DVD / BLU-RAY TIPP

Wild

dvd_cover_wild Wieviel Wildheit steckt in Dir? Und wann kannst Du sie herauslassen? Als vor einiger Zeit immer mehr Wölfe in den Wäldern Ostdeutschlands auftauchten, ging Nicolette Krebitz, Schauspielerin und Filmemacherin („Jeans“, „Das Herz ist ein dunkler Wald“), diesen Nachrichten nach. Weil die Medien gleichsam verstört wie fasziniert von den wilden Wölfen berichtet hatten, schrieb Krebitz eine eigene Geschichte dazu. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die ein Leben in den Fesseln des Alltags zwischen Job und Miete aufkündigt und sich für ein Leben in der „Wildnis“ entscheidet. Von der Presse gefeiert („radikales Kunstwerk“) ist jetzt endlich die DVD/Blu-ray zum Film erhältlich.

Zur Story: Ania ist Mitte zwanzig. Tagsüber arbeitet sie in einer IT-Firma, abends sitzt sie in ihrer Plattenbauwohnung, ein bisschen gelangweilt, ein wenig einsam. Nichts ist schlimm, nur ganz gewöhnlich beängstigend in seiner Alltagsnormalität. In Ania aber, die stets leicht somnambul durch ihre Stadt zu schweben scheint, ringen fremde Energien um Befreiung. Irgendetwas schlummert in ihr. Eines Morgens begegnet sie auf dem Weg zur Arbeit im Park einem Wolf. Der Moment, in dem sich Frau und Raubtier in die Augen blicken, lässt sie nicht mehr los.

Ania lockt den Wolf nach Hause, modifiziert ihre Wohnung zum Bau um. Was aber folgt, ist nicht die Zähmung des wilden Tieres, sondern die lustvolle Verwilderung der sozial auf Linie gebrachten Frau. Während die Intimität dieser Beziehung zunimmt, verändert sich Anias Persönlichkeit. Nicht nur im Büro wird das heftige Konsequenzen haben. Denn auch ihrem Chef sind Anias Stimmungsschwankungen ein Dorn im Auge.

Szene_Wild_2Nicolette Krebitz, die man vor allem als Schauspielerin („Bandits“, „Der Tunnel“) kennt, hat mit ihrer wunderbar eigensinnigen dritten Regiearbeit im Januar 2016 auf dem Sundance Festival in den USA für Furore gesorgt – und für Verstörung. Tatsächlich verlangt ihr Film aufgeschlossene Betrachter, da er sich all dem verweigert, was das deutsche Kino sonst ausmacht. Keine Spur von den ewig gleichen Dramaturgien und Realitätsversessenheiten. Man kann „Wild“ als radikale Gesellschaftskritik deuten, als feministische Ermächtigungsgeste, als grenzüberschreitende Lovestory – und doch träfe man damit nicht den Kern des Films, der sich bewundernswert stilsicher zwischen Distanzierung und Hingabe einrichtet.

Man sollte das gesehen haben, allein schon wegen Lilith Stangenberg, die als Ensemblemitglied der Berliner Volksbühne längst ein Theaterstar ist und in dieser ersten Kino-Hauptrolle weit über das hinausgeht, was für Schauspielerinnen üblicherweise als mutig eingestuft wird. Intensiver als in „Wild“ ist das deutsche Kino in den letzten Jahren nicht gewesen. Sehenswert.

 

Bildqualität

Das Format bleibt stets im anamorphen 16:9. In den Innenraumszenen manchmal etwas zu verschwommen, sind es vor allem die beeindruckenden Außen(-Spiel)szenen, auch in der Dunkelheit, die faszinieren. Die Kamera von Reinhold Vorschneider beobachtet gerne und hält auch gerne mal inne. Vor allem die Schärfe bei den abendlichen Außenaufnahmen kann beeindrucken.

Tonqualität

Für den kompletten Film liegt nur eine deutsche Dolby Digital 5:1 Tonspur bereit. Der Ton beeindruckt aber genauso wie das Bild. Bei den wenigen Geräuschen, vor allem vom Wolf, wird sehr viel Atmo vermittelt. Eindrucksvoll.

Extras

Die Extras gehen in Ordnung. Abgesehen vom obligatorischen Trailer gibt es Kapitel- / Szenenanwahl, einen Audiokommentar mit Nicoletted Krebitz undj Lilith Stangenberg, einige Outtakes und sogar eine Hörfilmfassung. Passt!

 

 

 



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