DVD / BLU-RAY TIPP

Johnny Mad Dog

Kindersoldaten sind Täter und Opfer zugleich, das macht ihr Schicksal so grausam. Denn die Spannung zerreißt ihre Seelen.
„Johnny Mad Dog“ beginnt ohne Umschweife mit der Erstürmung eines Hauses durch eine Truppe Kindersoldaten um den 15-jährigen Anführer Johnny Mad Dog (Christophe Minie). Sie kämpfen auf Seiten der Rebellen, deren Befehle sie durch ihren Vorgesetzten Never Die (Joseph Duo) erhalten, den sie General nennen. Aufgeputscht durch kämpferische Reden und Drogen ziehen sie marodierend durch das Land, in dem ihnen jeder ein Feind erscheint, den sie nicht kennen. Gleichzeitig versucht das junge Mädchen Laokole, innerhalb des Chaos zu überleben und ihren Vater sowie den kleinen Bruder zu beschützen.

„Johnny Mad Dog“ erzählt eine kurze Episode aus einem nicht näher benannten Bürgerkrieg in einem afrikanischen Staat, der Liberia, aber auch ganz anders heißen könnte. Denn Regisseur Jean-Stéphane Sauvaire geht es nicht darum, eine politische Position zu einem definierten Konflikt zu beziehen, er hat eine universelle Anklage gegen das System Kindersoldaten formuliert. Die erzählte Handlung beginnt an einem beliebigen Punkt, ohne dass eine klassische Dramaturgie dahinter steht. Der Krieg beschränkt seine Grausamkeit nicht auf die Zeitspanne eines Spielfilms, sie ist immer präsent. Sauvaire entgeht mit seiner geschickten Strategie der scheinbaren Unverbindlichkeit der Problematik, dass die grimmige Schilderung des Films auf eine eng eingefasste Realität des Krieges bezogen wird, die Verantwortlichen Schlupflöcher offenbart.

Stattdessen setzt Sauvaire auf eine hautnahe Perspektive, welche die Situation mit kraftvollen Kamerabildern einfängt, in der sich die Kindersoldaten befinden. Ihr Schicksal erzählt vom Verlust der Menschlichkeit, der für alle Kindersoldaten gilt. Die Mischung aus dynamischer Handkamera und ruhigen Bildern, mit denen die Gruppe um Johnny Mad Dog eingefangen wird, vermittelt die Unübersichtlichkeit der bewaffneten Auseinandersetzung, der sich die jungen Kämpfer ausgesetzt sehen. Ihr ständiges Schreien erweist sich ebenso als Machtdemonstration wie als Dokumentation ihrer Unsicherheit, die übertüncht werden soll. Sie alle wurden mit der Waffe gezwungen, etwas zu tun, das sie sonst nicht tun würden. Die Grausamkeit, mit der sie Unschuldige erschießen oder quälen, ist Teil einer menschenverachtenden Manipulation, die aus Kindern marodierende Banden gemacht hat. Dem steht eigentlich nur das junge Mädchen Laokole gegenüber, das mit selbstloser Aufopferung versucht, ihrem angeschossenen Vater das Leben zu retten. Aber auch bei ihr, die wie ein Lichtblick in einem wertelosen Chaos erscheint, wird die Gewalt Spuren hinterlassen. Niemandes Seele bleibt in einem mit solch entfesselter Rohheit geführten Konflikt völlig verschont.

Bildqualität

Die Bluray präsentiert den dynamischen Film mit einer guten Schärfe, die sowohl auf klare Konturen als auch einige Details zurückgreifen kann. Leichte Unschärfen bei manchen Bewegungsszenen stören nicht. Die dezenten Farben geben die trostlose Atmosphäre des Kriegsgeschehens sehr gut wieder. Der ausgewogene Kontrast arbeitet die einzelnen Bildbereiche gut heraus. Auch in dunklen Szenen werden keine Details verschluckt.

Tonqualität

Der Ton liegt in der Originalsprache im DTS-HD-Master-5.1-Format vor. Eine deutsche Synchronisation existiert nicht. Die Dialoge werden auch im hektischsten Geschrei präzise wiedergegeben. Darüber hinaus überzeugt die Abmischung mit einer guten räumlichen Atmosphäre, die sowohl die Schüsse während der Kampfhandlungen, als auch die Kriegsgesänge oder andere atmosphärische Geräusche auf alle Lautsprecher verteilt.

Extras

Das 51-minütige Making Of zeigt die Kindersoldaten, welche in „Johnny Mad Dog“ mitspielen, bei der Entwicklung einzelner Filmszenen, beleuchtet die Arbeit des Schauspielcoaches und vereint Interviewsequenzen mit Regisseur Jean-Stéphane Sauvaire sowie Produzent Mathieu Kassovitz, in denen sie über die Dreharbeiten sowie die Konzeption des Films sprechen. Das Making Of liefert Informationen zu den verschiedenen Facetten der Filmproduktion, so dass ein interessantes Gesamtbild entsteht. Ein gutes Making Of.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



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