seinem Freund die Geschichte an, da er meinte, sie würde eher der Gemütslage eines Steven Spielberg entsprechen, aber insgeheim wusste, dass eine Begrenzung einer Kubrick´schen Drehzeit (in der Regel zwischen 1 und 2 Jahren) für diese Geschichte zwecks Alterung des Hauptdarsteller für ihn nicht akzeptabel waren.
Steven Spielberg nahm sich der mehreren hundert Storyboard-Zeichnungen an, die der Konzeptkünstler Chris Baker für Kubrick angefertigt hatte. Auf diesen baute er sein Drehbuch auf, für das er nach dem Tod Kubricks im April 1999 und nicht zuletzt durch Ehefrau Christiane Kubrick freie Hand erhielt. So ist aus „A.I.“ ein Stanley Kubrick Film im Gewand eines publikumsliebenden Steven Spielberg Looks entstanden. Eine Kombination, die gleichermaßen abstoßend wie anziehend sein kann. Im Zentrum liegt eindeutig ein gewöhnungsbedürftig ungewöhnlicher Romantizismus, den beide Regisseure beherrschen und der hier fast bis auf die Spitze getrieben wird. Momente, die unter die Haut gehen, gibt es zuhauf. David wird stets in warmes Licht getaucht und ist in Großaufnahme zu sehen: Er wird von der Kamera „vermenschlicht“, der Zuschauer geht eine Bindung mit ihm ein. Jungstar Haley Joel Osment verkörpert hier perfekt den Roboterjungen David, der sich auf die Suche nach Erlösung durch Menschwerdung begibt. Erinnerungen an „E.T.“ werden geweckt.
Dann gibt es aber auch die Kubrick-Einflüsse. Das düstere Flash Fair beispielsweise, perfekt ausgestattet und optisch ausgeleuchtet. Hier werden schrottreife Roboter zerstückelt wie in einer Gladiatorenarena. Oder das Sündenbabel Rouge City, einer Vergnügungsmeile, ähnlich der in Ridley Scotts „Blade Runner“. Dieser Film muss beide Regisseure maßgeblich dazu inspiriert haben, der Geschichte eine Orientierung zu geben, in dem durch die Menschwerdung des Roboterkindes die Suche nur beim Schöpfer enden kann. David wird auf seiner Odyssee ein „Buddy“ zur Seite gestellt, der von Jude Law gekonnt verkörpert wird. Ein Subplot wird hier hinzugefügt, der einen neuen Austausch von Emotionen der Mechas untereinander möglich macht. So potenziert sich der Wille Davids ein Mensch werden zu wollen im Spiegel des Buddys Gigolo Joe. Das Ende löst zweifelsfrei zwiespältige Gefühle aus: Doch kennt man sich ein wenig bei Stanley Kubricks Filmen aus, wird auch hier die formale Logik deutlich: Der Anfang wird wieder aufgenommen. David ist aus dem Koma erwacht. Das Mutter-Sohn-Verhältnis ist umgedreht worden. David weiß alles und hält seine Mutter fest. Ein innerer Abschluss ohne Beseitigung einer Offenheit. Beide Regisseure steuern das Projekt A.I. in einen sicheren Hafen der Ungewissheit. Beide mit ihren so erfolgsversprechenden Mitteln. Ein Film, der reichlich Diskussionsstoff bietet und sich nahtlos einreiht in die Reihe der Science-Fiction Meisterwerke a la Tarkowskys „Solaris“ (1972), Scotts „Blade Runner“ (1982) oder eben Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1969).





Betörend, subversiv und mehr als nur Unterhaltungs-Fassade…. ist diese Zusammenarbeit von Kubrick/Spielberg allemal.
Polarisierend, da geb ich Euch recht, aber für mich irgendwie auch verdammt aufrüttelnd. Ein guter, trotz einiger logischer Fehler unter die Haut gehender Film.