DVD / BLU-RAY TIPP

Guilty of Romance

Deprimierend grimmige Thriller wie „Suicide Circle“ („Jisatsu Saakuru; Japan 2002) und psychotische Horrorextravaganzen wie „Exte – Hair Extensions“ („Ekusute“, Japan 2007) gehören zum körperlich und sinnlich an die Grenze gehenden Schaffen des japanischen Regisseurs Shion Sono.

„Guilty of Romance“ verbindet wie Sonos Vorgängerfilm „Cold Fish“ („Tsumetai nettaigyo“, Japan 2010) beide Ausdrucksformen zu einer wilden Mischung aus Meldodram, Thriller und Horrorfilm. Die Polizistin Kazuko Yoshida (Miki Mizuno) soll den Mord an einer Frau aufklären, deren verstümmelte Leiche in einem leerstehenden Haus in einem Tokioter Vergnügungsviertel gefunden wird. Während Yoshida ermittelt und den Hintergründen um den Mord immer näher kommt, widmet sich Sono zusätzlich der Schriftstellergattin Izumi Kikuchi (Megumi Kagurazaka), die in einer ritualisierten Ehe gefangen ist. Als ihr Mann ihr erlaubt, dass sie tagsüber arbeiten gehen darf, gerät sie erst ins Pornobusiness, und nach der Bekanntschaft mit der als Prostituierte arbeitenden Uni-Professorin Mitsuko Ozawa (Makoto Togashi) ins Vergnügungsviertel hinein.

Die Literatur-Professorin Mitsuko lebt mit der tragischen Gewissheit, ihre im gewöhnlichen Alltag unerfüllte Sehnsucht nach Befriedigung auch bei ihren triebhaften Streifzügen als Prostituierte nicht finden zu können. Mitsuki verbindet in ihrer Persönlichkeit analytischen Intellekt, wenn sie über die Natur der Wörter referiert, mit dem Verlangen nach einer körperlich erschöpfenden Lust, der sie als vulgär auftretende Prostituierte näher kommen will. Beides zusammen entwickelt eine dynamische Sprengkraft, die mit emotionalen und physischen Katastrophen einhergeht. Die Folge ist eine Existenz im Extrem, in das auch Izumi hineingezogen wird.

Sono spiegelt die brachiale Tragik hinter den persönlichen Dramen mit einer expressiven Bildsprache wieder, die sich auch nicht scheut, während ruppiger Sexeinlagen mit rosa Farbe gefüllte Beutel platzen zu lassen, sodass der leicht zähflüssige Inhalt ebenso lüstern wie Abscheu erregend über die nackten Körper gleitet. Trieb und Lust mit exzessiven Ausdrucksformen scheinen in „Guilty of Romance“ die Folge einer gesellschaftlich in oberflächlichen Unverbindlichkeiten erstarrten Gemeinschaft zu sein. Die einzige Chance für die unterdrückten Frauen ist die Flucht in eine Nebenwelt, die sich dem ritualisierten Alltagsleben wenigstens teilweise entzieht.

Bildqualität

Das Bild der Bluray überzeugt mit einer klaren Schärfe, welche die ästhetischen Tableaus präzise wiedergibt. Die Schönheit der Bildgestaltung kommt dadurch gut zur Geltung. Unterstützt wird die gute Schärfe durch kräftige Farben im Dienste der ausdrucksstarken Szenerien. Der gute Kontrast sorgt auch in dunklen Szenen für eine gute Durchzeichnung.

Tonqulität

Die DTS-HD-Master-5.1-Tonspuren nutzen nur selten alle Kanäle aus, da der Film akustisch ein ruhiger Vertreter ist. Dennoch hätte man sich eine etwas dynamischere Abmischung der Musik wünschen können. Denn auch sie ist nur sehr dezent aus den hinteren Lautsprechern zu hören. Die Bandbreite der vorderen Boxen wird hingegen einwandfrei ausgenutzt. Die Dialoge sind gut verständlich.

Extras

Das etwa 53-minütige Making Of sieht üppiger aus als es ist. Man erfährt ein wenig über problematische Szenen, die manchen der Darsteller Schwierigkeiten bereitet hat, ansonsten besteht es im Wesentlichen aber aus Setaufnahmen vom Dreh und höflichen Äußerungen der Beteiligten. Ein Trailer zum Film ist auf der Bluray auch noch enthalten.

Eine ausführliche Version des Textes ist hier bei dvdheimat.de erschienen.

 



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