KRITIK

16 Blocks

16 Blocks Bruce Willis wird immer mehr zum Experten für abgewrackte Cops: Nach „Sin City“ macht er konsequent da weiter, wo er Anfang der 1990er Jahre mit „Last Boy Scout“ schon einmal war. Und als Zeichen für seinen Status der Verkommenheit ließ er sich sogar einen räudigen Schnurrbart wachsen – das scheint jetzt Standard zu werden, siehe auch Pierce Brosnan in „Mord und Margaritas“. Willis spielt den Alkoholiker und Polizisten Jack Mosley, einen Gesetzeshüter, der wahrlich bessere Zeiten gesehen hat und von seinen Vorgesetzten zu einer Art besserem Laufburschen hinabgestuft wurde. Schnell wird er als Loser charakterisiert: In der Wohnung eines Verdächtigen holt er zuerst den Schnaps aus dem Schrank.

Auch einen kleinkriminellen Häftling zum Gerichtstermin zu eskortieren gehört nicht zu den Dingen, die ihm Freude bringen, schon gar nicht nach einer strapaziösen Nachtschicht. Aber weil sich der Gefangenentransport nur über die titelgebenden sechzehn Häuserblocks erstrecken soll, also über geschätzte fünfzehn Minuten Fahrzeit, willigt Mosley dann doch ein. Was er schnell bereut, denn der Delinquent ist ein harmloser, leicht simpel gestrickter Schwarzer namens Eddie Bunker, der die ganze Zeit wirre Anekdoten faselt, vor allem über die Bäckerei, die er in Seattle eröffnen will, um ein neues Leben zu beginnen.

Als Mosley seinen Wagen kurz stoppt, um in einem Geschäft neuen Fuselnachschub zu kaufen und vor allem auch, um Eddies Geschwätz für einen Moment zu entfliehen, kommt die Action-Ebene des Films ins Rollen. Killer wollen Eddie umbringen, was Mosley in letzter Sekunde verhindern kann (in einer meisterlich montierten Sequenz). Kurz darauf erfährt er auch, um wen es sich bei den Killern handelt – es sind selbst Polizisten, Mosleys Kollegen! Wenn Eddie nämlich planungsgemäß vor Gericht aussagt, dann auch gegen eine Handvoll korrupter Cops, denen dann der Prozess gemacht werden müsste. Deshalb will Mosleys Ex-Partner und jetziger Vorgesetzter Nugent (schön bös: David Morse aus „Dreamer“) mit seinen Schergen den Kleinganoven liquidieren, auch in Jack Mosleys Sinne, der ebenfalls in der Korruptionsgeschichte mit drinhängt. Jedermann kann sich ändern, faselte Eddie eben noch, und jetzt kommt Mosleys Stunde der inneren Umkehr. Er setzt sich zur Wehr und flieht, wodurch sich der tödliche Hass der bösen Cops auch auf ihn richtet.

In einer Reihe ziemlich sehenswerter Actionsequenzen in den Straßen und Gebäuden von New York sowie in einer an „Ausnahmezustand“ erinnernden Bus-Nummer zeigt sich im Folgenden das Regiegeschick des Actionveteranen Richard Donner, der einst die „Lethal Weapon“-Reihe schuf und zuletzt mit „Timeline“ baden ging. Hier ist er in seinem Element: Er schafft es einerseits, die übliche Buddy-Movie-Masche mit zwei ungleichen Helden zurechtzustricken. Dabei helfen ihm allerdings der glänzend müde aus der Wäsche blickende Bruce Willis und Rapper Mos Def („Per Anhalter durch die Galaxis“) als sympathisch-nervtötende Quasselstrippe. Zum anderen kriegt Donner das Actiondrama um Schuld, Vergebung und Erlösung einigermaßen unpathetisch über die Bühne – vom Schluss mal abgesehen. Das Genre erfindet er damit sicher nicht neu, aber er variiert die an Clint Eastwoods „The Gauntlet“ (1977) angelehnte Story clever und wirkungsmächtig. Die reportagehafte Kamera und die kompakten, aber klug verdichteten Actionszenen bleiben besonders im Gedächtnis. Nur die beinahe in Realzeit ablaufenden Minuten, die noch bis zur rettenden Gerichtsverhandlung bleiben, hätte man dramaturgisch wohl noch besser, sprich: spannungsfördernder nutzen können.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Der abgebrühte New Yorker Cop Jack Mosley soll den geschwätzigen Eddie Bunker 16 Blocks vom Polizeirevier zum Gericht begleiten, wo er als Zeuge in einem Prozess gegen korrupte Cops aussagen soll. Die setzen alles daran, die zwei auf zu halten und so beginnt eine wilde Jagd durch die Straßen New Yorks.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu 16 Blocks

  1. Schwarte

    so einen langweiligen schinken habe ich schon ewig nicht mehr gesehen, schade um bruce willis, obwohl seine schauspielerische leistung den streifen höherwertig macht, david morses darstellung ist auch ok, aber im grossen und ganzen, mangelhaft, schade!

  2. Klaus

    Bruce Willis at it´s best! Hier zeigt der Actiongeld der 80er und 90er was er drauf hat. Cooler Actionthriller.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*