KRITIK

2012

2012 Er hat es wieder getan. Und diesmal technisch nahezu vollkommen. Nachdem Roland Emmerich die gute alte Erde bereits einer Invasionsarmee von gnadenlosen Aliens auslieferte, einen mutierten, überdimensionierten Leguan auf die Bewohner New York-Citys losließ und in Zeiten, in denen alle über die Folgen der Erderwärmung heiß diskutieren, den Großteil der Welt in einer Übernacht-Eiszeit erstarren lies, wurde es Zeit für den totalen Overkill. Däniken-like greift Emmerich gerne auf archaische Quellen zurück, die eine Apokalypse prophezeien.
Diesmal ist es der zyklische Kalender der Mayas, der verheißungsvoll am 21.12.2012 endet. Wissenschaftlich gesehen sind dabei die „Facts“, die Emmerich in seinem neuesten Bombast-Feuerwerk aneinanderreiht derart hanebüchen, dass jeder, der auch nur über einen Funken naturwissenschaftliche Bildung verfügt, seine Lachsalven am liebsten mit ordentlich Hochprozentigem ertränken möchte.

Die Geschichte beginnt damit, dass auf der Sonne gewaltige Eruptionen vor sich gehen, die immense Neutrino-Emissionen produzieren. Neutrinos sind masselose Teilchen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen. Trotzdem benötigen diese Neutrinos mehrere Jahre bis zur Erde; das Licht hingegen nur etwa acht Minuten. Kaum angekommen, rasen die Neutrinos durch die Erdkruste und verwandeln sich plötzlich in Mikrowellen (Warum, wieso? Damit hält sich Emmerich nicht auf!), um in der Folge das Innere der Erde gewaltig aufzuheizen und sogar den Erdkern, der etwa 2000 Kilometer im Durchmesser misst und aus einem massiven Eisen-Nickel-Kristal besteht, zum Schmelzen zu bringen. Wer schon mal versucht hat, in einer Mikrowelle einen Metall-Löffel zu schmelzen, weiß, wie gut das funktioniert.

Infolge der rapide gestiegenen Temperatur im Erdinneren verflüssigt sich auch die Erdkruste, und die Kontinente beginnen im flüssigen Mantel abzusinken. Das Meer flutet in einen gigantischen Tsunami über das Land und fegt sinnflutartig alles weg. Damit die Menschheit aber nicht komplett untergeht, haben die Reichen und Mächtigen vorgesorgt und riesige Archen erbaut, die in der Lage sind, ein paar Hunderttausend Erdbewohner vor dem jüngsten Tag zu retten.

Sieht man von der Wissensschafts-Satire einmal ab, muss tatsächlich vor der Gigantomanie der Emmerischen´ Zerstörungsorgien der Hut gezogen werden. Es gelingt ihm tatsächlich immer wieder aufs Neue einen Weg zu finden, um die vorangegangenen Endzeitspektakel noch zu übertreffen. Dank immer weiter voranschreitender CGI-Möglichkeiten scheint dieser Entwicklung auch kein Ende setzbar. Beim nächsten Mal muss der Sindelfinger Regisseur aber Wohl oder Übel dem Blauen Planeten ganz den Garaus machen; vielleicht in die Luft sprengen oder ähnliches. Bei aller Kritik an der zugemuteten Show: Unterhaltsam ist Emmerich-Kino allemal und produziert immer wieder garantierte Kassenerfolge. Technisch gibt es an dem Film ohnehin nichts auszusetzen. Und sogar einen kleinen schauspielerischen Glanzpart gibt es zu bestaunen: Woody Harrelson als waldschratartiger Verschwörungs-Theoretiker und Endzeit-Prophet ist wirklich sehenswert.

Irritierender Weise braucht 2012 recht lange, bis das Spektakel richtig zündet. Bei einer Gesamtlänge von über zweieinhalb Stunden gelingt es aber, noch ein paar gesellschaftskritische Anspielungen unterzubringen: So sind die Archen, welche die Menschheit vor dem Aussterben bewahren sollen, natürlich nicht für jedermann gedacht. Es gibt weder genug für alle (anfänglich) Überlebenden, noch so etwas wie ein faires Auswahlverfahren, wie beispielsweise im Film „Deep Impact“. Zuallererst einmal haben sich die Privilegierten eine schöne Kabine mit Meeresblick gesichert. Hier gelingt ein schön-bissiger Blick auf die Menschheit, der im Nachhinein aber (typisch amerikanisch) wieder relativiert wird. Überhaupt gerät die Schluss-Sequenz des Effektfinales schlichtweg zu lang. Dabei wird es unfreiwillig komisch, da Assoziationen zum „Untergang der Poseidon“ und „Titanic“ nicht ausbleiben können. Und der pathetisch-schwülstige Score, der sich enervierend ins Hirn hämmert, macht das nicht gerade besser. Zumindest aber bleibt dem Zuschauer eine Celine-Dion-Soundtrackeinlage erspart.



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INHALT

Ein indischer Wissenschaftler macht eine schreckliche Entdeckung. Eine gewaltige Sonneneruption und eine seltene Sternenkonstellation werden auf der Erde zu Beben, Fluten und anderen Katastrophen führen, die alles Leben vernichten. Fieberhaft entwickelt die US-Regierung mit den führenden Nationen einen Plan, um ausgewählte Tierarten und ein paar Tausend Menschen zu retten. Curtis Jackson weiß, wie alle anderen, davon nichts und wird, wie alle anderen, ums Überleben kämpfen, wenn das größte Inferno in der Erdgeschichte ausbricht.
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Eure Kritiken zu 2012

  1. Sneaker

    Gesehen in einer Preview und für sehr gut befunden. Kopf aus, Spannung an, der Film rockt!

  2. Udo

    Man darf es sich eigentlich nicht eingestehen – bei diesem Plot – aber wer 2 1/2 Stunden spannendes und feinstes Unterhaltungskino will, abseits jeder Herbst-Depression, der sollte sich diesen Film ansehen.

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