KRITIK

11:14

11:14 Nicht wenige Filmemacher treibt die Sehnsucht um, ihren privilegierten Vogelperspektiven-Posten dazu zu nutzen, einen bestimmten Zeitpunkt aus so vielen Positionen wie möglich zu beleuchten. Der Debütregisseur Greg Marcks hat sich für 23:14 Uhr entschieden, für eine Nacht in Los Angeles und für fünf Handlungsstränge, die just in diesem Moment kulminieren.

Er erzählt von einem Autofahrer (Henry Thomas), der angetrunken auf dem Heimweg ist und dem unversehens eine Leiche auf die Kühlerhaube fällt. Von einer Teenagerin (Rachel Leigh Cook), die mit ihrem Freund auf dem Friedhof ein ungewollt morbides Stelldichein feiert. Von drei pubertierenden Jungs (Ben Foster, Colin Hanks und Stark Sands), denen auf nächtlicher Chaos-Tour ein Penis und fast der Verstand abhanden kommt. Von einer Tankstellen-Aushilfe (gespielt von der zweifachen „Oscar“-Preisträgerin Hilary Swank), die von ihrem besten Freund zu einem fingierten Überfall verführt werden soll. Und schließlich von einem besorgten Elternpaar (Patrick „Dirty Dancing“ Swayze und Barbara Hershey), dessen Tochter auf dem Friedhof in Schwierigkeiten gerät.

Chronologisch rückwärts schreitend führt Marcks diese scheinbar disparaten Episoden zusammen, wobei er jedoch, im Gegensatz zu zeitspielerisch verwandten Werken wie „Memento“ und „Irreversible“ seinen Sinn für schwarzen Humor erblühen lässt. Zwar wirkt manche Passage in der Rückschau, in voller Kenntnis aller Geschehnisse zur Schicksalszeit 23:14 Uhr, etwas überkonstruiert. Doch insgesamt ist das Buch durchaus intelligent und vernachlässigt über seine erkennbar originalitätsheischende Form nicht den Inhalt. Nicht alles fügt sich, nicht jeder Strang hält, was er verspricht. Aber die jungen Schauspieler, allen voran Hillary Swank, die den Film auch mit produziert hat, tragen den von hinten aufgezäumten Thriller mit ansteckender Lust am Makabren. Und wenn man diesem ambitionierten Independentwerk eines attestieren kann, dann, dass es ein schaurig-amüsantes Gefühl dafür vermittelt, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.



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INHALT

Vier völlig unterschiedliche Leben, vier völlig unterschiedliche Episoden - und ein Zeitpunkt: Um 23.14 Uhr, "eleven fourteen", überschneiden sich in diesem Film von Greg Marcks die Schicksale von mehreren Menschen, die eines gemeinsam haben. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.
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