KRITIK

17 Mädchen

Plakat zum Film 17 MädchenNach einer wahren Geschichte: In Gloucester, Massachusetts, hat es das vor Jahren tatsächlich gegeben, da schlossen sich 17 Mädchen um die 16 Jahre zu einem „Schwangerschaftspakt“ zusammen. Gemeinsam wollten sie Kinder kriegen, sich gegenseitig unterstützen in Erziehung und Alltag. Eine Art Guerilla-Taktik gegen die Provinz-Allianz aus Eltern und Lehrern, die immer nur Grenzen setzt. Kann das gutgehen? Die Regie-Schwestern Delphine und Muriel Coulin haben diese Geschichte in ihrem Debüt „17 Mädchen“ nun in ihre Heimatstadt verpflanzt: ins bretonische Lorient, einem Küstenstädtchen in strukturschwacher Region.

Nur drei der Mädchen besetzten sie mit tatsächlichen Schauspielerinnen: Camille, die Zentralfigur, wird beispielsweise ganz hervorragend von Louise Grinberg verkörpert, die schon im sehr sehenswerten Schuldrama „Die Klasse“ glänzte. 14 der 17 Mädchenrollen werden von Laiinnen gespielt. Das passt aber sehr gut, denn die Coulins haben kein ausgewogenes Psychogramm im Sinn. Außer Camille, die zuerst schwanger wird und dann die anderen für ihren Pakt gewinnt, entwickelt keines der Mädchen größeres Profil.

Szene aus dem Film 17 MädchenDer Film beobachtet lieber und schneidet bildstarke Impressionen aus einer teils trostlosen Provinzjugend gegen den stillen Fruchtbarkeitsprotest der Schülerinnen, die auf dem Jahrgangsfoto stolz die Bäuche ins Objektiv drehen und so lang wie nur möglich daran glauben wollen, dass ihr Pakt ein Zeichen setzt gegen das, was ihnen blühen müsste. Gegen Ende, wenn dann die Dramaturgie doch Zuspitzungen verlangt, rächt sich diese distanzierte Beobachterhaltung: Was einzelnen der Mädchen widerfährt, kann einem Publikum nicht nahegehen, das sie zuvor kaum richtig kennengelernt hat. Als Experiment jedoch, als formbewusste Studie einer adoleszenten Rebellion, weiß dieser Erstling zu imponieren.

  

 

 



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