DVD / BLU-RAY TIPP

The Joneses – Verraten und verkauft

The Joneses Blu-ray

The Joneses Blu-ray (Wild Bunch Distribution)

Theodore W. Adornos Sentenz, es gebe kein richtiges Leben im falschen, erlebt derzeit ein ungeahntes Revival. Judith Holofernes von der Band Wir Sind Helden deutet die geflügelten Worte in ihrer Replik zur „Bild“-Anfrage entsprechend um, und der Film „The Joneses“ hat sie gewissermaßen zu seinem Leitmotiv erhoben. Wenn sich Filmtochter Amber Heard auf leisen Sohlen dem schlafenden David Duchovny nähert und in sein Bett kuschelt – und dabei unterschwellig natürlich auch mit Duchovnys Image aus der TV-Serie „Californication“ spielt – ist die Irritation kalkuliert, aber nur kurzzeitig. Denn diese Familie, komplettiert durch Demi Moore und Sonnyboy-Sohn Ben Hollingsworth ist ein kompletter Fake. Zusammengecastet und in Marketingseminaren geschult, schließlich in die Suburbs entsandt, den wohlhabenden Nachbarn, Kollegen und Schulkameraden ein Bilderbuchleben vorzugaukeln und sie zum Erwerb unverzichtbarer Luxusgüter zu animieren.

Aber die heile Welt wird schnell brüchig, hinter den hochglänzenden Kulissen brodelt es, nicht erst seit der vermeintlich inzestuösen Annäherung der Tochter, die ein Faible für ältere Liebhaber entwickelt und damit unsanft auf die Nase fällt. Auch Duchovnys Figur Larry Jones, die bewusst an den sarkastischen, freigeistigen Hank Moody aus „Californication“ angelehnt ist, möchte mehr als die hübsche Fassade eines glücklichen Familienlebens – er wird damit zu seinem eigentlich besten Kunden, wenn man zugrunde liegende Konzept zu Ende denkt, und letztlich zur größten Gefahr seiner erfolgreichen Durchführung.

Eine „Truman Show“ in reverse, so darf man sich Derrick Bortes Debütfilm durchaus vorstellen. Die umgebende Welt ist real, so künstlich und aufgeblasen sie mitunter auch erscheinen mag, doch die Protagonisten sind es nicht. „The Joneses“ ist natürlich in erster Linie Konsum- und Kapitalismuskritik, jedoch in Watte verpackt und sehr smooth, selbstsicher und sanft ironisch inszeniert. Der Regisseur und Autor Borte versteht es ausnehmend gut, seine Wendepunkte und Konfliktsituationen an den rechten Stellen zu setzen, das Timing des Films ist überraschend passgenau. Ganz unaufgeregt steuern alle Handlungsstränge auf den großen Crash zu, der letztlich zu einem Befreiungsschlag umgedeutet werden kann – kein Happy End, aber ein Ausblick immerhin.Bildqualität

Bild und Ton sind durchaus überzeugend. Allein mit der DVD ist man gut beraten, weil der Film weder bildgewaltig noch -lastig ist. Eine Blu-ray muss es vor diesem Hintergrund in diesem Falle nicht unbedingt sein.

Tonqualität

DVD und Blu-ray überzeugen durch zwei wunderbar homogene Tonspuren mit DTS-HD 5.1 Sound. Natürlich bietet die englische Original-Tonspur sehr viel mehr für´s Ohr, da hier Kichereien, Gluckser und leise Momente nicht verschluckt werden.

Extras

Die Ausstattung von DVD und Blu-ray ist eher mager und wartet lediglich mit fünf Minuten entfallener Szenen auf. Doch diese geben noch einmal einen guten Einblick in den Entscheidungsprozess, weshalb auf sie verzichtet wurde und warum dies richtig und einleuchtend war.



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