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Jigoku – Das Tor zur Hölle

Jigoku - Das Tor zur HölleRapid Eyes Veröffentlichungen japanischer Klassiker der etwas unbekannteren Art fördern immer wieder wunderbare Schätze der Kinogeschichte hervor, die vor allem auch zeigen, wie weit das japanische Kino in bestimmten Segmenten seiner Zeit voraus war. „Jigoku – Das Tor zur Hölle“ reiht da sich nahtlos ein.

Der Student Shirô (Shigeru Amachi) ist eines Abends mit seinem merkwürdigen Bekannten Tamura (Yôichi Numata) unterwegs. Tamura fährt einen Yakuza über den Haufen und macht sich schnell davon, weil es nach seiner Ansicht keinen Zeugen gibt. Das entspricht aber nicht ganz der Wahrheit, denn sie wurden beobachtet. Die Zeugin und die Frau des Yakuza schwören daraufhin Rache. Während Tamura die Angelegenheit hinfort wischt, plagen Shirô aber Schuldgefühle. Als er wegen des beunruhigenden Gesundheitszustandes seiner Mutter nach Hause fährt, trifft er dort auf eine Gesellschaft, moralisch fragwürdiger Gestalten, zu denen sich schließlich auch die Frau des Yakuza gesellt, die ihm gefolgt ist, um Rache zu nehmen. In der Ödnis der Provinz kommt es zu einer kollektiven Katastrophe, die Shirô direkt in die Hölle führt.

Etwas mehr als die Hälfte des Films reflektiert der Film über die Sehnsüchte sowie Verfehlungen der Hauptfigur Shirô, die immer stärker in den Bann des undurchsichtigen Tamuras gerät. Nobuo Nakagawa inszeniert das mit einer konsequenten Stringenz in der Stoßrichtung, während die Ereignisse leicht verschachtelt wirken. Die einzelnen Szenen strahlen den gemeinsamen Geist der Schuld aus, der kein Erlösungsszenario erkennen lässt. So bereitet Nobuo Nakagawa mit seiner unspektakulären, aber eindringlichen Dramaerzählung die abschließende Höllenvision vor.  Shirô landet in einer surreal anmutenden Bestrafungsphantasie, die mit Nebel, schwarzem Hintergrund und kräftigen Farben gestaltet wurde. Die Höllenvision ist Ausdruck der inneren Landkarte des Protagonisten, der sich das Grauen in einer selbstverstärkenden Weise aneignet. Dabei nimmt der Film nicht nur stilistische Elemente der farblichen Bildgestaltung vorweg wie sie später unter anderem im italienischen Horrorkino aufgetaucht sind, er hat auch ein paar handfeste Splattereffekte parat, wenn ein menschliches Skelett mit ein paar der dazugehörigen Innereien zu sehen ist. Die enge Verknüpfung zwischen Körper und Geist findet ihren Niederschlag in einer ebenso bizarren wie ausdrucksstarken Höllenvision, die zwischen Malträtierung des Fleisches und des mentalen Apparates changiert.

Bildqualität

Der etwa 50 Jahre alte Film liegt leider nur in einer eingeschränkten Qualität vor, die aber noch guckbar ist. Zahlreiche Verschmutzungen und analoge Defekte sind Zeugen seines Alters. Die Schärfe kommt nicht über durchschnittliche Werte hinaus. Die Farben sind leider nicht ganz so kräftig wie man es sich bei der visuell expressiven Gestaltung des Films wünschen würde.

Tonqualität

Die DD 2.0-Mono-Tonspur weist ein immerwährendes Hintergrundrauschen auf. Die Dialoge werden davon aber nicht übertönt. Die Klangqualität leidet unter dem unausgewogenen Spektrum, so dass der Ton etwas verzerrt wirkt, weil die Höhen dominieren. Wie beim Bild kann man mit dem Ergebnis aber noch leben.

Extras

Das Bonusmaterial besteht aus einem Trailer.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei www.dvdheimat.de erschienen.



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