DVD / BLU-RAY TIPP

Vampire Nation

Mit ruhigem Ton aber grimmiger Ernsthaftigkeit setzt „Vampire Nation“ eine überzeugende Duftmarke im Genre-Kino.

Amerika sowie weite Teile der restlichen Welt haben sich durch eine Vampirkatastrophe in eine Endzeitrealität mit eingeschränkter Zivilisation verwandelt. Der junge Martin (Connor Paolo) verliert seine Eltern bei einem Blutsaugerangriff, wird aber durch den geheimnisvollen Mister (Nick Damici) gerettet. Als Ersatzvater übernimmt Mister die „Erziehung“ des Jungen, damit dieser lernt, in der feindlichen Umwelt überleben zu können. Mit Misters Auto wollen die beiden das mythische, in Kanada gelegene New Eden erreichen, wo es angeblich keine Vampire geben soll.

Mit einem gelassenen, aber nicht trägen Tempo hat Jim Mickle ein Roadmovie inszeniert, in dem der junge Martin die entscheidende Hauptfigur ist. Denn letztlich geht es in „Vampire Nation“ um die Entwicklung Martins zum Erwachsenen. New Eden als Keimzelle der Hoffnung für einen Neuanfang benötigt einen frischen Stammhalter. Dass New Eden ausgerechnet in Kanada liegt, ist ein erster Seitenhieb Mickles gegen aktuelle amerikanische Zustände. Der mythologische Ort entfaltet seine Wirkung, indem er jenseits des zentralen Handlungsortes Amerika liegt. Nur dadurch kann New Eden unbelastet Hoffnung spenden.
Mickles mischt grundsätzliche Betrachtungen über die Reaktion des Menschen im Angesicht einer endzeitlichen Katastrophe mit politischen Anspielungen. Dadurch verleiht er seinem Werk einerseits einen zeitgeschichtlichen und andererseits einen zeitlosen Wert. Mit Hilfe der fundamentalistischen Bruderschaft, die in den Vampiren einen Segen Gottes sehen, reflektiert der Film über religiöse Tendenzen in der Politik, die das Konzept eines strafenden Gottes wieder hoffähig machen wollen. Der aktuelle Bezug ist aber nur eine Dimension dieses Aspektes, denn gleichzeitig erzählt Mickles von der Schwäche des Menschen, der im Angesicht des Unbegreiflichen Halt im Absurden sucht. Mister entgeht dieser Gefahr durch seine bedingungslose Konzentration auf das Überleben. Das will er seinem Ersatzsohn Martin vermitteln.

„Vampire Nation“ schildert, wie sich das unfreiwillige Paar im Ausnahmezustand bewährt.  Mit westernartiger Zielstrebigkeit läuft der Film auf einen neuen Gründungsmythos hinaus, von dem aus sich eine neue Nation entwickeln kann, wenn sie das Chaos im Angesicht der Katastrophe überwindet.

Bildqualität

Das Bild der Bluray überzeugt technisch auf der ganzen Linie. Die Schärfe der verwendeten HD-Kamers wurde sehr gut auf die Bluray übertragen, so dass Konturen und Detailgrad überzeugend sind. Die bräunlich-gräuliche Farbpalette wurde sehr gut auf die Bluray übertragen.

Tonqualität

Die DTS-HD-Master-5.1-Tonspuren verfügen über einen ausgewogenen Mix, dessen atmosphärische Geräusche gut auf alle Lautsprecher übertragen worden sind. Die Musik überzeugt mit ansprechender Kraft.

Extras

Das etwa 25-minütige „Director Pre-Production Diary“ beschäftigt sich mit der Entwicklung des Projektes. Dabei gehen die Macher auf die einzelnen Phasen inklusive der Geldbeschaffung ein und vermitteln so einen guten Überblick, auf welche Weuse die Poduktion auf die Beine gestellt wurde.
Der gut zweiminütige FX-Vergleich zeigt einzelnen Szenen des Films mit und ohne Effekte. Dadurch wird die digitale Arbeit bei der Bildgestaltung anschaulich.
Großartig sind die zusammen etwa 34 Minuten langen sechs Webisodes, die sich mit den wichtigen Charakteren des Films befassen. Sister, Jebediah, Willie, Belle, Martin, Mister und Origins werden gezeigt, bevor sie in der Handlung des Films zu sehen sind. Die verleihen den Charakteren eine zusätzliche Dimension und überzeugen als kompakte Kurzfilme mit dramaturgischer Dichte.
 Der Filmtrailer ist auf der Bluray ebenfalls enthalten.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



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