DVD / BLU-RAY TIPP

Perrak

Auf einer Hamburger Mülldeponie findet ein trinkfreudiger Obdachloser die Leiche einer Frau. Da die Aufmachung der Toten auf eine Verbindung zum Milieu schließen lässt, wird Inspektor Perrak (Horst Tappert) von der Sitte mit den Ermittlungen beauftragt. Ein kurzer Blick des erfahrenen Polizisten genügt, um die Identität des Leichnams zurechtzurücken. Es handelt sich um den Transvestiten Toni. Perrak beginnt, in den einschlägigen Kreisen Erkundigungen einzuholen, und stößt sehr schnell auf ein kompliziertes Geflecht aus Prostitution, Erpressung und Geldgier.

Alfred Vohrers „Perrak“ ist einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsfilme, der gesellschaftliche Befindlichkeiten mit den Mitteln des derb überzeichneten Krimis offen legt. Denn das ist Vohrers Stil. Er lässt keine sozio-politischen Reden schwingen, sondern arbeitet in „Perrak“ mit den Mitteln der Karikatur. Wenn ein afrikanisch stämmiger Mann von seinem schmierigen Boss „Bimbo“ genannt wird, dann ist das nicht nur politisch unkorrekt, es spiegelt auch in Verbindung mit einer grell-symbolischen Farbeimerszene den damals und eventuell auch heute noch weit verbreiteten biederen Rassismus in der deutschen Gesellschaft wieder. Integration wird hier zum höhnischen Farbbranding, bei dem die Herrschaftsverhältnisse klar verteilt sind. Solche Wunden legt Vohrer mit irrwitzigem Einfallsreichtum offen.

Die Verquickung wohlhabender Charaktere mit dem Milieu entlarvt moralische Anständigkeiten als Scheinwelt zum Schutz des eigenen Status. Die Menschen agieren mit einer berechnenden Gier gegeneinander, die sich durch die unterschiedlichen Schichten vom Milieu bis zur Wirtschaft zieht. Das wirft ein ernüchterndes Schlaglicht auf das Miteinander der Menschen. Dabei schlägt Vohrer nicht nur einen grellen Stil an, dessen Zuspitzung mit brillanter Wucht einschlägt, auch das Tempo ist aufgrund der Verwicklungen hoch, die in 88 Minuten Laufzeit untergebracht wurden. So entwickelt sich ein packender Genre-Reißer, der mit seiner subversiven Überzeichnung als Monolith im deutschen Genre-Kino auch heute noch Bestand hat.

Bildqualität

Die Schärfe ist recht gut, wenn man das Filmalter berücksichtigt. Leichte Nachzieheffekte sind zu sehen, treten aber nur selten auf. Darüber hinaus sind hier und da stehende Rauschmuster vorhanden. Das analoge Rauschen stört nicht. Beim Kontrast wurde an der einen oder anderen Stelle etwas zu viel gemacht, so dass man sich zwar über einen unfassbar tiefen Schwarzwert freuen kann, aber auch hinnehmen muss, dass hier kleine Details verschluckt werden.

Tonqualität

Der DD 2.0 Ton leistet sich keine nennenswerten Schwächen. Die fetzige Musik erklingt ohne starke Verzerrungen mit relativ dynamischer Kraft, die Dialoge sind klar und verständlich.

Extras

Bei dem 8-seitigen Booklet handelt es sich um einen Nachdruck des alten Presseheftes, dessen Texte fast genauso sensationell sind wie der Film selbst.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter DVD / Blu-ray Tipp abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Perrak

  1. Ahoi, ich bin mal so frei und schreibe mal was auf deiner Seite. Sieht schoen aus! Ich nutze seit kurzem auch WordPress steige aber noch nicht durch alle Funktionen durch. Dein Blog ist mir da immer eine tolle Anregung. Weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*