DVD / BLU-RAY TIPP

The Quiet Earth – Das letzte Experiment

Die Vorstellung, der letzte Mensch auf Erden zu sein, entfacht eines Vision unendlicher Freiheit gepaart mit dem gigantischen Schrecken ebenso unendlicher Einsamkeit. Regisseur Geoff Murphy hat das Thema in seinem faszinierenden Endzeitfilm „The Quiet Earth“ aufgenommen.

Der neuseeländische Wissenschaftler Zac Hobson ist Teil eines Teams, das an einem geheimen Experiment arbeitet. Dabei muss etwas etwas schief gelaufen sein, denn außer dem Wissenschaftler ist eines morgens niemand mehr zu sehen. Der Wissenschaftler flüchtet sich in eine Bewältigungsstrategie aus grenzenloser Handlungsfreiheit und intellektueller Erforschung der aktuellen Situation. Sein Umgang mit dem Schockzustand ändert sich, als er plötzlich Joanne trifft, welche die Folgen des Experimentes ebenfalls überlebt hat. Gemeinsam versuchen sie, die apokalyptische Realität nachzuvollziehen.

„The Quiet Earth“ ist ein Musterbeispiel atmosphärischen Erzählens. Die dominierende Stille aufgrund der Einsamkeit nach dem Scheitern des Experimentes lässt dem Film keinen Raum für eine Flucht in sprachliche Dramatisierungen, die Bilder selbst sind der Motor der Erzählung. Sie berichten von einer gespenstisch unbelebten Welt, deren Einsamkeit vielschichtige Facetten offenbart. Die Unnatürlichkeit völlig leerer Straßen, in denen sich sonst Menschen bewegen, rückt die Auslöschung des Lebens auf prägnante Weise in der Vordergrund. Hier entfacht Murphy den apokalyptischen Geist des Science-Fiction-Films, der eine Mahnung vor Allmachtsphantasien ausspricht. Gleichzeitig lassen die Bilder aber auch Raum für die Schönheit der Landschaft, die sich ohne den Menschen nachdrücklich offenbart. Die Ruhe entpuppt sich auch als Zustand meditativer Kraft, in der die noch vorhandene und unversehrte landschaftliche Schöpfung ihren Wert offenbart. So wirkt das gescheiterte Experiment auch wie eine Chance auf einen Neuanfang, der jedoch aufgrund einiger beunruhigender Daten in Gefahr ist, die Hobson mit seinen Messgeräten feststellt.

Die dritte Dimension, die sich in den Bildern der Einsamkeit offenbart, ist die Freiheit. Ungeniert rast Hobson mit einem Wagen über die freien Straßen, zieht in ein pompöses Haus ein und gibt sich dem zur Verfügung stehenden Luxus hin. Daraus entsteht jedoch eine geistige Verarmung, die zunehmend psychotische Züge annimmt, wenn er auf seinem Balkon stehend eine Rede an das nicht vorhandene Volk simuliert. Es zeigt sich, dass Freiheit ohne Ziel, keine dauerhafte Befriedigung entfalten kann. Die Apokalypse erreicht letztlich auch Hobsons mentale Unversehrtheit, was den Schrecken angesichts der Katastrophe verstärkt. Die unterschiedlichen Facetten öffnen Räume für Reflexionen jenseits der Offensichtlichkeit eines klaren Bildes.

Bildqualität

Da es sich bei „The Quiet Earth“ nicht um eine neue Produktion handelt, sondern um einen etwa 25 Jahre alten, klein produzierten Film ist angesichts des aktuellen Heimkinomarktes das Optimum nicht drin. Das Bild der Bluray zeigt über die gesamte Lauflänge deutliches Filmkorn. Das entspricht zwar nicht unbedingt aktuellen Sehgewohnheiten, aber immerhin wurde auf den Einsatz eines Rauschfilters verzichtet, der dem Film jegliche Textur und damit Natürlichkeit genommen hätte. Angesichts eines nicht aufwendig restaurierten Masters eine sinnvolle Entscheidung. Im Ergebnis kann die Konturenschärfe halbwegs überzeugen, der Detailreichtum ist zumeist recht schwach ausgeprägt. Schade ist der immer wieder sichtbare leicht unruhige Bildstand. Insgesamt liegt die Qualität der Bluray etwas über DVD-Niveau, einem Vergleich mit aktuellen HD-Transferen hält sie natürlich nicht stand.

Tonqualität

Die DTS-HD-Master-5.1-Tonspuren sind unterschiedlich ausgefallen. Die Dialoge der englischen Fassung sind weitgehend klar und verständlich, während der deutsche Upmix seine Dialoge auf alle Lautsprecher verteilt. Das klingt nicht gut und schränkt die Verständlichkeit ein. Ein leichtes Hintergrundrauschen und leichte Verzerrungen, die zu Beginn auch stärker ausgefallen sind, ist sowohl bei der deutschen als auch der englischen Fassung vorhanden. Besondere räumliche Qualitäten sollte man sich nicht erwarten, da nur sehr dezente Geräusche aus den hinteren Lautsprechern kommen.

Extras

Der Audiokommentar von Sam Pillsbury (Produktion) wartet mit einigen Informationen zur literarischen Vorlage, den Drehorten, der Erstellung der Spezialeffekte und der Umsetzung der Filmarbeiten am Set auf. Zwischendurch gibt es kleinere Pausen, aber insgesamt ein recht informativer Kommentar.
Ein Trailer ist auf der Bluray ebenfalls enthalten.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



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