KRITIK

10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?

Bild (c) 2015 Prokino Filmverleih.

Bild (c) 2015 Prokino Filmverleih.

Er kocht gerne, liebt guten Wein und das Ritual, gemeinsam mit Familie und Freunden zu essen. Mit dem Blick in die Mülltonnen der Supermärkte wurde Valentin Thurn klar, dass die Art und Weise, wie unsere Lebensmittel produziert und verteilt werden, immer größere Probleme aufwerfen. Dieses Gefühl von Zorn führte 2011 dazu, einen Dokumentarfilm zum Thema Wegwerfgesellschaft zu drehen. Sein „Taste the Waste“ gewann mehr als ein Dutzend Preise, wurde auf 30 Filmfestivals gezeigt und ist bis heute mit über 130.000 Zuschauern einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme aus Deutschland. Valentin Thurn, ein studierter Geograph, der mittlerweile über 40 Dokumentationen für Kino und TV gedreht hat, ist nicht nur ein erfolgreicher Buchautor, Plattformgründer und Food-Fighter, er ist in erster Linie ein Überzeugungstäter. War „Taste the Waste“ eine bildhafte Aneinanderreihung von Statements – auch von persönlichen – präsentiert sich seine neue Doku, „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ weitaus globaler – und vor allem lösungsorientierter.

An seiner Herangehensweise hat Valentin Thurn hingegen nichts geändert. Einmal mehr agiert er hinter und vor allem auch vor der Kamera, im Stil einer Ich-Reportage als pseudo-naiver Fragesteller. Einmal mehr jettet er mit seinem (neuen) Kameramann Hajo Schomerus um die Welt und montiert sein gesammeltes Material aus Gesprächen mit Experten und Playern, die ihre Einschätzungen zum Thema in die Kamera geben zu einem abwechslungsreichen Lehrfilm – in diesem Fall über die Grundlagen der Lebensmittelproduktion.

Szene_10_MrdSpannend ist seine Dokumentation „10 Milliarden“ immer dann, wenn Valentin Thurn mit seinen bissigen (Off-)Kommentaren und Nachfragen die Lügen, den Irrsinn sowie die Paradoxien der weltweiten Agrarindustrie offen legt. Ernähren wir uns bald von Insekten? Thurn testet. Und isst. Ist im Labor gezüchtetes Fleisch die Zukunft für alle, bald weltweit 11 Milliarden Fleischesser? Thurn lässt testen. Und ein Reagenzglas-Hamburger probieren. Dabei muss man den schnöden, schwäbischen Charme und den sonoren Kommentar des Überzeugungstäters Valentin Thurn mögen, wenn man die 103 lehrreichen Filmminuten überstehen will, ohne dabei weg zu dösen.

Valentin Thurn ist nicht Michael Moore. Er besitzt weder Angriffslust noch die Frechheit des amerikanischen Kollegen. Und damit auch nicht dessen Unterhaltungswert. Doch Thurn stellt, anders als in „Taste the Waste“ Lösungsansätze vor. Seine vielfältigen Beispiele der teils einfachen wie abenteuerlichen oder auch sonderbaren weltweiten Herangehensweisen an das Problem „Wie werden wir alle satt?“ bieten einen wichtigen Überblick über die aktuelle Lage der Lebensmittelproduktion. Und die, wen wundert´s, ist besorgniserregend.

Vom (neuen) Fleischkonsum in China über Zucht-Lachse in Kanada bis hin zum Labor-Fleisch. Die Vielfalt macht hier den Unterschied. Ob einzig und allein die lokale Bioproduktion die Lösung unserer Ernährungs-Probleme sein kann, die am Ende vollmundig angepriesen wird, darf bezweifelt werden. Ohne Frage aber ist „10 Milliarden“ ein ebenso wichtiger wie herausragend recherchierter Dokumentarfilm zum Stand der Lebensmittelproduktion. Und er bietet genug Anreize, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Von der Begrünung öffentlicher Anlagen bis hin zur neuen Vielfalt im eigenen Biogarten: Jetzt heißt es nur noch: Augen auf beim Lebensmittelkauf! Kleine Schritte können Großes bewirken. Danke, Valentin Thurn für diese Erkenntnis und Hut ab vor diesem Engagement!

 

 

 



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