KRITIK

4. Revolution – Energy Autonomy, Die

4 Agitprop-Kino oder die wichtigste Dokumentation seit „Super Size Me“? Vier Jahre Vorbereitungszeit, 150 Unterstützer, 1,25 Millionen Euro Spendengelder. Dazu zahlreiche Infostände zu den Premieren im Kino und anschließende Diskussionen zum hochaktuellen Thema im Anschluss an die Vorführungen. Wenn ein mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer derart viel in ein Projekt investiert und so viele Unterstützer findet, ist dies mehr als eine Herzensangelegenheit. Doch wo hört AgitProp-Kino auf und wo fängt kritische Berichterstattung an? Diese Grenze verwischt auch bei Carl A. Fechner, wie in so vielen aktuellen Dokumentationen, die zu gleichen Teilen fundiert recherchierte Missstände, beeindruckende Bilder und spannende Unterhaltung mit – im besten Falle – einem Erweckungserlebnis für die Zuschauer liefern wollen.

„Die 4. Revolution“ ist die Verfilmung eines Sachbuches des SPD-Politikers Hermann Scheer, der zugleich vor und hinter der Kamera als Hauptprotagonist mit zahlreichen Fakten zum Thema „Erneuerbare Energien“ auftritt. Der Filmemacher Carl A Fechner begleitete den engagierten Kämpfer für eine bessere Welt zu zahlreichen Vorträgen und interviewte ihn auf der Fahrt zu seinen Meetings. Neben Scheer agieren zudem der junge Unternehmer (und Hauptunterstützer des Films) Matthias Willenbacher, der Banker und Nobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesh, der inzwischen auch die Entwicklung der Solartechnologie in seinem Land vorantreibt und Preben Maegaard, der mit dem „Nordic Folk Center“ im Nordwesten Dänemarks eine Art Musterland für dezentrale Energieversorgung gegründet hat, vor der Kamera.

Folglich sind die Schauplätze des Films weit über den Globus gestreut. Und auch ein als dramaturgischer Gegenspieler eingesetzter Vertreter der Internationalen Energieagentur (IEA) darf nicht fehlen.Chef-Volkswirt Fatih Birol erklärt, dass fossile Brennstoffe und Atomenergie auf unabsehbare Zeit unverzichtbar seien. Filmisch setzt Fechner auf große Bilder, lange, ruhige Einstellungen, Totale und Halbtotale inklusive imposanten Helikopter-Flügen über das nächtliche Los Angeles, tropische Regenwälder, Windradanlagen oder große Areale mit Sonnenkollektoren im Sonnenuntergang.

Was Fechners Öko-Doku von anderen Filmen wie Al Gores Oscar-prämierte Lehrstunde „Eine unbequeme Wahrheit“ oder auch Franny Armstrongs privat finanziertes apokalyptisches Drama „Age of Stupid“ unterscheidet, ist, dass „Die 4. Revolution“ der erste Film ist, der auf die Bedrohung durch den Klimawandel einige umsetzbare Lösungsansätze gleich mitliefert. Da sind die offenen Fragen wie beispielsweise die nach der Finanzierung der Umrüstung, dem Rezept zur erfolgreichen Bekämpfung der Energie-Lobby oder der erfolgreichen Überredung der atomstromfreundlichen Nachbarn schnell vergessen. Jetzt muss gehandelt werden! Dieser Auffassung waren auch die im Anschluss an die Vorführung in Münster vier anwesenden Lokalpolitiker, die natürlich „alles dafür tun werden, damit die Region so schnell wie möglich Energie-autonom wird“. Nur auf eine Jahreszahl wollte sich niemand festlegen. „Wir tun, was wir können“. Carl A. Fechner hat als Filmemacher hier ein erstes Zeichen gesetzt. Das ist aller Ehren wert.



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INHALT

Eine Welt-Gemeinschaft, deren Energievorsorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gespeist ist – für jeden erreichbar, bezahlbar und sauber. Nur eine Vision? Technologien und Potenziale sind weltweit vorhanden. Wir müssen es nur tun!

Wie – das zeigt Carl Fechners Film anhand hoffnungsvoller Beispiele aus elf Ländern: Der Umbau des älteren Mietshauses zum Super-Energiespargebäude schafft Arbeitsplätze und glückliche Mieter. Alternative Energiekonzepte revolutionieren die Autoindustrie und lassen Flugzeuge fliegen. Die Sonne sichert Familien in Mali und Bangladesh die Existenz. High-Tech-Solaranlagen versorgen ganz Los Angeles.

Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer Carl-A. Fechner und sein Team begleiteten engagierte Prominente, sprechen mit Top-Managern, afrikanischen Müttern und ambitionierten Aktivisten. Am Ende des hochaktuellen Films kann für alle ein neuer Anfang stehen: Die 4. Revolution – Energy Autonomy! Freie Energie für alle!
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