KRITIK

27 Missing Kisses

27 Missing Kisses Nana Djordjadze macht seit über 20 Jahren Filme und ist Mitglied in so manch berühmter Filmfestivaljury gewesen. Ihr Film „A Chef in Love“ (10.001 Rezepte eines verliebten Kochs) wurde sogar Oscarnominiert. Ihr langjährigem Mitarbeiter und Ehemann Irakli Kvirikadze schrieb das Drehbuch zu „Luna Papa“ und nun zu „27 Missing Kisses“. Ein überbordendes Maß an Metaphern und Phantasie war also zu erwarten. Ein Film des magischen Realismus und der Untertöne auf politische und gesellschaftliche Zustandsveränderungen a la Kusturica. Und tatsächlich: ein sinnlos Krieg spielender Leutnant, alte Stalinverehrer (der große Sohn Georgiens!), ein verrottetes Schiff auf dem Trockenen (Aralsee; Pubertät, Gesellschaft an und für sich). Die 14jährige Sybilla, der eine Schildkröte geschenkt wird, die 200 Jahre alt wird. Überhaupt ist jene Teenagerin eine Kunstfigur, die Sapho zitiert, gerne Othelia wäre, Puschkin nicht, wohl aber den literarisch unbeleckten Mickey verachtet.
<br<Wo jedoch z.B. Greenaway die Mehrdeutigkeit ins bewusst Artifizielle erhöht, bleibt Djordjadze auf einer fast folkloristischen Ebene, ohne die Unzahl der Bilder übergreifend zu verbinden. Sie schafft es zwar knapp, den Film nicht zu einer reinen Lolitageschichte werden zu lassen, aber bringt dabei auch keinen Film über das Erwachsenwerden oder die Post-Sowjet-Gesellschaft Georgiens zustande. Dazu kommen nicht wenige Plattheiten (z.B.): Pjotr mit dem großen Geschlechtsteil, der dieses auf Wunsch von Verona in ein Kugellager steckt, und mit Hilfe einer großen Stahlpresse davon befreit werden muss. Der Schuldirektor, der nach einer Emanuelle-Filmvorführung im fremden Bett der Französischlehrerin stirbt usw. Da hilft leider auch nicht mehr die Kamera von Phedon Papamichael (The Million Dollar Hotel). Rainer Bach



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INHALT

Sybilla ist vierzehn und schon sehr frühreif. Sie fährt in einem alten Sowjet-Bus zu ihrer Tante in eine georgische Kleinstadt. Auf dem Weg begegnet sie den Personen, die ihren Aufenthalt im Ort mitbestimmen werden: den von ihr begehrten 41-jährigen Alexander und seinen Sohn Mickey (in ihrem Alter), einem Leutnant, der einen Privatkrieg gegen die vermeintlichen und realen Liebhaber seiner unbefriedigten Frau Verona mit Mörserschüssen führt, Pjetor, ein Mann mit gewaltigem Geschlechtsteil... In diesem Sommerreigen voller Anspielungen und Phantastereien wird sich Sybilla mehr und weniger bekleidet zeigen, im Waschzuber Shakespeare-Sonette zitieren, "ihren" Alexander in anderen Frauen sehen, die Karl-Marx-Bände anzünden, auf denen er steht, um besser eindringen zu können, ihn in seiner Sternwarte besuchen und den ewigen Vollmond ansehen und dann doch mit dem französich sprechenden Kapitän (Pierre Richard) aufbrechen, der mit seinem Schiff durch die Stadt fährt bis er endlich das Wasser findet. Mickey wird vor lauter Liebe Durchfall bekommen, um die lockige Sybilla kämpfen und sie begleiten, zum Beispiel zur Vorführung von Emanuelle (Softporno!), der beide heimlich hinter der Leinwand beiwohnen.
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