KRITIK

8 Frauen

8 Frauen Als bester französischer Film der letzten zehn Jahre wurde „8 Frauen“ (8 femmes) schon gefeiert und wirklich, François Ozons furios unterhaltendes Bühnenstück ist ein Film der Sonderklasse. Der Verdacht liegt allerdings nahe, diese Beurteilung hänge einerseits mit der geballten Starbesetzung wie der äußerst seltenen absoluten Frauen-Dominanz in einem Film zusammen, andererseits mit der anhaltenden Schaffens-Krise des französischen Unterhaltungskinos. Und was das Ereignis „Frauenfilm“ angeht, steht „8 Frauen“ so singulär nun auch nicht da, erinnert sei an Fellinis Hommage an das Weibliche in „La Citta delle Donne“ (1979) und insbesondere an den in Machart wie Thematik vergleichbaren Film „The Women“ (1939) von George Cukor.

Mit letzteren hat Ozons Film – neben aller Satire und komödiantisch-burlesken Figuren – insbesondere die bühnenähnliche Inszenierung gemeinsam: Zu Beginn fährt die Kamera über Requisitenvordergrund und grob gemalte Horizontlandschaft auf die Villenfront zu, vor deren hohen Fenstern ein Reh im Schnee nach Nahrung sucht. Im Inneren spielt jede Szene in nur einem Raum, dabei wird offengelassen, ob dieser tatsächlich ein Raum ist oder nur eine aus zwei bis drei Wänden gebildete Minibühne. Die Frauen müssen nicht durch die Szene laufen, jeder Raumwechsel ist hier ein Schnitt. Die Protagonistinnen treten auf und treten ab, verkörpern ihre Rolle glänzend; die einen der Krimikomödie näher, hysterisch laut (Isabelle Huppert als Augustine), die anderen der Geschichte hinter der Komödie näher, ernst und ohne Anzüglichkeit (Firmine Richard); und wieder andere spielen wie sie auch in anderen Filmen sich selbst spielen (Fanny Ardant und Catherine Deneuve).

Um dem ganzen Filmtheater die Krone aufzusetzen, läßt der gerade mal 34-jährige Ozon in bester Franzosenmanier jede seiner Frauen tanzen und dazu ein Chanson singen (umwerfend die Deneuve, die offenbar noch nie so aufreizend charmant die Hüften bewegt hat!). Die Spannung des Films wird einerseits erzeugt durch das schon vielfach verfilmte Rätselraten, wer denn der Mörder/die Mörderin sei und welches der immer zahlreicher aufscheinenden Motive das überzeugendste ist. Darüber hinaus ist der Film – neben aller überzeichneter, ja hysterischer und absurder Komik – auch eine Art von Erkundungsreise ins eigene Ich mit teilweise erschreckendem Resultat. So bekommen wir hier eine klassische Tragikkomödie vorgesetzt, in welcher jede der Frauen ihr Lebens- und vor allem Liebesschicksal erkennt. Die Quintessens – im letzten Chanson von der Großmutter (Danielle Darrieux) mit brüchiger Stimme vorgetragen und alle Chansons davor zusammenfassend – ist die: Es gibt keine glückliche Liebe; wovon auch der tote Mann ein Chanson singen könnte, hätte man ihn gelassen.

Zu dieser Erkenntnis geschimpft, gekratzt, getreten und verhöhnt, formiert sich das Ensemble am Ende zu einem letzten kleinen Tanz, reiht sich am Bühnenrand auf, fasst sich an den Händen, der Vorhang fällt. Applaus!

  



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INHALT

Eine herrschaftliche Villa irgendwo im Frankreich der 50er Jahre; Winter ist es. Sieben Frauen sind anwesend, ein Mann; der ist Vater, Liebhaber, Ehemann, Hausherr, Schwiegersohn, Schwager, Verführer und Verführter. Und wenige Minuten nach der Exposition ist er ein toter Mann. Mit einem Messer zwischen den Schulterblättern und tintenbraunen Blutflecken auf dem Pyjama.

Die sieben Frauen, zu denen sich bald eine achte gesellt, sind – vom plötzlichen Schneefall von der Außenwelt abgetrennt – in der Suche nach dem Mörder auf sich selbst gestellt. Und weil schnell klar ist, dass der Mörder eine von ihnen sein muss, beginnt sich das Rad der Verdächtigungen und Anschuldigungen schneller und schneller zu drehen. Die damit erzeugte Fliehkraft reisst neuere und schließlich auch ganz alte Geschichten vorwärts in die Gegenwart, Eifersucht, Intrigen, Heuchelei und sogar Mord sind die Themen, die nicht selten zu Handgreiflichkeiten provozieren, zu Tränen sowieso.

Am Ende wird alles aufgeklärt, doch der Täter ist nicht eine, sind nicht alle, und sind es – das Paradox ist keines – doch alle zusammen.
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Eure Kritiken zu 8 Frauen

  1. Lolita

    einfach spitze!endlich mal wieder ein film, der durch hervorragende schauspielerische leistung besticht. jede der acht frauen glaenzt in ihrer rolle und zeigt franzoesische filmkunst. tolle musik und super story – nicht verpassen.

  2. Angelina

    schon nettNachdem alle so von dem Film geschwärmt haben, war ich natürlich mächtig gespannt. Eigentlich ist der Film auch wirklich sehenswert, aber das Ende hat mich enttäuscht. Außerdem habe ich ein paar Dinge einfach nicht verstanden. Aber ich bin natürlich total begeistert von den 8 erlesenen Schauspielerinnen, die absolut phantastisch agieren.

  3. King

    SchadeEigentlich finde ich allein die Besetzung schon toll, aber das Ende hat mich total gestört. Außerdem waren die Gesangseinlagen echt überflüssig. Allein die 8 Damen und ihr Schauspiel machen den Film trotzdem interessant!

  4. Colonia

    8 Furien, 8 SongsHerrlich schräge französische Agtha-Christie-in-Knallbunt-Version. Ob es eine gute Idee war die weibliche Elite der französischen Schauspielkunst nun ausgerechnet von der – vermeintlichen – Elite der deutschen synchronisieren zu lassen, sei mal dahingestellt. Teils funktionierts sehr gut, teils weniger.

     

    Beim bewussten Spielen mit 1000 Klischees werden alle Möglichkeiten genutzt, die Beziehungen der acht Frauen untereinander und zum Mordopfer aufzudröseln. Die Geschichte bietet nichts wirklich Neues, macht aber ungeheuren Spaß.

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