DVD / BLU-RAY TIPP

Good Time

Cover der Blu-ray von "Good Time" mit Robert Pattinson.Es handelt sich bei diesem Film der Safdie-Brüder um alles andere als um einen gewöhnlichen Crime-Thriller. Dies wird bereits zu Beginn, beim einführenden Banküberfall, sehr deutlich. Diese Szene, ansonsten für viele Filme aus dem Genre ein Schlüsselmoment, hat man wohl noch nie so geräuschlos und unaufgeregt inszeniert gesehen wie in dieser Interpretation von Bennie und Josh Safdie. Es ist die Anti-These zu beispielsweise Christopher Nolans monumentaler Anfangssequenz aus „The Dark Knight„. Mit Zettel und Stift bewaffnet erbeuten Connie Nikas (Robert Pattinson) und sein geistig beeinträchtigter Bruder Nick (Benny Safdie, auch Regie!) ohne ein Wort zu sprechen 65.000 Dollar. Wenig später jedoch macht Nick einen entscheidenden Fehler. Er wird festgenommen. Wie im Wahn hetzt Connie nun durch die New Yorker Nacht, um das nötige Geld für die Kaution aufzutreiben.

Was folgt, ist eine aufgekratzte aber doch mitreißende Tour de Force, die dem Zuschauer einiges abverlangt. Wir sind stets ganz nah dran an Connie, da die Kamera häufig äußerst dicht an seinem Gesicht geführt wird. Je länger die Nacht dauert, umso manischer wird er, da durch steigende Polizeipräsenz hinter jeder Ecke Gefahr lauert. Die Zuschauer können dabei zusehen wie die Gedanken durch seinen Kopf rasen und er stetig versucht, den nächsten Schlamassel aufzulösen.

Szene aus dem Film "Good Time" mit Robert Pattinson.Robert Pattinson verleiht seinem Charakter dabei einen bemerkenswerten Tunnelblick. Connie kalkuliert stets mit weit aufgerissenen Augen die beste Lösung und ist sowohl rücksichtslos als auch clever genug, diese durchzuziehen. Seine eindringliche Performance als schmieriger Kleinganove dürfte nun weiter dazu beitragen, dass er sich von seinem Image als Teenie-Schwarm aus der „Twilight-Reihe“ lösen kann.

Erzeugt die enge Kamera ein geradezu klaustrophobisches Gefühl, fungiert der völlig wahnsinnige Soundtrack als vielleicht wichtigstes Element der konstanten Beklemmung, die der Film auslöst. Für die Musik zeigt sich der experimentelle Elektro-Produzent Oneothrix Point Never verantwortlich. Diese ist zwar nicht ganz so fragmentiert und sperrig wie auf seinen eigenen Alben. Doch er bedient sich gekonnt bei einigen 80s Synthie-Hits, die in Verbindung mit der Noir-Atmosphäre an Cliff Martinez‘ Klängen aus „Drive“ erinnern. Untermalt von paranoid pulsierenden Klängen mit kreischenden Gitarren und nervösen Keyboardmelodien werden Emotionen transportiert, die Connies innere Unruhe perfekt auf den Zuschauer übertragen.

Szene aus dem Film "Good Time" von Benny und Josh Safdie.Benny und Josh Safdie bearbeiten aber nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen. Ein wahrer Regen an Neonfarben prasselt auf den Zuschauer ein. Jede Szene, ob drinnen oder draußen, ist durchzogen von anstrengend grellen Tönen, die im starken Kontrast zur sonst unheimlich düsteren Belichtung stehen. Dadurch bekommt der Film einen fast schon retrofuturistischen Look, der an „Blade Runner“ erinnert.

Die Story bleibt da weitaus „homogener“, sie schlägt in „Good Time“ zwar ein, zwei Haken zu viel und verliert zwischenzeitlich ein bisschen die Orientierung. Doch die Geschichte jagt Connie wenig später von der Straße in ein Krankenhaus, wo sein Bruder mitten in der Nacht landet, über ein kleines Apartment, wo er sich vor der Polizei versteckt bis hin zu einem Vergnügungspark, in dem er eine Tasche voller Geld finden soll. Das wirkt zuweilen etwas planlos, doch Inszenierung und Musik nehmen den Zuschauer so konstant in die Mangel, dass dem Zuschauer nicht viel Zeit bleibt, über die Handlung nachzudenken. So ist „Good Time“ im Großen und Ganzen ein perfekt inszenierter und überraschend kurzweiliger Ritt. Jetzt auf DVD / Blu-ray. Sehenswert!

 

Kritikerspiegel Good Time



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sören Bruns
mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 





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