DVD / BLU-RAY TIPP

Texas Chainsaw Massacre

Nach jahrelangen Bemühungen ist es dem Münsteraner Label Turbine Medien gelungen, nicht nur die bundesweite Beschlagnahmung von „Texas Chainsaw Massacre“ erfolgreich anzufechten, der Film wurde anschließend auch aus der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen und steht somit nicht mehr auf dem Index.

Tobe Hooper schickte Mitte der 1970er Jahre die Jugendlichen Sally (Marilyn Burns), Jerry (Allen Danziger), Franklin (Paul A. Partain), Kirk (William Vail) und Pam (Teri McMinn) in einem Kleinbus in die amerikanische Provinz. Die Gruppe befindet sich auf einer Reise durch den Hinterhof der Vereinigten Staaten, der durch zunehmenden Verfall gekennzeichnet ist. Sie machen auf der Suche nach Kindheitserinnerungen einen Abstecher zu einem verlassenen Haus und genießen die Idylle des Sommertags. Als einer von Ihnen den Fehler macht und in ein einsames, aber bewohntes Haus geht, um nach Benzin zu fragen, nimmt das Grauen seinen Lauf.

Über „Texas Chainsaw Massacre“ sind unzählige Analysen geschrieben worden, die das Geschehen sehr treffend vor dem Hintergrund einer zunehmenden Unsicherheit in der amerikanischen Gesellschaft nach dem Vietnamkrieg gedeutet haben. Die Jugendlichen geraten in eine für sie unbeherrschbare Situation, in der es nur noch um das nackte Überleben geht. Darüber hinaus gibt es eine Kapitalismuskomponente, die das Wirtschaftssystem auf grausame Weise ad absurdum führt.

Hooper schildert die grausame Perversion ohne nennenswerte Verwendung von Splattereffekten als barbarischen Akt, dem keine Anziehungskraft zukommt. Dabei sorgt gerade das Fehlen von besonders blutigen Bildern für eine schockierende Wirkung. Es ist nicht möglich, beim Zuschauen über die Fragestellung der technischen Umsetzung entsprechender Effekte eine distanzierende Wirkung zu erzielen. Gerade weil nur relativ wenig zu sehen ist, verfügt der Film über eine teilweise authentische Atmosphäre des Schreckens.

Bildqualität

Die Ultimate Collector’s Edition enthält den Film auf Bluray und DVD, wobei jeweils auf das gleiche Master zurückgegriffen wurde. Für die Veröffentlichung stand eine neue Abtastung vom Originalkameranegativ zur Verfügung, so dass der Film in der bestmöglichen Qualität auf Bluray und DVD gebracht werden konnte.
Da der Film in den 1970ern auf 16mm gedreht wurde, gibt das Material nicht die gleiche Optik her wie eine 35mm-Produktionen. Die Körnigkeit des 16mm-Materials ist stets sichtbar, wobei ein Unterschied zwischen DVD und Bluray erkennbar ist. Während die Bluray eine natürlich-raue Atmosphäre vermittelt, kommt bei der DVD ein erhöhtes Maß an Körnigkeit zum Tragen, das Schärfe und Detailfreude etwas mindert. Insofern lohnt sich selbst bei einem derart alten 16mm-Film die Bluray-Produktion. Die Schärfe fällt bei der Bluray gut aus, wobei die Konturen dem Charakter des alten Materials entsprechend wiedergegeben werden. Nur sehr wenige Szenen wirken etwas weich. Der Detailgrad ist eingeschränkt, weil das 16mm-Material nicht mehr hergibt. Die DVD ist etwas schwächer, liefert angesichts des Ausgangsmaterials aber immer noch das Optimum in diesem Medium. Die Farben werden sehr gut wiedergegeben, der ausgewogene Kontrast leistet sich keine Schwächen. Bei tiefem Schwarzwert verfügen selbst dunkle Szenen noch über ein ansprechendes Maß an Details. Glücklicherweise hat Turbine auf den Einsatz von Rauschfiltern verzichtet, so dass der Film auf Bluray und DVD in seiner Ursprünglichkeit erstrahlt. Dezente Verschmutzungen stören nicht. Dank einer ausgezeichneten Würdigung des Original-Negativ-Materials liegt der Film nun in der bestmöglichen Bildqualität vor.

Tonqualität

Der Ton des Films liegt in deutscher Sprache im DTS-HD-Master-5.1-Format sowie als DD 2.0 Mono Ton vor. Die Originalfassung ist ebenfalls als DTS-HD-Master-5.1-Ton sowie im DD 2.0 Stereo- und DD 2.0 Mono-Format enthalten. Bei der DVD liegen die Surround-Spuren natürlich im DD5.1-Format vor. Außerdem enthält die DVD keinen englischen Mono-Ton.
Für die deutschen Fassungen mussten teilweise Nachsynchronisationen angefertigt werden, da Teile des Films bislang nicht auf Deutsch vorlagen.
Die räumliche Abmischung der 5.1-Tonspuren wurde dezent, aber effektiv gestaltet. So kommt vor allem in der Szene, in der ein Huhn in einem Käfig zusehen ist, und bei der Verfolgungsjagd von Leatherface mit der Kettensäge die räumliche Wirkung zum Tragen. Da die Dialoge klar und verständlich wiedergegeben werden, sind die 5.1-Tonspuren hervorragend gelungen.
Auch die übrigen Tonspuren überzeugen mit guter Qualität.

