KRITIK

600 Kilo pures Gold

600 Kilo pures Gold Poster 1„Das ist der Rettungshubschrauber…“ „Nein…hat uns verpfiffen…“ – Das „Abenteuer-„, „(Polit)Thriller-Drama“ bzw. „Survival Of The Fittest“-Genre hat seit geraumer Zeit eine florierende Tradition und begeistert seit denkbarer Zeit die Filmfans weltweit. Und auch Regisseur Éric Besnards Film, „600 Kilo pures Gold“, darf sich seit 2010 zur illustren Riege an Genre-Beiträgen wie beispielsweise „Blood Diamond“ von Edward Zwick, „The Grey“ von Joe Carnahan oder „Und dann der Regen“ von Regisseurin Icíar Bollaíns  dazu zählen. Wobei vielleicht nur noch die Frage offen bleibt, wie sich die französische Konkurrenz im Vergleich zur amerikanischen schlägt? Interessant in dieser Hinsicht ist auch die Tatsache, dass Éric Besnard durch seine bisherige Beteiligung an Filmen wie Babylon A.D eher wenig Filmerfahrung vorzuweisen hat.  Und genau dieses Defizit macht sich in „600 Kilo pures Gold“ bereits nach der Hälfte der 100 kurzen Minuten bemerkbar.

600 Kilo pures Gold Poster 2Trotz des knallharten Realismus bzw. eines hohen Grades an Authentizität und eines unübersehbar technischen Talents (Atmosphäre, direkt wirkende Bildern) verliert Éric Besnards Film in qualitativer Hinsicht den Vergleich mit herausragenden Werken wie denen von Edward Zwick („Blood Diamond“) oder Regisseurin Icíar Bollaíns („Und dann der Regen“). Denn zum einen fällt der politische Subtext, der vielen (nachgestellten) globalen Konfliktherden in diversen Genrebeiträgen  zwecks der beständigen, moralischen Auseinandersetzung für den Betrachter immanent ist (man erinnere sich beispielsweise an die „Blutdiamanten“ und deren komplexe, existenzielle Bedeutung für verschiedene Kulturkreise) in „600 Kilo pures Gold“ fast komplett unter den Tisch (die Bedeutung des Gold als Konfliktstoff findet erst fast gar keine richtige Behandlung, wird nur zu Beginn etwas oberflächlich thematisiert) und muß nach einem nicht immer überschaubaren Einstieg in den Film zu Gunsten einer oberflächlichen Survival-Dramaturgie bzw. formelhaften Erzählung mit entsprechendem, vorauszusehendem Ende weichen. Das wäre entsprechend zu verkraften, würde die komplette Erzählung entsprechend ideenreich, dynamisch, ausreichend actionreich als auch mit einen höherem Spannungsbogen versehen bzw. aufgewertet worden.

Denn zum anderen zieht sich Besnards Film nach einer schon zu Beginn klassisch anmutenden Auseinandersetzung mit ein wenig Action, wenn die Fronten zwischen Schwarz und Weiß (Gut und Böse) zwecks des weiteren Verlaufs geklärt werden, leider relativ dröge dahin. Die relativ überschaubaren Drehbuch-Ideen werden in 100 Minuten Laufzeit recht zügig ausgewalzt, bis irgendwann das komplette Pulver des Plots verschossen ist und sich die pure Langeweile (unterbrochen vom Versuch, packende Momente durch ein paar an der Hand abzählbare, unvohersehbare Ereignisse zu schaffen) während der Flucht der Protagonisten und fortwährenden Gesprächen an nächtlichen Lagerfeuern breit macht. Etwaige gruppendynamische Prozesse und entsprechende Konflikte bleiben überschaubar und besitzen für die Handlung nur eindimensional-funktionalen Charakter, um diese zum entsprechenden Abschluss zu bringen. Dagegen vermögen auch die solide agierenden, aber keinerlei Akzente setzenden Darsteller wie Clovis Cornillac nichts auszurichten, welche auf Grund des simplen Scrips keine richtige Entwicklung als Charaktere in den definierten Rollen erfahren und irgenwann in der Behäbigkeit der Inszenierung nebst dem ödem, an zweitklassige Hollywood-Filme erinnerndem Finale mitsamt langweilig bzw. unemotional gespielter Aufopferungsmasche (begleitet von einem leicht pathetischem Score) regelrecht versinken.

600 Kilo pures Gold Poster 4Éric Besnards „600 Kilo Gold“ erweist sich trotz einer spannenden Ausgangsidee als einer der schlechteren Genrebeiträge. Denn letztlich hat man vieles, in diesem vorliegendem Film durchexerzierte schon deutlich besser inszeniert gesetzt gesehen. Lediglich die handwerkliche Qualität und ein paar überzeugende (Action-) Momente im Film wie die letzte, blutige Auseinandersetzung im Angesicht des folgenden, unausweichlichen Schicksals der Protagonisten bewahren den Film vor einem vernichtenden Urteil.

 



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