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Nowhere Boy

Blu-ray DVD-Cover Nowhere Boy

Die Blu-ray 17,99 EUR bei Amazon

Die „Geschichte des jungen John Lennon“ verspricht der deutsche Untertitel. Also warten wir und sind gespannt. Liverpool in den 50ern. Die Kamera auf dem Dolly rollt durch die Straßen. Weiße Gartentore, tiefe Fenster, alles sauber, alles clean. An einem unscheinbaren Hauseingang inkl. verklinkerter Fassade bleibt die Kamera stehen. Hier wohnt er also. DER Beatle, der Musiker, John Lennon. Doch zunächst lernt der Zuschauer nicht den titelgebenden “Nowhere Boy” kennen, sondern die eigentliche Hauptperson des Spielfilmdebüts von Sam Taylor-Wood, es ist John´s Tante Mimi, herausragend verkörpert von Kristin Scott Thomas.

Nach den vielen Nacherzählungen und Biografien über Künstler und Band (es sind fast 40 an der Zahl, inkl. „Yellow Submarine“, „Beatlemania“ und „Backbeat“), soll es jetzt also um die Jugendjahre des John Winston Lennon gehen. Und in diesen Jahren (und auch in allen weiteren, so erfahren wir später) spielt Tante Mimi eine entscheidende Rolle. Wer dies noch nicht wusste, bekommt John´s schwierige Verhältnis zu seiner Tante dezidiert serviert, in allen Einzelheiten, Stück für Stück, Stein auf Stein. Jede Begegnung, jeder Dialog geht mit einem Konflikt schwanger, der sich wie ein dunkler Schatten auf die ansonsten rührselige Darstellung des Liverpooler-Arbeitermilieus Mitte der 50er Jahre legt. Denn da Lennons eigene Mutter als eine gespaltene Persönlichkeit irgendwo zwischen nymphoman-manisch-depressiv oder einfach nur etwas zu lebenslustig für ihre Zeit dargestellt wird (köstlich: Anne-Marie Duff), wächst Lennon bei seiner deutlich strengeren Tante auf.

Ergo erzählt die von der Videokunst kommende Taylor-Wood streng genommen zwei Geschichten, zum einen die der jungen Jahre des ersten Beatle John Lennon zwischen Schulabbruch und Gründung seiner ersten Band und zum anderen ein familiäres Drama im strengen Schoß der Tante. Und genau darin liegt das Problem dieses ansonsten hervorragenden Zeitdokuments. Über jeder (Familien-)Szene liegt der schwere Beatle-Ballast der späteren Weltkarriere. Zielgenau zum 30ten Todestag in den deutschen Kinos, wurde das Leben und das kreative Schaffen Lennons im Vorfeld dieses Ereignisses bereits rauf und runter exerziert. In „Nowhere Boy“, und der Titel ist sicherlich abgeleitet aus dem Beatles-Klassiker „He´s a real nowhere man, sittin´ in his nowhere land…“, lernt der junge Lennon – zwar mit Aaron Johnson überzeugend aber zu Anfang deutlich zu alt (der 19jährige Johnson spielt den 15jährigen Lennon) besetzt – bei seiner Mutter, die Lennon im Alter von 15 ausfindig macht, das Banjo-Spiel kennen. Jeder Zuschauer wartet auf die ersten Takte von “Let it be”, “Yesterday” und Co.. Doch Fehlanzeige.

Zudem treten erst am Ende des Films die weiteren Bandmitglieder ins Geschehen ein. Thomas Brodie Sangster, der junge schwer verliebte Sohn von Liam Neeson in “Love Actually”, der ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehen war, beispielsweise. Er versucht sich an der Figur Paul McCartney – und scheitert. Wie auch die Musikauswahl von Will Gregory, der die frühen Einflüsse in der Musik der Beatles mit zahlreichen Rock´Roll-Klassikern und ersten Blues-Crossover-Elementen zu unterstreichen versucht. Wer Beatles-Songs hören will, der wird enttäuscht.

Und am Ende, nach dieser überzeugenden Verwandlung Lennons vom rotzfrechen Schulabbrecher zum gefügsamen Bandmitglied – eine Verwandlung, die zu Anfang nur stockend in Fahrt kommt, um an ihrem Höhepunkt, einer gemeinsamen Szene von Tante, Mutter, Sohn von Kristin Scott Thomas an die Wand gespielt zu werden – fragt man sich zu Recht, ist über den Beatle John Lennon und vor allem über die Beatles vielleicht schon alles erzählt? Deshalb dürfte diese DVD/Blu-ray in erster Linie in die Sammlung von echten Musik- und vor allem Beatles-Fans gehören. Denn John Lennons Mutter-Tante-Sohn-Konflikt wurde noch nie so überzeugend dargeboten. Nicht einmal musikalisch in dem tollen Song „He´s a real nowhere man, sittin´in his nowhere land.“Bildqualität

Das High Definition (2.35:1) – 1080p Bildformat auf der Blu-Ray liefert gestochen scharfe Bilder in dieser konventionellen Inszenierung. Die Gebäude wirken klar (es gibt schlechtere Außenaufnahmen in Filmen auf Blu-ray), die Konturen sind gut erkennbar und auch die Details verschwinden nicht im dunklen Hintergrund. Vielleicht hätten die Bilder bzw. die Ausleuchtung an einigen Stellen etwas heller sein können.

Tonqualität

Wir auf guten Blu-rays bzw. DVDs üblich, sorgen die beiden DTS-HD Master Audio 5.1 Spuren (auf Deutsch und mit dem englischen Originalton) auch auf dieser DVD bzw. Blu-ray für kräftigen Klang, tolle Geräusche aus der Stadt Liverpool und atemberaubenden Surround-Klang. In den letzten Szenen bei den ersten Auftritten der jungen Band allerdings wirkt der Ton etwas zu wenig dynamisch. Aber um das perfekt verständliche English des jungen Aaron Johnson genießen zu können, sollte man natürlich die englische Originaltonspur wählen.

Extras

Zu der standesgemäßen Kapitelanwahl auf dem animierten Menü mit Soundeffekten und dem Trailer zum Film, liefert die Blu-ray zudem ein umfangreiches und informatives Making of.. sowie nicht veröffentlichte Szenen. Sehr interessant ist in den Extras die Arbeit mit den jungen Darstellern. Für Gegner von Covern mit FSK-Angaben, liegt auch dieser Blu-ray noch ein Wendecover bei.



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