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Bedways

DVD-Blu-Ray-Cover Film Bedways

Blu-Ray Cover Bedways

Als der deutsche Schauspieler, Regisseur, Moderator und Filmemacher RP Kahl im September 2010 auf dem Filmfest in Oldenburg seinen “Arthouse-Porno” (Zitat: Spiegel) Bedways vorstellte, hatten bereits hunderttausende User auf diversen Kanälen den vom Regisseur selbst geschnitten Trailer angeklickt. “Du willst ficken zeigen?” fragt eine Protagonistin kühl in die Kamera. Die zur Schau gestellte Offenheit war neu! Auch oder gerade im deutschen Film. Sowohl im Trailer als auch im Film sind Hardcore-Bilder zu sehen. Damit hatte nicht nur der Regisseur RP Kahl einen cineastischen Selbstversuch unternommen. Auch im Film selbst geht es um einen Selbstversuch.

Der Ort der Handlung ist eine große, fast leere nicht renovierte Altbauwohnung im Herzen Berlins. Die junge Regisseurin Nina plant ein intimes Filmprojekt, bei dem Hans (Matthias Faust) und Marie (Lana Cooper) die Hauptrollen übernehmen sollen. Am Anfang steht lediglich die Probe mit den Schauspielern zu diesem Indie-Movie, für das es noch kein Drehbuch gibt und auch kein Budget. Wie der Film aussehen wird, weiß Nina noch nicht so genau. Ihr geht es um Authentizität, jenseits der schicken Bilder, zu der in jedem Fall echter Sex gehört. Genauer kann Nina ihr Werk noch nicht beschreiben. Der Weg ist für die Regisseurin das Ziel. Darsteller Hans bleibt gelassen, zumal er Nina schon länger kennt und vermutet, dass es ihr letztlich mehr um ihn als um den Film geht. Doch möglichst unmanipuliert sollen sich die Körper aneinander gewöhnen, so die Filmemacherin, das Hardcore-Drama, das ihr vorschwebt, soll gefälligst auch in Hardcore-Bilder umgesetzt werden. Mit Hilfe kreativer Improvisationen sowie einzelner Schlüsselelemente will sie ihre Vision zu einem konkreten Film verdichten.

Während ihr männliches Objekt der Begierde vor allem die Sorge plagt, ob er vor der Kamera später auch “einen Ständer” bekommt, fühlt sich Marie durch die drehbuchlose Spielanordnung der Regisseurin irritiert. Die Anweisungen von Nina klingen auch eher nach denen einer Sexualtherapeutin als nach denen einer Regisseurin: “Denk nicht so viel nach”, mahnt sie. “Du tust einfach, was ich dir sage.” Nach und nach entwickelt sich ein erotisches Machtdreieck, auch Regisseurin Nina wird in den Bann des kleinen Universums mit hineingezogen, und verliert die Position der Beobachterin. Der Film ist zum Scheitern verurteilt.

Über sechs Tage wird die Entwicklung des zu drehenden Films parallel zum Identitätswandel der Regisseurin begleitet. Begehren gibt es reichlich doch die Nähe fehlt. Und das macht dieses Vorhaben und damit auch den Film von RP Kahl so interessant. Gibt es eine ungesteuerte Lust, einen nicht-inszenierten Sex, eine Erotik jenseits aller Spielanleitungen? Die zunächst als Zusammentreffen von Identität und Raum definierte Erotik wird in fünf thematischen Kapiteln durch das Begehren, durch den Willen und erst am Ende durch die Körperlichkeit ergänzt und aus der Perspektive der Beobachterin, anfangs durch die Kamera, dann immer weniger vermittelt, erlernt.

Das sechste Kapitel ist der Moment der Erkenntnis. Wie viele Filmemacher zuvor, die sich in ihren Filmen in einer Form selbst entblößen (Catherine Breillat, Isild del Besco), wagt auch RP Kahl sehr viel. Sein Porträt einer Filmemacherin, die letztlich die Authentizität und die Erkenntnis, nach der sie strebt, nur in der eigenen Lust finden kann, entfernt sich soweit von allen Pfaden des deutschen Kinos, den sicherlich nur die Wenigsten folgen wollen. Was aber auch diesen Film noch sehr viel interessanter macht. Nicht überraschend also die Tatsache, dass von Filmförderung und Fernsehen keine finanzielle Unterstützung zu erwarten war.

Bildqualität

Der Arthouse-Film ist mit HD-Kameras aufgenommen worden, ohne künstliches Licht oder einer Nach-Colorierung. Die vorherrschende Farbe ist blau, ansonsten sind die Farben blass und kühl. Auf der DVD kommen die Farben sehr klar und authentisch auf den Monitor. Auch die Schärfe überzeugt mit klaren Konturen und guten Detailreichtum. Der ausgewogene Kontrast sorgt für ein differenziertes Bild.

Tonqualität

“Bedways” ist keine teure Studioproduktion. Der DTS-5.1-Ton kann also keinen Raumklang erzeugen. Die spärlich eingesetzte Musik nutzt aber auch die A+B Rear-Speaker, der Rest findet an den Frontlautsprechern statt.

Extras

Ein 18minütiges Gespräch zwischen RP Kahl und Darstellerin Miriam Mayet, mehr ein lockerer Gedankenaustausch über die Dreharbeiten bildet das einzige Extra auf der DVD neben einem Musikvideo des im Film verwendeten Stücks „Flesh is the Law“ der Band Mypark sowie dem obligatorischen Trailer.


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