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Ritt zum Ox-Bow

Die beiden Cowboys Gil (Henry Fonda) und Art (Harry Morgan) tauchen in einem verschlafenen Westernkaff auf, wo Gil hofft, seine Freundin Rose (Mary Beth Hughes) wiederzutreffen. Kurz nach ihrer Ankunft verbreitet ein eilig in das Städtchen eingerittener Einheimischer die Kunde vom Tod des angesehenen Ranchers Robert Kinkaid. Ein paar Viehdiebe sollen den armen Burschen über den Haufen geschossen haben. Schnell formieren die Bürger der Stadt einen Lynchmob, der keine Zeit verlieren will, um die Banditen zu jagen. Gil und Art schließen sich dem Lynchmob aus Angst an, sie würden sich andernfalls verdächtig machen. In der Nacht bringt die Truppe der freiwilligen Banditenjäger schließlich ein Lager dreier Viehtreiber auf, die aufgrund vager Indizien schnell für schuldig erklärt werden, obwohl sie beteuern, nichts mit Kinkaids Tod zu tun zu haben.

Nach der souveränen Einführung der wenig heldenhaften Cowboys Gil und Art sowie der zentralen Selbstjustizbefürworter auf Seiten des Lynchmobs entwickelt Willam A. Wellman den Film zu einem Gerichtssaaldrama unter freiem Himmel. Im Gegensatz zu klassischen Vertretern des Justizthrillers stehen jedoch nicht nur Fragen über Schuld oder Unschuld der Angeklagten, sondern auch Fragen über die Legitimität der Ankläger im Vordergrund. Wellman nimmt die Rechtschaffenheit der anklagenden Bürger auseinander, indem er die Motive der treibenden Figuren offen legt. Die geplante standrechtliche Aburteilung mit sofortigem Vollzug der Strafe verliert ihre Legitimität, weil eine solche Handlungsweise nie etwas mit Rechtsfindung zu tun hat. Der Südstaatenoffizier steigert sich in seine Gier hinein, Autorität ausüben zu dürfen. Die gefühllosen Augen offenbaren eine gnadenlose Kälte, die nicht seine Neutralität gegenüber den Beschuldigten, sondern seine Machtlust ausdrücken. Andere Teilnehmer des Lynchmobs sind von sadistischem Hass durchzogen, der keinen Raum für Unabhängigkeit kennt. Gegen die Dynamik aus Macht und Freude an der Gewaltausübung haben die Mahner keine Chance.

Während Wellman die Auseinandersetzung zwischen den Hinrichtungsfreunden und den Gegnern zu einem intensiven Drama über den Kampf zwischen Rechtsstaat und Rechtswillkür entwickelt, verhandelt er gleichzeitig auch über die Schwierigkeit, Zivilcourage zu zeigen. Gerade der von Henry Fonda mit eindrucksvoller Zerrissenheit verkörperte Cowboy Gil schafft es nicht, stärker Partei zu ergreifen, obwohl er weiß, dass hier ein schändliches Schauspiel abläuft. Er sieht sich einem latenten Faschismus gegenüber, der weite Teile der Gesellschaft im Griff hat. Mit seiner bohrenden, umbequemen Art, den Finger in die Wunde unzivilisierter Rechtswillkür zu legen, ist „Ritt zum Ox-Bow“ auch heute noch aktuell.

Bildqualität

Das Bild der Bluray ist für einen fast 70 Jahre alten Film sehr ordentlich. Gleich zu Beginn tauchen allerdings etwas stärkere analoge Defekte auf, wenn am rechten Rand ein Laufstreifen sichtbar ist und etwas Verregnung über das Bild huscht. Die Schärfe ist sehr ordentlich bis gut. Das analoge Rauschen stört kaum.

Tonqualität

Der englische Ton weist zu Beginn ein deutliche Rauschen und Knistern auf, das nach einem Aktwechsel kaum noch vorhanden ist. Dafür wird der Ton zwischenzeitlich etwas leiser und dumpfer. Das irritiert bei der Ansicht des Films merklich, da man gezwungen ist, die Lautstärke des Films nachzuregulieren. Leichte, am Anfang auch stärkere Verzerrungen, sind ebenfalls zu hören.

Extras

Der Audiokommentar von Dick Eulain (Westernexperte) und William Wellman Jr. (Sohn des Regisseurs), der aus zusammengeschnittenen Teilen besteht, geht detailreich auf die Hintergründe der Produktion, zahlreiche historische Aspekte und die Darsteller ein.
Die etwa 45-minütige Dokumentation „Henry Fonda: Hollywoods ruhiger Held“ zeichnet Fondas berufliche Karriere sowie einige private Aspekte nach. Darin kommen unter anderem Henry Fondas Kinder, die beiden Schauspieler Jane und Peter, zu Wort.

Laut Herstellerangaben liegt der DVD auch ein Booklet bei. Da die Rezensionsfassung ohne Originalverpackung ausgeliefert wurde, können an dieser Stelle dazu keine Angaben gemacht werden.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.

 



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Eure Kritiken zu Ritt zum Ox-Bow

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