Extras

Auf der Bluray beziehungsweise der DVD des Hauptfilms befinden sich jeweils zwei Audiokommentare. Das übrige Bonusmaterial wurde auf zwei DVDs untergebracht. Deutsche Untertitel sind beim gesamten Material vorhanden

Der Audiokommentar mit Tobe Hooper (Regie), Daniel Pearl (Kamera) und Gunnar Hansen (Darsteller) wirft einen Blick auf die inszenatorische Gestaltung des Films, lässt die Limitierung der Mittel Revue passieren, geht auf die Stimmung beim Dreh ein, wartet mit Anekdoten auf und kommentiert natürlich auch die speziellen Umstände der berühmten Dinner-Szene. Dabei kommt es nicht zur reinen Dopplung mit den Dokumentation, so dass sich die Ansicht des Kommentars lohnt.

Der Audiokommentar mit Marilyn Burns, Paul A. Partain, Allen Danziger (alle Darsteller), Robert A. Burns (Bauten, Dekoration und Szenenbild) wird moderiert von David Gregory, der die ebenfalls im Bonusmaterial enthaltene Dokumentation „The Shocking Truth“ gedreht hat. In launiger Runde gehen die Darsteller auf viele Details des Drehs ein, die in direktem Zusammenhang mit den parallel zu sehenden Bildern stehen. Einzelne Requisiten spielen ebenfalls eine Rolle wie die Atmosphäre am Set. Robert a. Burns äußert sich zur Ausstattung des Films. Da der Kommentar sehr nah an den Filmbildern bleibt, vermittelt er Informationen, die selbst in den Dokumentationen nicht enthalten sind. Ein lohnenswerter Kommentar.

Die etwa 70-minütigen Dokumentationen „The Shocking Truth“ und „Flesh Wounds – Fleischwunden“ sowie der gut 60-minütige Beitrag „A Family Portrait“ präsentieren zahlreiche Details zu den Dreharbeiten und den Produktionsumständen. Zu „The Shocking Truth“ existiert sogar noch eine knapp achtminütige Outtake-Rolle mit zusätzlichen, interessanten Interviewausschnitten der einzelnen Stabmitglieder.

Hinter „Off the Hook“ verbirgt sich ein knapp 17-minütiges Interview mit Darstellerin Teri McMinn, die auf den Dreh sowie ihre damalige persönliche Sicht des Films zurückblickt. Darin geht es auch ausführlich um die berühmte Hakenszene. Ein gutes Interview.

In etwa acht Minuten führt Leatherface-Darsteller Gunnar Hansen durch das Original Texas Chainsaw Massacre Haus, das eine Zeit nach dem Dreh abgebaut und einige Kilometer entfernt wieder aufgebaut wurde.

Neben Trailern, TV- und Radio-Spots sowie einer Bildergalerie zu „Texas Chainsaw Massacre“ enthält die Veröffentlichung auch etwa 25 Minuten „Entfernte Szenen“ und etwa zwei Minuten Outtakes. Während letztere Missgeschicke beim Dreh zeigen, bestehen die „Entfernten Szenen“ sowohl aus tatsächlich neuen Handlungselementen, die dem Endschnitt des Films zum Opfer gefallen sind, und alternativen Takes zu bestehenden Szenen. Für das Material ist teilweise kein Ton vorhanden.

Für die vorliegende Edition des Films hat Turbine Medien eine sehenswerte Diskussionsrunde über Zensur in Deutschland durchgeführt, an der Jörg Buttgereit (Regisseur), Roland Seim (Kunsthistoriker und Publizist), Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler und Publizist) und Christian Bartsch (Turbine Medien) beteiligt waren.

Das „5 Minuten Massaker“ ist ein gut fünfminütiger Zusammenschnitt der gewalttätigen Szenen des Original sowie des  Remakes aus dem Jahr 2003.

Das 64-seitige Booklet enthält nicht nur einen detaillierten Text über Indizierung und Beschlagnahme von „Texas Chainsaw Massacre“, es stellt auch die FSK sowie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kurz dar und fasst Dokumente sowie Akten zum Fall „Texas Chainsaw Massacre“ zusammen.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter DVD / Blu-ray Tipp abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Texas Chainsaw Massacre

  1. Pingback: Neueste Dvd Nachrichten | Blu-Ray-Filme.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*