KRITIK

28 Weeks Later

28 Weeks Later Vier Jahre nachdem Danny Boyle mit `28 Days later` erfolgreich den Splatter-Film reanimiert und einem Massenpublikum zugänglich gemacht hat, kommt nun die Fortsetzung in die deutschen Kinos. Und obwohl Sequels von Horrorfilmen ein schlechter Ruf voraus eilt, ist der erfolgreiche Regisseur des Erstlings hier zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Alex Garland als Produzent auch mit an Board. Boyle hätte sicherlich auf eine Fortsetzung der Horrorgeschichte verzichtet, wenn ihm nicht das Drehbuch des spanischen Teams um Jung-Talent Juan Carlos Fresnadillo in die Hände gefallen wäre. Dieses wirkt vordergründig zwar etwas konventionell, zwischen den Zeilen jedoch hält es kleine, intelligente Reflexionen unserer heutigen Gesellschaft bereit.

London, 28 Wochen nach Ausbruch des tödlichen Rage-Virus: Nachdem das US-Militär unter NATO-Mandat die Kontrolle übernommen hat, ist das Virus ausgerottet, die letzten befallenen Ex-Menschen sind verhungert. Die ersten Flugzeuge bringen wieder Bewohner nach London. Darunter sind auch die beiden Kinder eines Familienvaters (Robert Carlyle), der einst den mutierten `Infizierten` in einer waghalsigen Flucht entkommen war. Durch die kindliche Neugierde der beiden, schafft es eine `Infizierte`, die den Flammen der Armee entkommen war, in die gesperrte Zone durchzudringen. Daraufhin verbreitet sich das Virus erneut.

Die kühle und gleichsam faszinierend tempohafte Inszenierung von Fresnadillo, der 1996 mit seinem Kurzfilm „Esposados“ einen Oscar gewann, sorgt dafür, dass die Fortsetzung von Boyles Überraschungserfolg `28 Days later` gelingt. Fresnadillos` Erfahrungen als Kurzfilmer geben dem Film einen ganz eigenen Stil. Wie ein schnelles Stakkato ziehen die nicht immer magenfreundlichen Szenen am Auge des Betrachters vorbei. Und die guten Leistungen der Darsteller sorgen für den nötigen Schuss Faszination und `Mitgefühl`. Viele Szenen, nicht zuletzt die Helikopter-Szene, werden sich in das Gedächtnis der Zuschauer und Zuschauerinnen brennen. Zusammen mit den Tötungsszenarien der wild um sich schießenden GIs, eine Szene, die auch an anderen Orten dieser Welt so stattfindenkönnte, ist dem spanischen Team um Fresnadillo eine der besten Fortsetzungen des Jahres gelungen.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Sechs Monate oder 28 Wochen sind vergangen, seitdem der Wut-Virus Besitz von Großbritannien ergriffen hat. Der US-Armee ist es gelungen, den Virus zu stoppen, die Ordnung in London wieder herzustellen und die Bewohner in die ausgestorbene Stadt zurückzulassen. Doch unter den Heimkehrern befindet sich ein Einzelner, der den Virus noch in sich trägt und erneut ausbrütet. Als der Virus ausbricht, ist er noch gefährlicher als zuvor. Die Folgen sind verheerend.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu 28 Weeks Later

  1. Ralf

    Ein Wahnsinnsfilm! Ich hatte Angst, dass ein junger spanischer Nachwuchsregisseur diese Fortsetzung versemmeln würde. Doch sein eigener Stil mit den schnellen Schnitten und der klasse Familienstory fesseln von der ersten bis zur letzten Minute. Klasse!

  2. Udo

    Herauisragend! Was fuer eine Fortsetzung! Die verwackelte Handkamera, die schnellen Schnitte, was fuer ein Tempo – klasse! Dazu die ergreifende Familiengeschichte. Ein klasse Film- Vom jungen Spanier Fresnadillo wird man sicherlich noch einiges hören. Aber zunächst den Film ansehen.

  3. Dietmar

    Nur eine Fortsetzung? Nicht ganz. Das große Plus dieser Fortsetzung ist sicherlich deren hervorragende Inszenierung. Hochglanz par Excellence, sauberer Schnitt und stilistisch immer noch äusserst nahe dem Original (inkl. Parkinson-Kamera). Der optische Oberhammer für mich waren die Napalm-Szenen. Und John Murphys sphärischer Score ist selbstvertürlich wieder über jeden Zweifel erhaben.

  4. mcRip

    Heiterkeit und Glückseligkeit sucht man hier vergebens – Wut ist hier Programm, und darin liegt auch die Stärke des Films: Die shaky Handkamera ist sicherlich nicht jedermanns Sache, fügt sich allerdings stilvoll der chaotisch destruktiven Power des ausweglos erscheinenden Endzeitszenarios mit atmosphärisch packendem Soundtrack. Das bessere DAWN OF THE DEAD-Remake hätte dieser Film hier sicherlich werden können… Die prächtigen Luftaufnahmen der Massengruft London und all ihrer brachliegenden High-tech-Habseligkeiten sind die absolute Steilvorlage für gescheiterten westlich-orientierten Status Quo, jedoch vermag der Film auch nicht nur ansatzweise das hohe qualitative Maß an feinfühliger Gesellschaftskritik zu vermitteln, wie es der wahrscheinlich herausragendste Indie-Film-Punk der USA in seine Originalen zu beherrschen vermag ! Wie auch in Romeros „Mutter“-aller-„Virus-infiziert-Mensch“-Verfilmungen „CRAZIES“ ist man des Rätsels Lösung sehr nahe, jedoch blockieren auch hier mangelnde Kooperation und law-and-order-Prinzipien jegliches Vernunftsdenken. So weit, so gut. Leider erliegt die Geschichte im letzten Drittel den allzu offensichtlichen Logik-Fehlern und versucht uns logisch-fälschlicherweise immer wieder da zu packen, wo es uns am meisten weh tut: Bei der Familie. Und leider wird dieser Wiederholungsfehler auch noch von einem plakativen, offenen „Fortsetzungs“-Ende getoppt ! …schade…

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*